Die Verbreitung von Angst und Heuschrecken

Wer nach "Private Equity" googelt, wird zwar mit vielen Treffern belohnt, zumeist handelt es sich jedoch um Selbstdarstellungen ach so guter Finanzinvestoren. Da ist dann die Rede davon, dass man Unternehmen kaufe, um diese zu unterstützen wirtschaftlicher zu werden. Man gebe Eigenkapital (Equity) in die Unternehmen hinein, welches sie ansonsten teuer finanzieren müssten, was viele mangels hinreichender Bonität gar nicht könnten. Private Equities retten also Unternehmen und sichern so den Standort Deutschland?

Tatsächlich sind Finanzinvestoren, wie Private Equities hierzulande neben Heuschrecken bezeichnet werden, vordergründig daran interessiert, Unternehmen zu kaufen, dann im Laufe der vorher festgelegten Haltezeit den Wert zu steigern und die Unternehmen am Ende mit Gewinn wieder zu veräußern. Durch die enorme Finanzkraft, die Investoren heutzutage bündeln, ist der Grundgedanke kein schlechter. Ziel ist natürlich eine möglichst hohe Rendite auf das eingesetzte Kapital. Verständlich, denn sonst könnten die Investoren schlicht Sparbücher führen.

Verpflichtet sind die Investoren natürlich lediglich ihren Anlegern, zumeist institutioneller Natur, nicht den übernommenen Unternehmen und schon gar nicht deren Mitarbeitern. Dies wird gern anders dargestellt. Ein denkender Mensch wird jedoch schnell den Unsinn einer solchen Behauptung erkennen. Da den Anlegern im Vorfeld Renditegarantien gegeben werden, ist der Erfolgsdruck auf die Private Equities groß.

Zwei im Grunde legitime Überlegungen treiben die dortigen Chefetagen mit Blick auf die Anleger um: Wie kann ich möglichst wenig Eigenkapital auf´s Spiel setzen, um den Misserfolgsverlust zu minimieren und gleichzeitig die Substanz des Fonds zu schonen? Wie kann ich das eingesetzte Eigenkapital so schnell wie möglich wieder einfahren, ohne das Ergebnis des Unternehmensverkaufs abwarten zu müssen?

Natürlich sind auch die Fondsverwalter, wie Blackstone, Cerberus, KKR, Permira, Apax, Fortress und wie sie alle heißen, daran interessiert, für sich selbst den größtmöglichen Reibach zu machen. Auch das wird man nicht in Bausch und Bogen als illegitim verdammen können. Was sich daraus für die Unternehmen ergeben kann und verstärkt auch tatsächlich ergibt, kann hingegen nur verurteilt werden und entspricht nicht den von diesen selbst postulierten Zielen und Herangehensweisen der Investorengesellschaften.

Frage: Wie kann ich möglichst wenig Eigenkapital auf´s Spiel setzen, um den Misserfolgsverlust zu minimieren und gleichzeitig die Substanz des Fonds zu schonen?

Antwort: Ich setze Eigenkapital nur zu maximal einem Drittel des Unternehmenskaufpreises ein. Den restlichen Teil von mindestens zwei Dritteln der Kaufsumme finanziere ich durch Kredite, deren Zins- und Tilgungsanteile aus dem Cash Flow des übernommenen Unternehmens gezahlt werden. Schafft das Unternehmen diesen Kraftakt, habe ich als Investor letztlich nur ein Drittel des realen Kaufpreises selbst gezahlt. Das Unternehmen bezahlt seine eigene Übernahme. Dem Ziel, die Übernahme aus dem Cash Flow zu finanzieren ordne ich unternehmerische Perspektiven unter. Im Zweifel entlasse ich Mitarbeiter, um kurzfristig den Cash Flow nach oben zu drücken.

Frage: Wie kann ich das eingesetzte Eigenkapital so schnell wie möglich wieder einfahren, ohne das Ergebnis des Unternehmensverkaufs abwarten zu müssen?

