Lustige Wirtschaftsbegriffe: Dienstmädchenbörse, Absaufklausel, Eisberg-Order – Was verbirgt sich dahinter

Wirtschaftsbegriffe werden uns in sämtlichen Branchen und Sparten und in jeglichen Themengebieten permanent vorgesetzt: In finanziellen Krisenzeiten betreffen die wirtschaftlichen Gesichtspunkte der Nachrichten nun eben nicht nur die Börse, sondern auch die Politik und soziale und kulturelle Entwicklungen, kurz: das Wirtschaftslexikon ist derzeit überall mit dabei. Und während sich der nicht-BWL-studierte Nachrichtenleser und -hörer oftmals arg trockene Wirtschaftsbegriffe zu Gemüte führen muss, gibt es doch einige, die beweisen, dass man die Wirtschaft auch mit Humor nehmen kann – wenn auch ab und an vielleicht etwas ungewollt, wie die folgende Aufstellung zeigt, die man auch versteht, wenn man nicht technischer Betriebswirt ist.

lustige Wirtschaftsbegriffe!

1

Absaufklausel

Was entweder klingt, wie die feucht-fröhliche Vertragsabschlussparty oder ein schützender Vertragszusatz im Falle einer Firmenpleite, ist in der Tat Teil der Optionsscheinbedingungen. Mit der Absaufklausel soll geregelt werden, dass Kapitalerhöhungen während der Laufzeit nicht für eine schlechtere Stellung des Inhabers eines Optionsscheins sorgen. Man spricht hier auch von einem Verwässerungsschutz beim Anlageerfolg.

2

Clubgut

Beim Clubgut geht es nicht um verkaufte Waren in einer Disco oder den Gegenständen, die man beim Cluburlaub nutzen kann, sondern um Güter im weiteren Sinne, die sich nur zu einem Zweck nutzen lassen und auch nur von einer bestimmten Personengruppe. Von daher ist „Club-“ durchaus wörtlich zu verstehen: In einem Golfclub etwa können nur die Mitglieder das Grün nutzen, dafür aber theoretisch frei von Rivalität (denn alle Mitglieder haben das gleiche Anliegen und die gleichen Rechte). Zu Rivalen werden die Clubmitglieder erst, wenn ihre Anzahl steigt und alle gleichzeitig auf die Güter zugreifen wollen. „Clubgut“ wird hierbei meist als Bezeichnung für das Gesamtkonstrukt, also den Golfclub oder ein Fitnessstudio, angewandt.

3

Dienstmädchenbörse

Hier zeigt sich ein leicht elitärer Humor der Börsianer: Wenn nicht nur gutbetuchte Investoren an der Börse spekulieren, sondern auch jene, die ansonsten nichts mit dem Aktiengeschäft zu tun haben („Lieschen Müller“ gleichsam), da sie sich Gewinne versprechen ohne Ahnung vom Börsengeschäft zu haben – vor allem, wenn die Kurse lange Zeit angestiegen sind im sogenannten Bärenmarkt oder Hausse -, werden die Wirtschaftsbegriffe der Dienstmädchenbörse oder Hausfrauenbörse bemüht.

4

Eisberg-Order

Die Eisberg-Order teilt das Ordervolumen in kleine Abschnitte, deren Spitzenstückzahl im Orderbuch gesehen werden kann. Sobald diese Order erfüllt wurde, kommt der nächste Schwung hinterher. Diese Limitorder werden dann so oft wiederholt, bis das komplette Volumen erreicht ist. Die recht blumige Umschreibung entstammt der Vorstellung, dass von einem Eisberg nur die obere Spitze zu sehen ist, während der deutlich größere Rest unter Wasser liegt – mit einem Salat oder der Titanic hat der Begriff derweil nichts zu tun.

