Die Zahl derjenigen, die Medizin studieren ohne Abitur, hält sich noch in Grenzen. Hakima Bourhaial ist die erste Ärztin ohne Abitur. Ihr Bildungsweg zum Traumziel: eine Ausbildung zur Krankenschwester nach dem Realschulabschluss, im Anschluss Arbeit auf einer Intensivstation und dann eine berufsbegleitende Weiterbildung zur Fachkrankenschwester. Das reichte für die Zulassung zum Medizin studieren ohne Abitur – in Niedersachsen, das erste Bundesland mit den neuen Zulassungsbedingungen.
Den „Umweg“ über Ausbildung und Berufserfahrung zu nehmen, hat Vor- und Nachteile. Das Basiswissen an der Uni baut auf dem Stoff der Gymnasien auf. Den musste Bourhaial anfangs nachholen. Dank der beruflichen Erfahrung wusste sie allerdings, worauf es ankam und welche Vorlesungen sie vernachlässigen konnte.
Neue Regelungen in den Bundesländern
Die Agentur für Arbeit berichtet, dass die Hochschulzugänge gelockert werden. Wer kein Abitur hat, muss Berufserfahrung haben und explizites Fachwissen vorweisen können. Noch gibt es keine einheitlichen Regelungen in den Bundesländern. Der Zugang kann über Eignungsprüfungen, Auswahlgespräche oder ein Probestudium erfolgen.
Seit PISA hat sich einiges getan. Auch Meister, Techniker und Fachwirte erhalten jetzt einen allgemeinen Hochschulzugang.
Medizin studieren ohne Abitur durfte Bourhaial, weil sie sich durch ihre Ausbildung und mehrjährige Berufserfahrung ein fachgebundenes Zugangsrecht erarbeitet hatte. Nach der neuen Regelung erhält man diese nach einer mindestens zweijährigen Ausbildung und dreijähriger Berufspraxis.
Beispiel Niedersachsen
Die Landeskinder Niedersachsens können eine fachbezogene Hochschulzugangsberechtigung durch eine Prüfung erwerben. Ansonsten gilt auch hier die neue Regelung, nach der bestimmte Erfahrungen in einem Beruf für ein entsprechendes Studium qualifizieren. Ob ein Fach als berufsbezogen ausgelegt werden kann, entscheiden die Fachbereiche zum Teil für den einzelnen Fall.
Chancen an der Fachhochschule
Für Studiengänge im Bereich der Medizintechnik reicht eine Fachhochschulreife. In der Regel muss es dann aber schon ein überdurchschnittlich guter Abschluss sein. Die Abschlüsse tragen allerdings andere Namen: Bachelor of Science und Master of Science.
Nicht-Abiturienten, die sich in Medizin verliebt haben, können es trotzdem schaffen, wenn sie sich anstrengen. Sie müssen sich fragen, welchen Weg sie einschlagen wollen. Möchten sie die Fachhochschulreife bzw. das Abitur über den zweiten Bildungsweg nachholen oder zunächst eine Berufsausbildung beginnen und Erfahrungen sammeln? Beide Wege können zum Erfolg führen.
