Fronleichnam

Seit dem 13. Jahrhundert feiern die Katholiken am zweiten Donnerstag nach Pfingsten das Fest des Leibes Christi und der Verehrung der Eucharistie, so der offizielle Name. Der Name „Fronleichnam“ stammt vom mittelhochdeutschen „vronlichnam“, die göttliche Hülle des Leibes. Es ist ein „Erinnerungsfest“, an dem der Einsetzung des Abendmahls (Eucharistie) durch Jesus Christus gedacht wird. Eigentlich müsste Fronleichnam daher am Gründonnerstag gefeiert werden, jedoch passt der freudige Charakter des Festes nicht in die Karwoche.

Begangen wird Fronleichnam mit festlichen Prozessionen, denen ein Gottesdienst vorausgeht. Die Katholiken ziehen durch die Straßen und führen dabei eine prächtige Monstranz mit sich, in der sich eine gewandelte Hostie befindet, die nach katholischem Verständnis der Leib Christi ist – was für einen Protestanten nur schwer verständlich ist, aber das ist eine andere Geschichte.
                       
Bei der Prozession spielen die Erstkommunionkinder eine besondere Rolle, da sie dem Zug voran gehen und Blumen streuen. Unterwegs wird an Kreuzweg-Altären gehalten, und mancherorts führt die Prozession entlang kunstvoller Blumenteppiche. In manchen Orten finden die Prozessionen auch zu Wasser statt oder sind zusätzlich von szenischen Darstellungen oder von Fronleichnamsspielen begleitet.

In seinem Ursprung geht diese Tradition auf die Augustinernonne Juliana van Lüttich zurück, die 1258 eine Vision des Festes gehabt haben soll. Sie habe, so wird berichtet, beim Beten den Mond gesehen, der an einer Stelle verdunkelt gewesen sei. Christus habe ihr erklärt, dass der Mond die Kirche bedeute, der dunkle Fleck das Fehlen eines Festes des Eucharistie-Sakraments.
 
Eine andere Legende führt das Fest auf ein Wunder zurück, das einem ungläubigen böhmischen Mönch auf seiner Pilgerreise nach Rom 1263 in dem mittelitalienischen Städtchen Bolsena widerfahren sein soll: Als er während der Eucharistie die Hostie brach, tropfte daraus Blut auf den Altartisch; die Hostie war also wirklich der Leib Christi.
 
Der große Reformator Martin Luther war ein ausdrücklicher Gegner des Fronleichnamsfestes, denn er bezeichnete es 1527 als das „schädlichste aller Feste“ und betrachtete die Prozessionen als unbiblisch und als Gotteslästerung. Vor dem Hintergrund des mittelalterlichen Ablasshandels, der anlässlich des Fronleichnamsfestes immer Hochkonjunktur hatte, ist das nicht verwunderlich. Außerdem war er gegen die Vorstellung, man könne Christus in Gestalt der Hostie in die Hand nehmen, in die Monstranz sperren und mit sich herumtragen, wie es einem gerade gefiel. Heute dagegen wirken gelegentlich evangelische Pastoren in Amtstracht bei der Fronleichnamsfeier mit.
 
Das Konzil von Trient (1545–1563) bestätigte das Fronleichnamsfest und machte es zu einer gegenreformatorischen Machtdemonstration. Als Reaktion darauf wurde es in manchen gemischt-konfessionellen Gebieten (z.B. der Schweiz) üblich, dass die protestantischen Bauern als Provokation den Mist gerade an Fronleichnam auf die Felder ausbrachten; die katholischen Bauern antworteten dann am Karfreitag mit gleicher Münze. Heute wird das Fest vom Bild des „wandernden Gottesvolks“ herverstanden: Christus, das „Brot des Lebens“, ist die Mitte des Gottesvolkes, das unterwegs ist in Richtung des kommenden Heils.
 
Fronleichnam ist gesetzlicher Feiertag in den Bundesländern Baden-Württemberg, Bayern, Hessen, Nordrhein-Westfalen, Rheinland-Pfalz, Saarland sowie einigen Gemeinden Sachsens und Thüringens mit überwiegend katholischer Bevölkerung.

