It’s the text, stupid!

Dass sich westliche Gesellschaften auch und vor allem auf der Basis von Buchstaben erheben, dafür bietet der Streik der Writers Guild of America und der Freelancers Union Anschauungsmaterial zuhauf. Zuschauer müssen seit Wochen auf die Fortsetzung ihrer Lieblingssoap verzichten, Showmastern wie David Letterman fällt einfach nichts Unterhaltsames mehr ein, große Filmprojekte werden abrupt gestoppt und dem amerikanischen Wahlkampf gehen die Argumente aus: "Wegen des Streiks wurde das bevorstehende Fernsehduell der demokratischen Präsidentschaftskandidaten abgesagt".

Ziel der Autoren ist es, an der Verwertung der von ihnen erdachten ‚fiktionalen Welten‘ nicht nur einmalig, sondern auch auf anderen Stufen der Verwertungskette zu verdienen, zum Beispiel am späteren DVD-Verkauf. Dieses Anliegen zum Thema gemacht hat übrigens meines Wissens in Deutschland bisher nur die ‚Jungle World‘. Andere Medien und Agenturen, in denen bekanntlich längst das Prekariat marschiert, haben vielleicht Furcht, unnötigerweise schlafende Hunde zu wecken.

Auch hierzulande umfasst die Dienstleistung Text wesentlich mehr als nur das verhältnismäßig gut gestellte Subgenre ‚Journalismus‘: Formate wie ‚Marienhof‘ wollen mit halbwegs sinnvollem Geplauder gefüllt sein, Politiker benötigen Redetext, damit sich ihre Interessen in wohlbegründete Ansichten verwandeln, auf den Rückseiten der Müsli-Packungen soll auch etwas stehen, und selbst Konzepte und Tischvorlagen fallen nicht vom Himmel. Kurzum – ‚literacy makes the world go round‘. Trotzdem gilt hierzulande die Ansicht, dass es gute Texterinnen und Texter an jeder Ecke gäbe.

Warum nur, warum nur?

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