EIN HAUCH VON IBIZA – weiße Nächte im Bangaluu

Warum Diskotheken und Clubs in Berlin meist dunkle Orte sein müssen, in gedeckten, um nicht zu sagen, erschütternd depressiven Schwarz- oder Brauntönen, habe ich trotz langjähriger Anwesenheit in den einschlägigen zumeist schwul-lesbischen Tanzpalästen der Hauptstadt nicht heraus gefunden. Offenbar soll jedes Fünkchen Licht aus Laserlightern oder anderen, meist etwas angestaubten, bunten Diskoorgeln als Wohltat empfunden werden, wenn es rundherum düster ist – aber sonst? Das Bangaluu in der Invalidenstrasse hat einen anderen Weg gewählt, sein Publikum in Farbstimmung zu versetzen, nämlich einen moderneren. Der Club des Bangaluu ist schneeweiß. Die Tanzfläche mit ihren bühnenähnlichen Anbauten ebenso, wie die hoffentlich feuerfesten Vorhänge an den Seiten und das Dachgestänge, an dem Dutzende glitzernder Diskokugeln einen Hauch von 70er-Jahre-Saturday-Night-Fever-Nostalgie verbreiten. Weiß sind auch die Wände der Treppenaufgänge in die nächsten Etagen, weiß ist das "Private" – ein kuscheliges Restaurant mit Kerzen (in Weiß natürlich) und zu guter Letzt auch die Sofalandschaft zum Dinnern, Rumlümmeln und Quatschen. Der Teppichboden, der hier einmal glänzte, ist bereits durch glatte Spanplatten ersetzt worden – weiß geht wohl doch nicht immer. Im weißen Bangaluu feiert Berlin in allen Farben. Sonntags ab dem frühen Abend sind es vorwiegend schwule Männer, die bei "La Loca", dem Gay-T-Dance zeigen, was sie nur ungern verstecken würden. Ärmellos und und gern auch topless tanzt eine Menge Partyversessener zu House und Deep House-Klängen, läßt sich von ausgesucht scharfen Gogo-Tänzern "animieren" und flirtet, was das Zeug hergibt. "La Loca" ist Hitze, "La Loca" ist Sommer kurz vor dem Frühling, "La Loca" ist weiß – ein Hauch von Ibiza. Die Macher haben genau hingesehen, was das Publikum erwartet und was es schon kennt. Längst ist der Laden eine echte Alternative im Partyleben der Stadt geworden. Zur Ibiza-Qualität fehlen aber nicht nur die Sonne der Balearen und -zumindest im März – laue Nächte. Auch die DJs auf den zwei Floors brauchen noch ihre Zeit, bis zum echten Islas-Baleares-Gefühl. Sie haben noch keinen wirklich eigenen Stil in ihren Mixen, wodurch die Stimmung im "Crowd" (Publikum) oft schwankt. Auch das immer gleiche grüne Laserlicht auf dem Main-Floor macht irgendwann müde. Dafür gibt es aber gute Möglichkeiten, sich im "Private" bei guter Küche zu entspannen. Der Service ist exzellent und macht vergessen, dass während des Drei-Gänge-Menüs nur eine Etage tiefer die Bässe brummen. An Sonntag-Abenden ist das Restaurant, mit den etwas eigenartigen Tischdecken (aus weißem Papier mit Aufdruck) nichts für nervöse Seelen, die sich nach Stille sehnen. Das Bangaluu geht weiße Wege. Ob das weise ist, wird sich weisen. Berlin braucht jedenfalls mehr Farbe und Weiß soll ja die Summe aller Farben sein.

3 Meinungen

  1. La Loca ist mit Abstand das beste was Berlin am Sonntag zu bieten hat.. und zu der Beschreibung vom Bangaluu gibt es nur noch eines hinzuzufügen.. PHÄNOMENAL!

  2. Ein klasse Club in super-edlem Ambiente. Wenn ich nicht aus Hamburg kommen würde, würde man mich da sicher jeden Sonntag sehen, so muss ich mir das für die Paar Wochenenden aufheben, wo Montags frei ist. Superklasse.Bangaluu Club

  3. Die Sonntagabend-Party „La Loca“ ist eigentlich die Alternative für erwerbstätige Montags-Frühaufsteher, aber an das nächtliche Fortsetzungsprogramm am Alex mit stets vollen Dancefloors reicht der weiße Laden in der abends am Nordbahnhof fast menschenleeren Invalidenstraße – also mitten im Schlafzimmer von Berlin-Mitte – dann doch bei weitem nicht heran. Da helfen auch das kulinarische Angebot oder die auf international getrimmte Clubatmosphäre mit topless Gogoboys und diversen Stammgästen, die über die Gästeliste kostenlos hereinkommen und so die sonst nur zäh in die Gänge kommende Partystimmung anheizen sollen, nicht wirklich. Der zahlende Gast, der nicht umsonst vor 19.00 Uhr, sondern erst dann kommen will, wenn die Party halbwegs losgeht (also nach 21.00 Uhr), wird dafür gleich um € 10 erleichtert – ein recht stolzer Preis für eine dennoch halbleere Location und Ende um 1.00 Uhr.

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