(Foto: PixelQuelle.de / johna)
Ein schlichter Rechenfehler und das kritiklose Kopieren falscher Zahlen hat den Spinat (Spinacia oleracea) zum Top-Eisenlieferanten erhoben.
1890 hatte der Schweizer Naturwissenschaftler Gustav von Bunge einen Eisengehalt der getrockneten Pflanze von 35 Milligramm ermittelt. Später wurden seine Ergebnisse irrtümlich auf frischen Spinat übertragen. Tatsächlich enthält der jedoch nur ca. 3,1 Milligramm Eisen. Damit wäre das Grünzeug zwar immer noch ein passabler Eisenlieferant, wenn die dumme Oxalsäure nicht wäre. Diese reichlich im Spinat enthaltene Säure hemmt die Eisenaufnahme im Darm und macht so das Gemüse als Eisenlieferanten ziemlich wertlos. Trotzdem geriet Bunges Messergebnis in alle Standard-Nährwerttabellen und nährt seitdem nicht nur Popey mehr schlecht als recht. Wie so oft wird eine falsche Behauptung durch jahrzehntelange Wiederholung nicht zutreffender, aber scheinbar glaubwürdiger.
Nun ist der Menschheit, außer einigen Mittagstisch-Dramen, kein weiterer Schaden entstanden, aber ich frage mich doch, wieviel ungeprüfter Blödsinn sonst noch in unseren Köpfen herumgeistert. In einer arbeitsteiligen Kultur sind wir unbedingt auf Expertenwissen angewiesen, wenn die aber ebenfalls nur unreflektiert Zitate zitieren? Noch mehr Aberglaube an Tisch und Herd: [Orthorexie – Flagellanten am Esstisch]
Die Chefarztfrau
PS: Mittlerweile mag ich frischen Blattspinat ganz gerne. Wenn ich Eisen brauche, gibt's ein Steak dazu oder ich esse einen rostigen Nagel.
