Henri Cartier-Bresson – Fotopioniere des 20. Jahrhunderts Teil 3

Der Artikel berichtet über den Fotopionier Henri Cartier-Bresson.

Er hat den „perfekten Augenblick“ in der Fotografie entdeckt und ihn mit seiner Leica wieder und wieder festgehalten: Henri Cartier-Bresson (1908 – 2004), vielleicht der wichtigste Fotograf des letzten Jahrhunderts.

Früher Einfluss der Malerei

Einer wohlhabenden Familie entstammend, verlässt er die Schule ohne Abschluss und geht nach Paris, um bei dem kubistischen Maler, Bildhauer, Kunsttheoretiker und -lehrer André Lhote Malerei zu studieren. 1930 entdeckt er die Fotografie für sich, und unternimmt in den Folgejahren viele Fotoreisen, die ihn unter anderem an die Elfenbeinküste, nach Polen, Deutschland, Mexiko und in die USA führen. Auf diesen Reisen entstehen bereits einige seiner berühmtesten Fotografien. Eine Zeit lang arbeitet Cartier-Bresson auch als Regie-Assistent und dreht selbst einen Dokumentarfilm im Spanischen Bürgerkrieg. Die Jahre des Zweiten Weltkrieges verbringt er zunächst in Kriegsgefangenschaft, aus der er zwei Mal versucht zu fliehen – beim dritten Mal gelingt ihm der Versuch. Im Anschluss daran schließt Cartier-Bresson sich einer Gruppe von Fotografen der Résistance an und arbeitet und fotografiert unter falschem Namen im Untergrund, unter anderem die Befreiung von Paris. Er folgt den Alliierten mit seiner Kamera nach Deutschland hinein und dreht einen Film über die Rückkehr der französischen Kriegsgefangenen: „Die Heimkehr“. 1947 dann eröffnet Henri Cartier-Bresson eine erste Retrospektive seines Schaffens im New Yorker „Museum of Modern Art (MoMa)“ und gründet mit den Fotografen Robert Capa, George Rodger und David Seymour die Bildagentur „Magnum“. Es folgen große Bildreportagen, die ihn durch die USA, nach China und Burma führen.

Der entscheidende Augenblick – für eine perfekte Bildkomposition

Das Besondere an Henri Cartier-Bressons Fotografie ist das Zusammenspiel mehrerer Komponenten: Das Erscheinen der handlichen, leisen und somit unauffälligen Leica-Messsucherkamera mit großer Blendenöffnung und 50-mm-Brennweite, der von Cartier-Bresson sehr geschätzte S/W-Film im Kleinbildformat sowie sein künstlerisch geschulter Blick für Geometrie und Bildkomposition Hinzu kommt seine Gabe, als Fotograf nicht aufzufallen sowie sein Instinkt für den „entscheidenden Augenblick“, wenn alle beweglichen und starren Komponenten eines Bildes perfekt zusammenfallen und in einer 1/125tel-Sekunde auf dem Negativ festgehalten werden. In Bezug auf seine Bildkompositionen war Henri Cartier-Bresson sehr strikt: Ein jeder Abzug seiner Bilder sollte hundertprozentig das zeigen, was er bei der Aufnahme durch den Sucher seiner Leica sah. Deshalb musste als „Beweis“ bei jedem Abzug der schwarze Rand des Negativs zu sehen sein. Er beweist, was für eine schnelle Auffassungsgabe beim Gestalten dieser „Schnappschüsse“ vonnöten war.

Reportagen und Bücher einer Legende

In den Fünfziger und Sechzigerjahren führt Cartier-Bresson seine Karriere fort –dabei entstehen Reportagen und Bücher, die heute zum Kanon der Fotokunst gehören. So tritt das Magnum-Gründungsmitglied 1954 hinter den eisernen Vorhang und besucht die UdSSR. Aus den 10.000 Aufnahmen, die er wieder mitbringt, entsteht später ein Buch. Auch eine Reportage über Cuba, die 1963 im LIFE-Magazin erschien, gehört zu den Klassikern des Genres. Zahllose Publikationen, Bücher und Ausstellungen folgen, bis sich Henri Cartier-Bresson in den Achtzigern mehr und mehr von der Fotografie zurückzieht und mit dem Zeichnen beginnt. Er stirbt am 3.8.2004 mit 94 Jahren in seinem Haus in der Provence.

Sein künstlerischer Nachlass wird von der Fondation Henri Cartier-Bresson verwaltet, die er noch zusammen mit seiner Frau, der belgischen Fotografin Martine Franck, 2003 gegründet hatte.

Artikelbild: Screenshot von henricartierbresson.org

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