6 Meinungen

  1. Respekt, dieses Mal haben Sie das wortwörtliche Abschreiben von der wikipedia-Seite (Stichwort: Fronleichnam) tatsächlich gut hingekriegt. Nur, dass ich diese schon gelesen hatte, bevor ich mir Ihren Text dazu anschaute. Daher war mir jedes Wort schon bekannt. Gähn! Auf diese simple Weise könnte ich problemlos auch ein eigenes Glaubensblog aufmachen und mich als Pastorin ausgeben.

  2. Wenn Sie die fundierte Kommentierung auch hinbekommen und die komplexen theologischen Probleme im Griff haben, würde ich mich über Sie als Kollegen/Kollegin freuen, aber Sie haben es ja nicht so mit dem Glauben. Aber vieleicht versuchen Sie es mal mit einem Atheistenblog – auch dazu sind Sie herzlich eingeladen. So, ich muss jetzt zum Miststreuen nach draussen – schliesslich ist ja Fronleichnam. Ich hoffe, Sie ärgern sich als ehemaliger Katholik / ehemalige Katholikin nicht allzusehr darüber. 😉

  3. Bei euch muss ich immer an Delling und Netzer denken. Oder an Stadler und Wadorf. Ich würde mir ein eigenes Blog von Euch wünschen. Aber das ist es ja schon fast. Macht weiter so!

  4. Ich mich ärgern? Nein, nein, wo denken Sie nur hin, lieber Herr Conrads, über Ihre provokante anti-katholische Protestaktion des Mist-Streuens unter die kath. Fronleichnamsprozession durch einen kompetenten, evangelischen, erwachsenen Vikar könnte ich mich doch nicht ärgern, wenn Sie auf so vorbildliche Weise ihren Schäfchen zeigen wollten, wie Toleranz gegenüber Andersgläubigen zu funktionieren hat. Ist doch nur beste alte Religionstradition. Lieber Islam und Kopftuch im Dorf als Katholiken, was, haha! Eine derartige Mist-Aktion Ihrerseits trüge sicherlich deutlich zur Unterstützung des jüngsten, innigen Wunschvortrages Ihres Vorgesetzten Bischof Huber bei, die beiden Großsekten mögen einander doch endlich gegenseitig als Kirchen anerkennen. Gehen Sie also nur ruhig Miststreuen, ist ja Ihr Dorf, das Sie da verstinken und Ihr Job, den Sie da riskieren. Auf diese Weise hätte die Stadtverwaltung wenigstens wieder 1-Euro-Reinigungsjobs für Arbeitslose zu besetzen, die hinterher wieder alles von den Straßen wegkehren dürfen, den evangelischen Mist und die katholischen Blumenköpfchen. Da wollen Sie doch nicht dabei sein, oder? Aber ich falle Ihnen ja nicht wirklich auf jeden „Mist“ herein: Im Gegenteil bin ich ziemlich sicher, dass Sie eher schön brav vor dem Fernseher gesessen und die WM verfolgt haben, anstatt, dass Sie um 16 Uhr nachmittags einige Stunden zu spät hinter einer längst beendeten Prozession mit der Mistgabel hinterher gerannt sind. (Ihr Eintrag war schließlich um 15.41 Uhr) ;-)) Aber man lernt ja trotzdem immer wieder so viel Neues von Ihnen. Ihrer eigenen, wie Sie selbst ja schon sagen, fundierten und komplexen Kommentierung in Glaubenssachen kann ich wahrlich keineswegs auf Augenhöhe das Wasser reichen und bekomme diese tatsächlich manchmal nicht recht in den Griff, ich Diplom-Dummerle. Trotzdem möchte ich eine kleine Korrektur Ihrer Bemerkung anbringen dürfen: Ich befinde mich nicht in einem erklärt-atheistischen Status, wie Sie mir ein kleinwenig zu unterstellen belieben. Das könnte ich ja nur sein, so ich einen Gott überhaupt als existent anerkennen würde, um ihn dann erst in der Opposition leugnen zu können. Dem ist aber nicht so. Ich war eher zwangskatholisiert von der Taufe an, über Kindergarten, Grundschule und weiter bis zum Ende des Gymnasiums durch Religionsunterricht als Pflichtfach. Danach durfte ich frei denken. Heute bin ich einfach nur ein kritischer, realistischer und humanistischer Mensch. Und nur als solcher könnte ich daher gemäß Ihrer freundlichen Anregung bzw. herzlichen Einladung (wohin?) ein eigenes Blog aufmachen. Aber in Sachen Humanismus bin ich ja schon lange auch anderweitig und anderswo tätig. Ein ganz klein wenig traurig bin ich, dass Sie eine persönliche Mitteilung in einem meiner Kommentare völlig übersehen haben, nämlich, dass ich weiblich bin und Mutter zweier großer Söhne, und Sie sich die Schrägstrichsache bei Kollege/Kollegin oder Katholik/Katholikin im Bezug auf mich persönlich sonst ersparen hätten können. Macht nichts, dafür war mir wiederum nicht klar, was hinter Ihrem ausgeschriebenen Namen diese zusätzliche Bezeichnung P. bedeutet, weil man Vikar doch normalerweise mit V schreibt. Aber was weiß schon ich Uneingeweihte von der evangelischen Kirchenhierarchie und deren Geheimnisse, ich habe ja nur wikipedia zur Verfügung und hoffe daher stark auf Sie. Viel Spaß noch beim (wie Sie selbst schreiben) „Schön-Fussie-Kucken inner Kirche“, ein Ausdruck, der mir nachträglich viel Spaß bereitete, weil ich im ersten Moment eine gestrenge Aufforderung an die Gläubigen darin vermutet hatte, beim Betreten der Kirche schön demütig den Kopf gesenkt zu halten und permanent auf die eigenen Fußspitzen hinunterzustarren. Ich werde bei der WM schön abergläubisch beide Daumen drücken. Hilft bestimmt! Servus aus meinem schönen München, wo seit dem Eröffnungsspiel eine friedliche, fröhliche und bunte Hölle los ist.

