Legoland Billund: Bauklötzestaunen für Fortgeschrittene

Kinder, wir fahren ins Legoland! Frenetischer Jubel. Seit Jahren investieren wir gefühlte Millionen in sinnvolles Plastikspielzeug, bevorzugt in jenes mit den markanten runden Steckpenöpeln. Nun einen ganzen Tag darin zu baden, verspricht dem Nachwuchs höchste Wonnen – wie Onkel Dagobert sie in seinem Geldspeicher erlebt. Wir besitzen übrigens keinen solchen Speicher und fahren deshalb zwar freudig, aber nicht ohne schlimme Befürchtungen Richtung Dänemark.

Jenseits der Autobahn (nach Kolding) gibt das Navigationssystem auf. Der Pfeil segelt wie auf Droge durch braunes Niemandsland. Und der Blick aus dem Fenster bietet ähnliche Öde. Endlose verbrannte Felder, karge Waldstückchen, luftig bebaute Minidörfer, selten sorgt eine alte Reetdachkate für die erwartete Folklore.

Bis einen Kilometer vor Billund plötzlich drei Giga-Legosteine – wie mit dem Farbgewehr in die Landschaft geschossen – den Adrenalinpegel auf Touren bringen. Legorausch, wir kommen!

Obwohl Sonntag ist, sind die Kassenschlangen kurz. 40 Kronen Parkplatzgebühr wird verlangt, 225 Kronen kostet der Eintritt für einen Erwachsenen, 195 pro Kind. (100 DKR sind ca. 13 Euro). Als Legoclubmitglied (kostet nix) hat mein Sohn freien Eintritt und sogar sein Bruder darf gratis mit rein. Zweimal 28 Euro gespart.

Mein Kerl schleust uns geschickt durch die direkt hinter dem Eingang befindlichen Shopping-Zone. Kids-Wear, Brick-Shop und Restehalle müssen warten. Unter einem Baum droht ein Riesenhase aus Legosteinchen mit einer Kettensäge aktiv zu werden, auf einer Bank pennt ein Lego-Mensch und schnarcht. Gleich dahinter beginnt eine Miniaturwelt aus lauter bunten Steinchen. Hier Schloß Fredensborg, dort eine typisch japanische Großstadt, Staudämme, eine Milchverarbeitungsanlage, puppige Häfen, blechern muhende, mähende Tiere, jede Menge Eisenbahnen gleiten vorüber. Wie auf einem Wimmelbild hat das Auge jede Sekunde ein neues Detail zu entdecken. "Können wir jetzt mal weiter?", quaken die Kurzen bald.

Wie in jedem Vergnügungspark gibt es auch hier die gängigen Themenwelten von Indianer/Cowboy über Adventure, Piraten und Ritterburg bis Feuerwehr. Die Kinder schöpfen Gold, fahren mit allen Bahnen und Wasserattraktionen – je waghalsiger desto besser. Gegen sieben andere Löschzüge treten wir als Feuerwehrteam an und werden immerhin Dritte. Nur einmal ist uns die Schlange (eine Stunde Wartezeit) zu lang: bei der Gummireifen-Wasserbahn (Splasher?). Die Rittershow, die mit Akrobatik und bewährten Mitteln (Menschen fallen ins Wasser) Spaß erzeugt, gefällt, aber das absolute Highlight für die Kids ist der spacige Power Builder. Untergebracht in einer großen Lagerhalle warten bei düsterer Beleuchtung und metallischem Hintergrundsound Bionicle-Greifarme darauf jeweils zwei Freiwillige willkürlich hin und her und über Kopf zu schwenken. Vorher legt man an einem Automaten die gewünschten Moves und das Level (bis 10) fest. Kleine Kinder können nur einfachere Figuren auswählen. Mit der ausgespuckten Karte stellt man sich dann für das magenunfreundliche Vergnügen an. Als wäre man die weiße Frau im King Kongs Hand, denke ich schaudernd. Alle Männer sind restlos von den Socken. Nochmal!

Nach sechs Stunden sind alle platt, entsprechend wenig Interesse besteht an einem ausgedehnten Einkaufsbummel. Die Kinder möchten tatsächlich NICHTS! Fertigpackungen finden sie inzwischen blöd, basteln lieber mit Vorhandenem originelle Eigenkreationen. Nur Mama kann es nicht lassen und kauft ein paar Legostein-Magnete und Schlüsselanhänger mit Lego-Männchen. Das geht gerade noch ohne Geldspeicher und ist so herrlich nostalgisch.

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