Guided by Voices: ‚Let’s go eat the Factory‘

Mehr noch, zum ersten Mal seit 1996 sind die Herren im klassischen Line-Up unterwegs und das hat wohl neue Energien frei gesetzt, denn der Gerüchteküche zufolge soll es bereits im zweiten Quartal 2012 ein weiteres Album („Class Clown Spots a UFO“) geben.

Guided by Voices waren schon immer eine dieser Bands, in die man sich aus finanzieller Sicht ungern frisch verliebt, weil man dann erst einmal die gigantische Diskographie nachkaufen muss, aber es lohnt sich so sehr, zumal man sich bei ihnen auch nicht anhören muss, dass sie früher viel besser waren.

Let's go eat the factory – frisch und verspielt

Keineswegs, „Let's go eat the Factory“ ist eine absolute Schönheit, 21 Songs auf 42 Minuten, das klingt eher nach einem geschrammelten Punkalbum, ist jedoch ein delikat zusammen gebautes Meisterwerk aus feierlichen Cage-esquen Songs a la „Hang Mr. Kite“, die an die düsteren 80er erinnern, bis hin zu den typischen Guided by Voices Songs a la „Laundry and Lasers“ und dem großartig betitelten „The unsinkable Fats Domino“, so wie man sie kennen und lieben gelernt hat.

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Fuzzy ist es auch geworden, auch wenn nicht alle Songs im Lo-Fi Outfit daher kommen, ist beispielsweise „God loves us“ oder „The Big Hat and Toy Show“ ein Zugeständnis an die verzerrten Klänge abgearbeiteter Studioräume, das zärtlich dahin gehauchte „Who invented the sun“ könnte fast schon aus den eigenen vier Wänden kommen, nachts leise geflüstert, um niemanden aufzuwecken.

Reunion hin oder her…

Reunions sind derzeit in Mode, denn Nostalgie war noch nie so sehr ein Zeichen der Zeit. Guided by Voices passen in dieses Gefühl, als Teil der Generation X verkörpern sie selbst eine Zeit, in der die Jugend sich durch die aufgeblasenen 80er Jahre und dem tot-geglaubten Punk hindurch wühlen musste, um sich ihre eigene Kultur und Gegenkultur auf zu bauen.

Alt sind sie darüber nicht geworden, ob man nun ein Fan der ersten Stunde mit mittlerweile grauem Bart, oder frisch in „Let's eat the factory“ hineingestolpert ist, Guided by Voices regen an, klingen relevant, ja, aufregend und verbreiten mit experimentellen Auswüchsen wie „Imperial Racehorsing“ eine bedeutungsschwangere Unruhe, die aufzeigt, dass Reunions nicht nur aus traurigen Abziehbildern der Originale bestehen müssen, sondern auch wahrlich neue Impulse kreieren können.

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