Heute: Manfred Schreuble entdeckt, dass er Feedback auch zu Hause gebrauchen kann

Schreuble hatte aus Spargründen seines Unternehmens einen Workshop am Samstag absolviert und war erst spät in der Nacht zum Sonntag nach Hause zurückgekommen. Am Sonntag schlief er aus, fuhr dann mit seiner Frau Erika zwei Stunden mit dem Fahrrad durch das angrenzende Naturschutzgebiet, hatte am Nachmittag immer noch Kopfschmerzen von dem Workshop (vielleicht auch von den Bieren am Freitagabend und von der Autobahnfahrerei). Irgendwie brachte man den Tag so herum, richtig entspannend war das alles nicht. Schreuble hatte ein Schlafdefizit und Erika ein Schreuble-Defizit. Beide wollten aber den Tatort mit Robert Atzorn sehen und waren mit dem Abendessen spät dran.

Gegen 19.50 Uhr – der Tisch musste noch gedeckt werden, der Auflauf war noch nicht fertig und beide hatten die Tagesschau bereits abgeschrieben. Erika schaute mit immer noch zwiebelroten Augen etwas entnervt drein und Schreuble hatte gerade entdeckt, dass kein Bier mehr im Kühlschrank, sondern bloß noch im Keller war, da drohte sich die kaum noch vorhandene Sonntagabend-Stimmung kurzfristig in ein Beziehungs-Kampfgetümmel zu verwandeln, wenn da nicht, ja wenn da nicht Schreuble in seiner Verzweiflung… Schreuble hatte allen Mut zusammengenommen und seine Frau um ein kurzes gegenseitiges Feedback gebeten, um die Situation zu entschärfen. Seltsamerweise war Erika dazu sofort bereit und in der Lage, dabei hatte er doch diesen Kurs für Führungskräfte… wieso bekam sie das eigentlich alles mit, wenn er auf Lehrgang war?!…naja, jedenfalls kamen beide noch pünktlich und halbwegs unaufgeregt vor den Fernseher. Hinterher allerdings besprachen sie dann die "Freizeit"planung der nächsten 4 – 5 Monate in Ruhe. Sah gut aus, der Abend.

Merke: Was beruflich scheint geboten, senkt privat die Katastrophen-Quoten (Oh weia!)

Feedback ist eine Form der gegenseitigen Gebrauchsanweisung in einer Beziehung. Dabei ist es völlig irrelevant, um welche Art von Beziehung es hier geht. Beruflich, freundschaftlich oder erotisch. Wichtig ist, dass bestimmte Spielregeln eingehalten werden, ohne die Feedback schnell zum ungewollten Angriff inklusive der zwangsläufig folgenden Verteidigung wird. Von den gezielten Fiesheiten in einer kaputten Beziehung will ich hier der Einfachheit halber nicht erst anfangen. Der eine gibt Feedback, der andere bekommt es. Der Witz ist, dass der, der Feedback gibt, immer nur über sich selbst redet. D.h. ob er es merkt oder nicht, er gibt eine subjektive Gebrauchsanweisung von sich selbst, die für den anderen aber enorm wichtig ist, wenn ihm die Beziehung etwas wert ist. Der Feedbackgeber gibt ein offenes Feedback im 3-Level-Sprung: (1) Das habe ich beobachtet / erlebt, (2) das hat bei mit folgende Wirkung gehabt und (3) wünsche ich mit für die Zukunft. Das war es auch schon. Wir sprechen von uns (ICH habe erlebt…, bei MIR hat es die Wirkung gehabt…, ICH wünsche mir…). Wir sagen NICHT: "Du hast mich schon wieder genervt…!" Das ist kein Feedback, sondern eigentlich eine Frechheit, die Widerstand und Verteidigung, Rechtfertigung provoziert. Der Feedbacknehmer hört (NUR) zu, fragt NUR, wenn er etwas nicht versteht, rechtfertigt sich NICHT (denn das hat er nicht nötig, weil er für die Wirkung, und um die geht es ja, bei dem anderen nicht verantwortlich ist!). Wenn wir also fein unterscheiden, gelingt das Feedback, dann wissen wir, was wir uns innerhalb einer Beziehung gegenseitig zumuten können, was die Beziehung fördert, was sie stört. Leider sagt meine 21jährige Erfahrung als Trainer und Coach, dass man das nicht mal eben so lernen kann, in dem man es liest. Wir müssen es deswegen üben, weil wir im Alltag Feedback nicht sauber anwenden. Wir lieben es als Menschen offenbar, andere in die Enge zu treiben, zu verletzen, über andere, statt mit ihnen zu reden (wir sind oft feige), Pauschalurteile zu fällen, uns im Nachhinein zu rechtfertigen, so zu tun, als ob…., die Liste ist endlos. Wir müssen erst einmal erlebt haben, was für ein mächtiges Instrument ein qualitativ gutes Feedback sein kann. Und zwar "positives " wie "negatives" Feedback, denn Feedback ist immer ein Geschenk: Da weiß jemand etwas über mich, das ich nicht weiß, und das gibt er mir preis (neben der Veröffentlichung seiner eigenen Bewertungs- und Reaktionsmuster). Wenn man es einmal kann, dann ist es aber auch eines der effektivsten kommunikativen "Techniken" überhaupt, derer man sich privat wie beruflich, äußerst erfolgreich bedienen sollte. In allen anderen Fällen kann man Kritikgespräche führen, sich austricksen, beschimpfen und bekämpfen, Befehle erteilen, erleben, dass sie nicht ausgeführt werden, sich dafür rächen usw. In einer wichtigen Beziehung sollte man das Verhalten über Feedback optimieren. 

 

Herzlichen Gruß,

 Ihr Detlef Scheer

Keine Meinungen

  1. Gesund vielleicht.. aber schrecklich sehen sie trotz allen Design-Offensiven immer noch aus. Sorry. 🙂

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