Geht nicht, gibt’s nicht: arbeitslos in Elternzeit

Ein klassischer Fall von „dumm gelaufen", der mittlerweile vier Müttern, die ich kenne, widerfahren ist. Alles unterschiedliche Fälle, alles intelligente Frauen, die in ihrem Job aufgegangen sind. Die erste Freundin wurde drei Wochen vor dem Geburtstermin ihres Kindes informiert, dass ihr in sechs Wochen gekündigt wird. Also mitten in ihrem Mutterschutz – was bekanntlich erst recht nicht erlaubt ist. Doch irgendwann ist jeder Mutterschutz ausgelaufen, außerdem kann der Arbeitgeber während der auf den Mutterschutz folgenden Elternzeit einen Antrag beim Integrationsamt stellen. In der Regel stimmt das Amt dem Antrag zu, wenn der Betrieb geschlossen wird und dann steht einer Kündigung auch in der Elternzeit nichts mehr im Wege.

Überrascht von der Kündigung kurz vor der Geburt

Die nächste Freundin wurde am Tag der Geburt ihres Kindes vom Anruf ihrer Chefin damit überrascht, dass die Hälfte ihrer Kolleginnen aufgrund von Umstrukturieungen gekündigt wird. Ein Jahr nach der Geburt ihres Kindes sollte sie selbst dran sein. Allerdings hat sie inzwischen ihre Elternzeit verlängert und kann immer noch nicht ordnungsgemäß gekündigt werden, da nicht der ganze Betrieb eingestellt wurde. Wenig befriedigend allerdings, denn ihren Arbeitsplatz gibt es nicht mehr. Eine andere befreundete Mutter erzählte mir, dass ihr Chef sie ebenfalls kündigen will – betriebsbedingt. Allerdings will er sie wohl weiter beschäftigen, aber auf freier Basis und natürlich mit schlechterer Bezahlung.

Statistiken über arbeitslose Mütter fehlen

Mich würde interessieren, wie viele Mütter in Elternzeit pro Jahr gekündigt werden und wie viele davon aus der Arbeitslosenstatistik verschwinden, weil sie sich die Tortur mit Arbeitsamtsterminen, Bewerbungsstress, Schulungsstress etc. in dem geforderten Maß nicht antun wollen. Dazu gehört übrigens die vierte Mutter, die ich kenne, der gekündigt wurde. Trotzdem sind diese Frauen natürlich arbeitslos, rausgeworfen aus einem Job, an dem sie gehangen haben. Ebenfalls interessant wäre es sicher zu erfahren, wie viele Mütter dann einen neuen Job gefunden haben. Und damit meine ich qualifizierte, gut bezahlte Jobs, Jobs, die anspruchsvoll sind, keine stupide Fließbandarbeit. Aber das sind Statistiken, die nicht geführt werden, weil die Lobby dafür fehlt.

Neue Teilzeitjobs sind rar

Besagte Freundin aus dem ersten Fall will nach wie vor arbeiten. Wäre sie nicht rausgeworfen worden, hätte sie schon nach einem halben Jahr nach der Geburt ihres Kindes wieder angefangen zu arbeiten. Doch nun ist sie auf der Suche. Vollzeit arbeiten, das  kommt für sie nur bedingt in Frage, wenn das mit den Öffnungszeiten der Kitas zu vereinen ist. Doch das ist es meist nicht. In kaum einem Job, kann man ruhigen Gewissens um 17.30 Uhr den Stift fallen lassen, um sein Kind aus der Kita abzuholen – und schon gar nicht, wenn man neu im Job ist. Teilzeitjobs sind kaum zu bekommen, wenn man neu anfängt. Es gibt sie faktisch gar nicht. Dabei ist es ja nicht so, das kein Bedarf ein Teilzeitmodellen besteht. Einige Mütter würden sich sicherlich auf eine 70 oder 80 Prozent-Stelle einlassen. Teilzeit muss ja nicht immer nur eine halbe Stelle sein.

Vorbild in Frankreich und Dänemark 

Denkbar wären sicher auch Modelle, in denen sich fünf Leute vier Stellen teilen. Und das müssen ja nicht immer nur die Mütter sein. Im Europäischen Ausland, z.B. in Frankreich oder Dänemark, ist es schon lange gang und gäbe, dass Mütter arbeiten, oft in Vollzeit, zuweilen aber auch in Teilzeit. Niemand, weder die anderen Mütter noch der Arbeitgeber guckt schief, wenn die Mütter wieder arbeiten wollen und die Kita-Öffnungzeiten sind auch extrem flexibel. Zu wünschen ist also, dass Arbeitgeber und Politiker einmal über den eigenen Tellerrand gucken.

4 Meinungen

  1. Schoener Beitrag! Vielleicht vereint die Heimat das beste aller Welten im Kopf und waechst gleichzeitig mit der Lebenserfahrung. ‚Tatort‘ auf http://www.shift.tv und der wehmuetige Blick in Amerika-Bildbaende waehrend des ‚Heimaturlaubes‘ (in und von der Heimat) in Deutschland kommen dem recht nahe …

  2. American Robin

    Hallo Markus,das ist ein interessanter Gedanke: was man unter Heimat versteht, waechst mit der Lebenserfahrung …hm… und waechst mit der Anzahl der Reisen, die man unternimmt. Eine Reise innerhalb der USA, an die Westkueste, erinnert mich an die Strandurlaube waehrend meiner Kindheit. Da fuehlt man sich gleich nicht mehr so fremd und neu. Danke!American Robin

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