5

Fungibilität

An eine Dose Champignons sollte man nicht denken, wenn man „Fungibilität“ hört. Denn auch wenn „Fungi“ auf Latein tatsächlich „Pilze“ heißt, steht „fungi“ ebenfalls im Lateinischen für „verwalten“ oder „vollbringen“. Für Wirtschaftsgüter bedeutet dies, dass sie durch ihre Anzahl definiert werden können, durch ihr Gewicht oder ihre Abmessungen und durch diese nicht individuellen Dimensionen austauschbar sind. An der Börse sind fungible Güter, Wertpapiere, Devisen etc. eine der Grundvoraussetzungen dafür, überhaupt handeln zu können, da es sich eben nicht um Unikate handelt, sondern um völlig frei austauschbare Stücke.

6

Gießkannenprinzip

Unter dem drolligen Begriff des Gießkannenprinzips versteht man die gleichmäßige Bearbeitung mehrerer Felder. Dies kann bedeuten, dass verschiedene Projekte in gleicher Stärke subventioniert oder dass Märkte gleichzeitig angegangen werden. Diese Strategie zeichnet sich durch eine faire und simultane Verteilung aus, die aber unter Umständen teuer und zu zerfasert sein kann, im Gegensatz zu direkter und zielgerichteter Beschäftigung mit den Einzelaspekten. Die Vorteile liegen hingegen in der schnellen und marktübergreifenden Abdeckung.

7

Goldener Fallschirm

Gold ist ein schweres Metall und würde bei einem Fallschirm wohl eher zu einem schnelleren Fall führen. Beim goldenen Fallschirm liegt die Assoziation zum goldenen Käfig allerdings nah, denn auch hier wird eine bittere Pille versüßt: Hiermit bezeichnet man vertragliche Abmachungen, die für Geschäftsführer, Vorstände und ähnliche hohe Stellen finanzielle Absicherung gewährleisten sollen, wenn die Position verlassen werden muss, z.B. aufgrund einer Firmenübernahme.

8

Hexensabbat

Wenn Aktien– und Index-Optionen sowie Index-Futures am gleichen Tage verfallen, also die Abrechnungspreise zur Bewertung festgestellt werden, spricht man im Wirtschaftslexikon vom Hexensabbat. Immer zum Ende eines Quartals, genauer am dritten Freitag im März, im Juni, im September und im Dezember, sind die Kurse wild beweglich, was dem Tag seinen Namen gibt – die drei Hexen aus Shakespeares Macbeth („etwas Böses kommt daher“) werden sicherlich auch zum englischen Wirtschaftsbegriff des „Triple Witching Day“ beigetragen haben.

9

Ikea-Klausel

Benno, Billy, Poäng und Klippan – die Ikea-Klassiker stehen in so gut wie jedem Haushalt. Und ebenso bekannt ist der Kampf mit der Gebrauchsanweisung. Die sogenannte Ikea-Klausel sorgt dafür, dass man auch Mängelgewährleistungsrechte in Anspruch nehmen kann, wenn man das gekaufte Produkt beim Selbstaufbau beschädigt – und die fehlerhafte Gebrauchsanweisung daran schuld ist, wie der Paragraph 434, Absatz 2 des BGB erklärt.

10

PEST-Analyse

Die PEST-Analyse ist mitnichten eine Tätigkeit aus der Medizin, vielmehr handelt es sich um ein englisches Akronym, dessen Bestandteile sich aus Politik (political), Wirtschaft (economical), Sozialem (social) und Technologie (technological) zusammensetzen. Diese vier Teile sollen dazu genutzt werden, um den Blick von außen auf das Unternehmen, die Ziele und Produkte zu ermöglichen. Dies beinhaltet die Gesetzgebung, wirtschaftliche Entwicklung, die demographischen Gegebenheiten und das Verhalten der Kunden und die technologischen Neuerungen und Positionen. Während man im deutschen Raum bei PEST wohl eher an die mittelalterliche Seuche denkt, bedeutet das Wort übrigens auf Englisch soviel wie Schädling…

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