Gradwanderung oder Gratwanderung? Schreibfehler bei Metapher

„Gratwamderung“ oder „Gradwanderung“ – eines der Wörte, deren Schreibweise uns zum Nachdenken bringt.Eine Gratwanderung oder eine Gradwanderung – auch hier lauter der Fehlerteufel. Vorab die wichtigste Information: „Gratwanderung“ mit „t“ ist richtig, „Gradwanderung“ mit „d“ leider total falsch. Bei dem Wort geht es nämlich nicht um ein Fieberthermometer, sondern um eine schmale Kante. Sagen wir, dass sich jemand auf einer „Gratwanderung“ befindet, so haben wir das Bild vor Augen, wie derjenige auf einer schmalen Spur balanciert – Abweichungen vom Weg sind nicht möglich, denn auf beiden Seiten lauert der Abgrund.

Gratwanderung als Metapher

Die Verwechselung von „t“ und bei „Gradwanderung“ mag darauf zurückzuführen sein, dass den meisten die Temperatur in Grad geläufiger ist, als ein Grat. Dennoch verwundert der Fehler schon ein wenig, wenn man bedenkt, wie oft wir von einem „schmalen Grat“ reden, vom „Rückgrat“, dem „Gebirgsgrat“ oder der Kante an einem Dach, dem „Dachgrat“. Es ist ein „schmaler Grad“ auf dem wir uns bewegen – oder eben auch eine Gratwanderung, die als Gradwanderung leider falsch ist.

Eine weitere Möglichkeit, warum „Gratwanderung“ falsch geschrieben wird, ist direkter mit der ursprünglichen Metapher verbunden: Ein Längengrad oder ein Breitengrad stellt ebenfalls eine schmale Linie dar, an der entlang man sich bewegen kann, allerdings besteht hierbei nicht die Gefahr des Herunterfallens. Dieses Grad hat auch nichts mit dem Thermometer zu tun, diese Positionsbeschreibung bezieht sich auf die Winkel der Breiten- und Längenkreise der Erde.

Gradwanderung ist ein Schreibfehler

Eine „Gradwanderung“, gäbe es dieses Wort, würde demnach also zwei Dinge aussagen, die nicht mit der eigentlichen Bedeutung von „Gratwanderung“ korrespondieren. Zum einen würde es bedeuten, dass die Gradzahl im Thermometer wandert, zum anderen, dass man auf einem Breiten- oder Längengrad entlang geht.

Die „Gratwanderung“ mit t jedoch impliziert, dass man sich in seinem Verhalten auf gefährliches Terrain begibt und aufpassen muss, um nicht vom Weg abzukommen, da dies fatale Folgen hätte.

Foto: Klaus-Peter Adler – Fotolia

3 Meinungen

  1. Schön erklärt.

    Nicht nur die Rechtschreibung, auch die richtige Bedeutung von Redewendungen lohnt sich zu wissen, um sich bei unpassender Gelegenheit nicht zum Deppen zu machen. 😉

    Schöne Grüße.

  2. Verständlich, ohne Frage.
    Aber mit mindestens 3 Rechtschreibfehlern… dann sollte man die inkorrekte Rechtschreibung der Anderen nicht auf diese Art kritisieren!

  3. Verständliche und ausführliche Erklärung!
    Es scheint ja doch noch ein paar schöne deutsche Begriffe zu geben, hinter denen ein richtiges „Bild“ steckt.

    @Besserwisser: Hast Recht, mich stören die paar Leichtsinnsfehlerchen zwar nicht, aber im Bezug auf den Titel ist das schon leicht ironisch.
    Jedoch macht das der tolle Artikel mehr als weg und für mich kommt der Text auch überhaupt nicht besserwisserisch(^^) oder kritisierend rüber.

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