Antwort: Ich erzwinge als dominierender Eigner Sonderdividenden vom übernommenen Unternehmen. So zB geschehen beim Kauf der Autovermietung Hertz. Der Kaufpreis betrug 15 Milliarden, davon jedoch nur 2,3 Milliarden eingesetztes Eigenkapital der PE-Gesellschaft. Wenige Monate nach dem Kauf erzwang man eine Sonderdividende von 1 Milliarde, die Hertz komplett zusätzlich fremd finanzieren musste. Damit hatte die PE-Gesellschaft kurz nach dem Kauf ihr eigenes Risiko schon von 2,3 Milliarden auf 1,3 Milliarden reduziert. Es sind Fälle bekannt, in denen in schneller Folge mehrere Sonderdividenden erzwungen wurden, so dass gar kein Eigenkapitalrisiko der PE-Gesellschaft mehr bestand. Zusätzlich verlange ich vom übernommenen Unternehmen noch eine sog. Deal-Gebühr von einem Prozent. Kaufe ich ein Unternehmen für 1 Milliarde, erhalte ich vom Unternehmen 10 Millionen als Dealgebühr direkt zurück.

Frage: Wie kann ich als PE-Gesellschaft nicht nur für meine Investoren, sondern auch für mich selbst den Reibach machen?

Antwort: Das ist einfach. Ich verlange zunächst, ähnlich wie ein Makler, eine Einwerbegebühr von rund 2 Prozent auf das akquirierte Kapital von meinen Investoren. Bereits ein relativ kleiner Fonds mit 1 Milliarde Investitionskapital bringt mir als PE-Gesellschaft 20 Millionen Einwerbegebühr. Weiterhin nutze ich meine beherrschende Stellung, um dem Unternehmen einen Beratungsvertrag zu meinen Konditionen auf´s Auge zu drücken. Die Höhe orientiere ich am Unternehmensergebnis. Fährt ein Unternehmen also ein positives Ergebnis von sagen wir 50 Millionen, verlange ich 30 Millionen als Beratungshonorar. Gern werden auch Beratungsverträge mit festen Laufzeiten abgeschlossen, die noch ein besonderes Bonbon für die PE-Gesellschaft bereithalten. Werden nämlich solche Verträge vor deren vertraglichem Enddatum aufgelöst, beispielsweise weil die PE-Gesellschaft das Unternehmen vorzeitig an die Börse bringt oder weiterverkauft, wird eine Art Vorfälligkeitsentschädigung fällig. Das Unternehmen muss an die PE-Gesellschaft quasi Schadensersatz für ausgefallene Beratungshonorare zahlen, weil die Laufzeit des Beratungsvertrages verkürzt wurde. Eigentlich überflüssig zu erwähnen, dass das Unternehmen selbstverständlich keinen Einfluss darauf nehmen konnte. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Sage nochmal einer, der Begriff Heuschrecken sei nicht gerechtfertigt…

Die nächste Eskalationsstufe steht schon bevor: Findige Banker sind jetzt auf den tollen Gedanken gekommen, PEs auch für Kleinanleger zu öffnen. Bisher scheitert die Beteiligung von Kleinanlegern an der Höhe der eingeforderten Mindesteinzelanlage. Diese beträgt gern mal fünf Millionen und mehr, weshalb bisher die institutionellen Anleger das PE-Geschäft dominieren. Die Idee ist nun, dass Banken Finanzmittel bei ihren Privatkunden einwerben, diese dann bündeln und sich als Bank mit diesen Mitteln an den Fonds beteiligen. Auf diese Weise kann die Mindesteinzelanlageschwelle relativ leicht erreicht und sogar überschritten werden. Setzt sich die Idee im Private Banking auch PE-Fonds als Kapitalanlage durchzusetzen, dürfte sich die Problematik für die deutsche Unternehmenslandschaft wiederum deutlich verschärfen, da auf diese Weise noch mehr Finanzmittel zur Investition bereitgestellt werden würden.

Und auch hier wird nach meiner Befürchtung der gierige Kleinanleger wieder einmal, wie schon im Aktiengeschäft, skrupellos an den Ästen sägen, auf denen er selber sitzt.

(Foto: www.pixelquelle.de / Fotograf: Ullrich Torloxten)

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