Erntedank

Am ersten Sonntag im Oktober wird das Erntedankfest gefeiert – Grund zum Danken und zur Kritik!

Man hängt in der Kirche die neue Erntekrone auf und schmückt den Altar mit allerlei Erntegaben: Getreidegarben, Früchten, Kürbissen, Brot und Weitrauben. Auf  dem Land ist die Kirche an diesem Tag so voll wie sonst nur an Weihnachten. Die Ernte des Jahres ist weitestgehend eingebracht. Die Äcker sind leer und bereits wieder umgepflügt. Die Oktobersonne bescheint die Dörfer, wärmt einem noch einmal den Rücken, es richt nach Erde.

„Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen, bis du wieder wirst zu Erde, von der du genommen." Das Leben des Menschen ist Mühsal und Plackerei. Vertrieben aus dem Paradies fristet er sein Dasein auf einem Acker, dem er sein täglich Brot abringt, dort wo auch Dornen und Disteln wachsen. Menschliches Leben ist aber nicht nur „Arbeit und Streben". Es ist auch Muße. Immerhin hat der erste Mensch trotz aller Mühsal angefangen, über Gott und die Welt nachzudenken. Und das geht nur, wenn man auch irgendwann mal den Rücken gerade machen kann.

Die Zeiten sind schwierig. Dreitausend Arbeitsplätze werden von einer Asiatischen Firma abgewickelt, die die von deutschen Managern angerichteten Trümmer beseitigt. Arbeit ist Mangelware, auch wenn sich die monatlichen Zahlen etwas zu bessern scheinen. Wer glaubt, dass es eines Tages wieder Vollbeschäftigung geben wird, der spinnt. Wer mag da Dank sagen. Oft genug bleibt allein die Klage, sofern man den Glauben noch nicht verloren hat und in den sogenannten Job-Centern ziehen sie einem auch noch die letzte Energie ab.

Wer mag Dank sagen für Gen-Reis, für Gammelfleisch, für Milch, die man lieber in den Gully  laufen lässt als sie zu verkaufen, weil jeder Liter mehr nur noch mehr Verluste produziert. Den Hunger in der Welt braucht man eigentlich gar nicht mehr zu erwähnen. Als „kirchliches Thema" ist er immer wieder auf der Agenda. Aber das alles kann doch so alles nicht gemeint gewesen sein.

Trotz der Vertreibung aus dem Paradies, die ja sozusagen mit der Apfelernte begann, ist die Schöpfung das Werk Gottes und sie ist eigentlich gut. Essen und trinken sind gut: Das Brot das den Leib stärkt und der Wein, der des Menschen Herz erfreut. So schreibt es der Dichter der Psalmen. Leib und Seele sind für die Arbeit – aber auch für das Genießen. Die wärmende Sonne auf dem Rücken, den Duft der frisch gepflügten Felder, Kaffe und Kuchen am Nachmittag bei Oma nach einem langen Spaziergang. Das ist etwas Gutes, für das es zu danken gilt – auch dafür, dass man es genießen kann mit Herz und Sinnen.

Dank ist nicht Selbstzufriedenheit. Im Gegenteil! Zum Danken braucht es ein Gegenüber, dem man etwas zu verdanken hat. Die Sonne, die das Getreide wachsen lässt, geht nicht auf, weil irgendein Mensch es so will! Danken heißt, von sich abzusehen.

Und Danken macht ärgerlich! Es ist genug von allem da – man muss es nur gerecht verteilen. „Gerecht" heißt nicht, dass alle von allem gleich viel haben müssen. Gerecht heißt aber, dass alle ein menschenwürdiges Auskommen haben. Wem verdanken die Siemens-Manager 30 Prozent mehr Gehalt, während 3000 Menschen abgewickelt von BenQ zum Arbeitsamt gehen?

Menschenunwürdige Lebensumstände – hier oder sonst wo auf der Welt – gehören zur guten Schöpfung Gottes. Für Arbeitslosigkeit, Hungersnöte, Gammelfleisch und genmanipuliertes Essen kann dagegen niemand dankbar sein. Dankbarkeit ist sozusagen ein Kontrasterlebnis zu bestehenden Verhältnissen in der Welt. Dank für die guten Gaben Gottes ist auch immer Protest.

3 Meinungen

  1. Obwohl ich von mir behaupten kann, regelmäßig spielezeitschriften zu lesen, ist das spiel wohl irgendwie an mir vorbei gegangen, na ok ich spiel ansich viel mehr PS. kommt das Spiel den auch für die Playstation raus?

  2. Vielleicht sollten wir in der westlichen – von Wohlstand dominierten – Welt auch fuer etwas anderes dankbar sein: wir haben Nahrung, wir sind (noch) stark, wir koennen uns informieren und kommunizieren. Koennte es sein, dass wir unsere Dankbarkeit in Form eines Protestes ausdruecken sollten. Protest gegen unmenschliche Zustaende, Protest gegen die Raffgier in der herrschenden Klasse, Protest gegen die Freiheitsberaubung die unsere Politikier – gedeckt von Terrorangst – mit immer neuen Ueberwachungs- und (angeblichen) Sicherheitsgesetzen produzieren (von der uebrigens auch die Seelsorge betroffen ist, wenn es keine Moeglichkeit mehr gibt anonym Rat und Hilfe zu suchen).Dankbar sollten wir auch sein, wenn wir uns gegen Misstaende wehren koennen, ohne Gewalt anzuwenden. -m*sh-[der gestern seine Kuendigung erhalten hat, weil er nach einem fremdverschuldeten Unfall seit drei Monaten arbeitsunfaehig ist …]

  3. Genau……seinen wir dankbar das 10 Millionen endlich aus dem täglichen Trot zur Arbeit gehen zu müssen befreit sind..Seine wir dankbar das 1 Millionen …..! Ilegal diese Arbeit jetzt erledigen..seine wir dankbar das Millionen von Kinder in Deutschland keine Zukunft haben werden..seine wir dankbar das der Wohlstand nur unter 10 % der deutschen verteilt wird, nocht auszudenken wenn alle was von Ihrer Hände Arbeit hätten….Seine wir dankbar das wenigstens die Terroristen für arbeit in den Sicherheitsdiensten sorgen..wir sind einfach undankbar….

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