Für Jedermann oder für jedermann?

«Für Männer gratis!» Groß hing das Schild an der Tür des Schwulen-Clubs. Ich war schon halb dran vorbei, als ich den Inhaber herauskommen sah.

Mit einladender Geste deutete er erst auf das Schild, dann auf die offene Tür. Ich musste lachen. «Sie sollten schreiben: „Für jedermann gratis!“» sagte ich aufs Geratewohl und ging weiter.

Deutsche Rechtschreibung für jedermann

Es ist kaum anzunehmen, dass der Mann meinem Rat gefolgt ist. Falls aber doch, dann hätte er womöglich auch geglaubt, dass «jedermann» ein Substantiv ist. Wenn «Mann» groß geschrieben wird, dann liegt es ja durchaus nahe, auch «Jedermann» groß zu schreiben. Und dennoch: es heißt nicht «für Jedermann», sondern «für jedermann»!

Der grammatikalische Grund dafür ist, dass es sich bei diesem Wort eben doch nicht um ein Substantiv handelt, sondern um ein so genanntes Indefinitpronomen, also ein «unbestimmtes Fürwort», wie man es in der Grundschule noch nennt. Pronomen aber schreibt man generell klein – ausgenommen natürlich, sie stehen am Satzanfang.

Pronomen machen die Sprache für jedermann einfacher

Wie die Bezeichnung schon verrät, ist ein Pronomen (lat. pro = für; lat. nomen = Wort) eine Art «Ersatzwort» für die eigentlich gemeinte Sache oder Person. Am bekanntesten sind sicherlich die «persönlichen Fürwörter», die Personalpronomen (ich, du , er, sie , es …). Wir verwenden sie im Alltag ganz selbstverständlich –  als Bezeichnung für uns selbst, als Anrede oder zur Benennung von Dritten. Ohne sie wäre es sehr schwierig sich zu verständigen; wir müssten praktisch jedesmal die Eigennamen der betreffenden Personen verwenden. Sobald wir nun einen größeren Personenkreis ansprechen möchten, der sich namentlich nicht mehr so ohne weiteres aufzählen lässt, benötigen wir die Hilfe der «unbestimmten Fürwörter», also der Indefinitpronomen. So ist es beispielsweise mit dem kleinen Ausflug in die Grammatik, den wir hier gerade unternommen haben: er soll die Dinge ja nicht nur für Hans, Gisela, Dominique und den oben erwähnten Kneipenwirt ein wenig verständlicher machen, sondern möglichst doch … für jedermann.

Und natürlich auch – wenn es dieses Wort denn gäbe – für jederfrau.

Eine Meinung

  1. Patrick Meyer, Graf von Andechs

    Ein sehr schöner Text!Nachdem man ihn durchgelesen hat, ist die Schreibweise durch die geschickt gewählten und nicht langweilig werdenden Wiederholungen im Kopf ;-)Ich habe diesen Beitrag sehr gerne gelesen und werde die Website weiterempfehlen.Ein großes Dankeschön an den Autor Jom Olaf Stolp.

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