  5. Sie machen mich fast ein wenig verlegen. Offenbar haben Sie bei der Recherche die – veraltete! – Seite meiner Vikariatsgemeinde ausfindig gemacht. Wie sollten Sie sonst auf den Trichter mit dem Vikar gekommen sein. Aber mein Vikariat ist seid geraumer Zeit (Kirchen-) Geschichte. Eine Hierarchie kennen wir im Übrigen – Gott sei es gedankt – seit 500 Jahren nicht mehr.Noch ein kleiner Nachtrag: Ihnen ist wohl der Artikel auf http://www.katholisch.de durch die Lappen gegangen, denn den habe ich zuerst gelesen, um dann erst bei Wikipedia weiterzuforschen. Aber die Sache mit der Verfügbarkeit des Leibes Christi in der Monstranz, die Martin Luther anprangert, die wussten beide Autoren nicht – im Gegensatz zu uns beiden ;-)Das mit Ihren Familienverhältnissen tut mir aufrichtig leid, aber das eine oder andere kann man bei der Wucht Ihrer Texte schon mal nicht präsent haben.Grüßen Sie Ihre Söhne bitte recht herzlich.Ihr Frank Conrads P.

  6. Auf den Trichter mit dem Vikariat bin ich zuerst gekommen, weil Sie ja hier bei Ihrer persönlichen Vorstellung Frank Conrads neben Ihrem Foto im relativ neuen Glaubensblog eben nur schreiben „Vikariat in Flintbek“, und nichts von „Pastor in Flintbek“. Sind Sie jetzt nicht mehr dort oder gibt es da jetzt 3 Pastoren? Und grüßen Sie Ihren Sohn auch recht herzlich, aber womöglich ist das auch schon etwas veraltet und es gibt noch mehr Nachwuchs inzwischen, wer weiß.

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