Lernen Sie: keine W-Fragen zu stellen

Am Anfang, als es begann mit der Demenz bei meiner Mutter – sie lebte noch alleine zu Hause, gab es von meiner Seite oft Unverständnis und ich wurde ungeduldigt. Ich habe meine Mutter z.B. gefragt:

> Warst Du einkaufen?

> Was hast du dir gekocht?

> Wer war denn bei dir? ( es standen frische Blumen auf dem Tisch )

> Was hast Du im Fernsehen gesehen?

> War der Pflegedienst bei Dir und hat dir die Tabletten gebracht?

> Warst du bei der Nachbarin ( Meine Mutter hatte eine Einladung zum Kaffee bei der Nachbarin )

Es geht so endlos weiter. Ich habe, so dachte ich jedenfalls, ganz natürlich gefragt ( wie sonst auch ) aber ich merkte immer mehr, sie konnte mir nicht mehr antworten. Damit es nicht auffallen sollte, hat sie dann auf verschiedene Fragen mit ja oder nein geantwortet. Das habe ich dann auch noch kontrolliert. Und ihr dann gesagt: Mama: das musst du doch noch wissen. Hast du nun zu Mittag gegessen, oder nicht? Und so ergab sich so manches lautet Wort.

Dann habe ich gemerkt, so kann es nicht weitergehen.

Ich frage jetzt nicht mehr:     warst du,     warum hast du,    usw. !!!!

Wir haben jetzt immer und jeden Tag eine wunderbare Unterhaltung. ( die natürlich fast ausschliesslich von mir geführt wird ) Ich dränge sie nicht, mir ständig etwas zu beantworten, was sie nicht mehr weiss. Und ich rege mich überhaupt nicht mehr auf, weil es eben keine " W-Fragen " mehr gibt.

Eigentlich ist es ganz einfach, wenn man es weiss. !!!!

Probieren Sie es einmal aus. Wenn der Angehörige dement ist, funktioniert das Kurzzeitgedächnis nicht mehr und daher kann er Ihnen auch nicht mehr eine Antwort geben. Übrigens das Langzeitgedächnis verschwindet auch bei meiner Mutter. Ich dachte immer, das würde noch erhalten bleiben, aber leider ist dem nicht so.

Fazit:  Wenn man manchmal eine Frage einfach wegläßt, erscheint alles einfach und in einem wunderbaren Licht, für beide Seiten.

4 Meinungen

  1. Selbst „professionelle“ Pflegekräfte stellen so oft die W-Fragen … da stelle ich mir die Frage Haben die denn nichts gelernt?Wir Azubis lernen das schon in den ersten Wochen der Ausbildung. Warum? Weshalb? Wieso? …Ich bin in einer Gerontopsychiatrischen Einrichtung beschäftigt. … Gut, dass ich diesen Blog hier gefunden habe.GrußN.

  2. Hmm, ich denke, es ist beim Thema „Älter werden“ wie bei vielen anderen Themen auch: es gibt durchaus eine Reihe guter Gründe, um davor eine Angst zu entwickeln. Aber ebenso gibt es mehr als genug Gründe, um gerade dies nicht zu tun.Interessanterweise ist das negative, angstvolle Denken für unser Gehirn die leichtere Übung. Wenn wir also positiv denken wollen, z.B. in Richtung der reichhaltigen Chancen, die mit dem älter werden auch verbunden sind, müssen wir aktiv gegensteuern. Aber es lohnt sich. Und mit entsprechenden Denk- und Gesundheitsstrategien können wir eine Menge tun, um auch im Alter eine hohe Lebensqualität wenn nicht sicherzustellen, so doch stark zu fördern bzw. deren Wahrscheinlichkeit zu erhöhen.Markus Frey

  3. … negatives Denken fällt dem Gehirn leichter? Das war mir nicht bekannt, bestätigt aber persönliche Beobachtungen und Erfahrungen. Negative Gedanken nisten sich allzu schnell im Kopf ein. Manchmal reicht eine blöde Bemerkung und schon beginnt der kleine Horrorfilm im Kopf. Doch mit dem Älterwerden wird man irgendwie gelassener, bewertet manche Dinge neu bzw. anders und weiß, wofür es sich lohnt, aktiv zu werden. Zum Beispiel für positive Denk- und Gesundheitsstrategien, wie Herr Frey zu Recht meint. Vielen Dank für Ihren Input. Auf einer Geburtstagskarte habe ich neulich gelesen: Älterwerden ist nichts für Angsthasen. So ist es: Stell Dich deinen Dämonen bzw. Ängsten und Du wirst schnell merken, welches Potenzial noch in Dir steckt.

  4. @Deshalb liebe Chefs und Personalentscheider. Kümmert Euch um Eure Leute und deren Gesundheit. Und: Stellt Euch auf die demografischen Veränderungen ein. Lieber heute als morgen – sonst seht Ihr bald alt aus! Eine gute Message zum Schluss!!Vielen Rentnern in Deutschland geht es gut. Es fällt sofort auf, wenn man durch eine Kleinstadt in Deutschland schlendert. Wichtig im Alter (ab 60 // natürlich eigentlich das ganze Leben lang!!) ist, dass man aktiv bleibt // ist.Angst vor dem persönlichen Altern kann ich verstehen, wenn man im hübschen Gesicht immer mehr Falten sieht…

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