Innovatio praecox?

Wie beispielsweise die nach der presserechtlichen Verantwortung für Leserblogs oder Kommentare. Und auch die Frage nach den Geschäftsmodellen kam. Zurechtrücken musste man die Idee, das Einzellblogs so viel Traffic ziehen wie ganze Zeitungen. Erklärungsbedüftig war, dass Blogs nicht nur als Werbeträger dienen – sondern auch als Fühwarnsystem für lokale Themen oder größere Trends.

Und dann die Statistik: technorati, das 55.000.000 Blogs sieht und eine halbjährlicher Verdoppelung von deren Zahl und eine jährliche Verdoppelung des Blogtraffics. 8Immer nur bezogen auf das, was Technorati sieht…) 

Oder dass über 65% aller Schüler, die online sind, der Begriff 'Weblog' etwas sagt, dass 8% der US-Onliner bloggen und 7% der Deutschen über 14, die das Wort Blog schon gehört haben, auch eins haben. Oder dass über 40% der europäischen PR-leute selber bloggen wollen, um sich an der Journaille vorbeizuschmuggeln, die sich weigert ihre Pressemitteilungen 1:1 zu übernehmen.

Was dann aber erstaunt ist, dass man gefragt wird: "Meinen Sie es ist zu früh, da einzusteigen?"

Zu waaaaas?

"Aber natürlich, viel zu früh. Warten Sie einfach, bis alle schon bloggen, und machen Sie dann was auf." (Hä?)

Oder

"Ach wissen Sie, junge Leute sind der Zeitung eh verloren gegangen. Melden Sie sich bei denen einfach wieder, wenn die 40 oder 50 sind, falls es Ihre Zeitung dann noch gibt." 

Amüsant fand ich die Idee zu sagen: "Hach, wenn die alle schon bloggen, dann bauen wir einfach eine besseres Blogdings, dann kommen die zu uns." Logo, die Leute werden dann einfach ein paar tausend von ihnen geschriebene Artikel hinter sich lassen und auf der Zeitungsplattform bloggen, weil die Zeitung so lieb ist.

Zeitungen haben nicht nur keine Leser zwischen 14 und 22, sie haben offenbar auch kaum Ahnung, was die 'Generation MP3' bewegt. Klar werden die ihre News am Handy wollen. Wo sonst? Klar werden die 'always on' sein. Wie sollen sie denn sonst kommunizieren? Mit Brieftauben? Am PC?

Und man selber (und der Onlinechef) wird wie im Zoo bestaunt, weil man Bücher oder News auf dem Treo liest statt auf Papier: "Und wo bleibt da die Haptik?" Also: Mein Treo liegt prima in der Hand 😉 

Na, irgendwann hatte ich mich in Rage geredet, war am Phantasieren über "user generated infrastructure" und "user generated applications", über Mobil'telefon'gestützte P2p-Netzwerke und "distributed bandwith sharing" (ich habs versucht auf deutsch zu sagen) und kam mir vor wie ein US-TV-Prediger, der versucht, den Heiligen Geist über die Gemeinde herunterzubrüllen oder einen gelähmten Blinden gesundzubeten. Rettungsversuch: ein ironisches, nachgeschobenes: "Gehet hin und tuet Buße!"

Offenbar hat es zumindet ein bisschen genützt.  

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