Finanzwissen unter Jugendlichen: 60 Prozent können nicht erklären, was ein Investmentfonds ist

Wer Ausbildung und Studium hinter sich gebracht hat und ins Berufsleben startet, muss zum ersten Mal eigene finanzielle Entscheidungen treffen, wenn es um die private oder betriebliche Altersvorsorge geht. Allerdings werden die 14- bis 24-Jährigen schlecht darauf vorbereitet. Darauf weist eine aktuelle Umfrage hin.

Studie deckt Lücken bei der Finanzbildung auf

Die Jugendstudie 2021 des Bundesverbands deutscher Banken zum Wissensverständnis und zur Finanzkultur der jungen Generation hat herausgefunden, dass 60 Prozent der befragten Jugendlichen nicht erklären können, was ein Investmentfonds ist.

44 Prozent wissen laut der repräsentativen Umfrage nicht, was sich hinter dem Begriff „Inflationsrate“ versteckt. Auf die Frage, wie hoch diese Rate zurzeit ist, haben 86 Prozent falsch geantwortet. Bei der Frage nach der Funktion der Europäischen Zentralbank innerhalb der Europäischen Union wussten 68 Prozent der befragten Jugendlichen nicht, das die Bank für die Preisstabilität in den EU-Ländern zuständig ist.

Schulen vermitteln zu wenig Finanzwissen

Der Grund für die Wissensdefizite scheint in der unzureichenden Finanzbildung an den Schulen zu liegen. Darauf weisen einige Ergebnisse der Jugendstudie hin. So haben 38 Prozent der Befragten in der Schule „nicht so viel gelernt“, und 30 Prozent geben sogar an, dass sie „so gut wie gar nichts“ über Wirtschaft und Finanzen beigebracht bekommen haben.

Die in der Studie befragten14- bis 24-Jährigen scheinen zu ahnen, dass dies auf Dauer kein guter Zustand ist. Etwa drei Viertel von ihnen wünschen sich, dass die Vermittlung von wirtschaftlichen Zusammenhängen im Bildungswesen einen höheren Stellenwert erhält. 77 Prozent sprechen sich für ein eigenes Schulfach mit Wirtschaftsthemen aus.

Neue Lern-Ansätze werden gebraucht

Mit den MINT-Fächern Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik verhielt es sich an den Schulen lange Zeit ähnlich: Sie sind bei Schülern oft unbeliebt, gleichzeitig werden Fachkräfte aus diesen Bereichen auf dem Arbeitsmarkt aber dringend gebraucht.

Deshalb wurden im Bildungswesen zahlreiche Konzepte erarbeitet und Initiativen gegründet, welche die MINT-Fächer für Schüler attraktiver machen: Der Unterricht ist seitdem für junge Natur- und Technik-Talente attraktiver und abwechslungsreicher geworden.

Zusätzlich gibt es viele außerschulische Angebote, die Naturwissenschaft, Mathematik und Technik in Form von Mitmach-Museen oder Schüler-Laboren anfassbar machen und so die Scheu vor Formeln und Tabellen abbauen. Zudem können Schüler Mathematik online lernen oder andere Nachhilfe-Angebote im Netz nutzen. Ein Ansatz, der auch für den Bereich Finanzbildung funktionieren kann.

Drei Viertel der Jugendlichen sind stark an Finanzinformationen interessiert

Ein mangelndes Interesse an Finanzthemen gibt es bei den jungen Leuten nicht, ganz im Gegenteil: 71 Prozent der Befragten geben in der Untersuchung an, großes Interesse an Informationen zu Geldangelegenheiten zu haben. 64 Prozent von ihnen finden diese im Internet, und 32 Prozent suchen diese in persönlichen Gesprächen.

Neun Prozent informieren sich beim Videoportal YouTube, und sieben Prozent in den sozialen Medien. Lediglich fünf Prozent greifen noch zu gedrucktem Informationsmaterial.

Dabei sind die befragten Jugendlichen sparsamer, als viele vielleicht denken: Bei 67 Prozent von ihnen bleibt am Monatsende noch etwas Geld auf dem Konto übrig, und 22 Prozent kommen gerade so mit ihrem Budget aus. Lediglich acht Prozent geben an, dass das Geld manchmal nicht reicht. Nur drei Prozent geben an, dass sie mit ihrem Einkommen eigentlich nie auskommen.

40 Prozent der Befragten sparen, damit sie sich später etwas Schönes leisten können. 67 Prozent verzichten auf spontanen Konsum, um Schulden zu vermeiden.

Bildnachweis: Pixabay, 206739, ericbarns

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