Ist Deutschland ein digitales Entwicklungsland?

Die Digitalisierung bestimmt und beeinflusst unser Leben sowie unsere Arbeitswelt im 21. Jahrhundert maßgeblich. Was vor wenigen Jahren noch Ideen oder Film-Fantasien waren, sind heute gelebte Realität. Die künstliche Intelligenz, das autonome Fahren oder Internet der Dinge eröffnen uns neue Möglichkeiten – doch ist das überall so? Und wie sieht es in Deutschland aus, wo der Breitbandausbau eher schleppend voranschreitet?

Die Stimmung der Deutschen in Sachen Digitalisierung und digitaler Entwicklung ist eher gemischt. Laut einer Umfrage der Friedrich-Ebert-Stiftung aus dem Jahr 2019, stehen sich Optimisten und Skeptiker der digitalen Entwicklung gleichermaßen gegenüber.

Ein Internetloch names Deutschland

Deutschland beweist immer wieder seine wirtschaftliche Stärke und das Industrieland bildet eine wichtige Säule für die Europäische Union, insbesondere nach dem Austritt der Briten.

Doch besonders bei der Breitbandversorgung und dem geplanten 5G-Netzwerk zeigt sich Deutschland zögerlich. Unterwegs im Zug telefonieren oder Emails zu checken, kann hierzulande zu einer Herausforderung werden. Der Grund dafür: Funklöcher und fehlender Breitbandausbau.

Laut einer Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) liegt Deutschland in Sachen Breitbandausbau im internationalen Vergleich auf den hinteren Plätzen. Vor allem in ländlichen Regionen und im Osten des Landes geht der Ausbau nur langsam voran. Gerade einmal 13 % Prozent der Nutzer erreichen die Geschwindigkeit, die ihnen vom gewählten Festnetz- und Mobilfunkanbieter vertraglich maximal zugesichert ist.

Fehlender Glasfaserausbau hindert Wirtschaft

Eine andere Studie der Organisation zeigt, dass beinahe alle Staaten der OECD in Glasfasernetze investieren, Deutschland hingegen hinke immer noch hinterher. Demnach sind in Estland 73 Prozent der Haushalte mit verfügbaren Glasfaserverbindungen versorgt, in Schweden 56 und in Spanien 53 Prozent – in Deutschland hingegen nur 6,6 Prozent.

Immerhin verbesserte sich die Versorgung im mittleren Bandbreitenbereich in den vergangenen Jahren deutlich. Nicht zuletzt seien die nationalen Ziele zum Internetausbau in Deutschland zu gering – deshalb investierten Netzbetreiber nicht genug in Glasfasernetze, sondern rüsten bestehende Kupferleitungen auf.

Kein Wunder also, dass Deutschland im europäischen Vergleich, was den Fortschritt in der Digitalisierung angeht, nur Platz 12 von insgesamt 28 belegt. Im weltweiten Vergleich ist es sogar nur Platz 36. Vor allem die hiesige Wettbewerbsfähigkeit leidet darunter, was auch Auswirkungen auf die deutsche Wirtschaft hat.

Deadline bis 2022

Die Digitalisierung bringt uns technologische Entwicklungen, die wiederum völlig neue Vertriebs- und Marketingmöglichkeiten eröffnen. Doch diese können nur genutzt werden, wenn man auf digitaler Ebene entsprechend aufgestellt ist. Deutschland geht also das Risiko ein, über kurz oder lang bei wichtigen Innovationen hinterherzuhinken anstatt selbst voranzuschreiten.

Es ist also höchste Eisenbahn angesagt. Nicht nur im Sinne privater Haushalte oder der freien Wirtschaft – auch die öffentliche Verwaltung soll laut Onlinezugangsgesetz bis 2022 großflächig online funktionieren und ist ebenso weit weg von der Realität.

Neben einem entsprechenden Breitbandausbau braucht es für dieses Projekt auch technische Hilfsmittel und Geräte wie sogenannte Drehgeber aus dem Bereich der Automatisierungstechnik. Diese wandeln eine Bewegung in ein analoges oder digitales Signal um. Sie können also analoge in digitale Daten umwandeln, und somit dem ganzen Digitalisierungsprozess in der öffentlichen Verwaltung mächtig unter die Arme greifen.

Bleibt festzuhalten, dass Deutschland in Sachen digitale Dienstleistungen, Anwendungen der Künstlichen Intelligenz und Cloud-Computing eine Menge Hausaufgaben zu erledigen hat, damit beispielsweise die deutsche Wirtschaft nicht sitzen bleibt. Jetzt ist die Politik gefragt, um klare Regeln für und ausreichend Investitionen in die Digitalisierung zu schaffen.

Bild: pixabay.com, geralt, 1987215


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