Die letzte Hürde

Wir stellen uns mal vor:

Ein kaugummiproduzent beauftragt die Agentur eine Kampagne zu entwickeln, die als Produktnutzen "sympathisch weiße Zähne" (aufgrund ganz toller Mikropartikel oder so) kommuniziert.

Die Agentur geht dann nicht auf die Beschreibung, sondern die Wirkung des Produktversprechens (Immer gut, selten genug berücksichtigt.). Sie thematisiert, dass man mit einem Lächeln mehr erreichen kann, man auch mal Unschönes sagen kann, ohne dass der andere einem gleich gram ist.

Alles, was dann folgt, ist nur den Gedanken soweit wie möglich zu strapazieren, um den Effekt zu verdeutlichen. Entsprechend frohgemut geht man in die Präsentation.

Die Agentur (die Kreation) erläutert den Grundgedanken, zeigt die Motive:

 

Sie freut sich wie Bolle und starrt in unsichere Gesichter.

Marketing-Chef: "So."
Agentur (lächelt, trotz zunehmender Unsicherheit Zuversicht ausstrahlend): "Ja."
M: "Das ist also ihr Vorschlag."
A: "Das ist er." (von der Melodie her leicht amerikanisiert in der Art "Buddy- Yo man Yo")
M: "Aha."
A (schon tonloser): "Ja?"
M (schaut sich um): "Will vielleicht einer von Ihnen …" (was für erhöhte Unruhe und Kompensationshandlungen wie Räuspern, Zurücklehnen oder Hämorrhoidenbekämpfungsimulationshüftbewegungen bei den "Assistenten" sorgt)
alle (außer Agentur): "Ääähmmm …"
M: "(Name desjenigen, der gerne in der Kaffeepause munkelt, M habe keine Ahnung …)"
X: "Also, mein erster Eindruck ist: originell, neu, ungesehen. Also durchaus kreativ …"
Y (die M steckte, was X sagte): "Ja, aber bei aller Kreativität, wir müssen in erster Linie an unsere Kunden denken …"
A: "Aber genau das …"
M: "Seh ich genau so. Ich weß nicht, ob Sie das Briefing gelesen haben, aber soweit ich weiß, steht darin nichts von vulgären Menschen."
Y (liest vor): "Unsere Zielgruppe ist jung, modern, augeschlossen, treibt gerne und regelmäßig Sport und legt viel Wert auf Geselligkeit, Gesundheit und gutes Essen."
A: "Aber …"
M: "Jaaha?"
A: "Da steht auch …" (liest vor) "gewünscht ist eine aufmerksamkeitsstarke Kampagne mit einem 'twinkle in the eye'".
Y: "WIR kennen unser Briefing."
M: "Finden Sie das lustig?"
A: "Ja, wir …"
M: "So! Sie finden es also lustig, wenn man Ihnen unterstellt, Sie würden den ganzen Tag fluchen und Kraftausdrücke benutzen."
A: "Nein …"
M: "Aber wir sollen das unseren Kunden sagen …?"
A: "Aber …"
X: "Der Eindruck kann schon auch entstehen. Das wollte ich auch noch angemerkt haben."
A: "Wie …"
Y: "Sie sagen damit nichts anderes, als dass man mit unserem Produkt herumgehen und Menschen aufs Übelste beschimpfen und beleidigen kann, denn es "hört sich ja gut an"."
M: "Hören Sie besser mal genau zu: Unser Produkt sorgt für weißere Zähne, nicht für einen reineren Hals. Haben Sie das verstanden?"
A: "Ja …"
M: "Oh, gut! Dann wissen Sie ja, was zu tun ist …"
X: "Sie müssen das nicht übers Wochenende machen, aber Dienstag morgen müssen wir …
M: "Ich!"
X: "… Marketing die neue Kampagne dem Vorstand vorstellen!"
Y: "Also wenn Ihnen an einer weiteren Zusammenarbeit mit unserem Haus gelegen ist …"
A: "OK"

Natürlich fände das Folgende nie, naja, höchst selten beim Kunden statt. So was passiert eher bei der agenturinternen Präsentation, wo sich so mancher gerne als der verländerte (D)Arm des Kunden positioniert.

3 Meinungen

  1. ich habe einen werbevorschlag für die auskunft 11880. wenn ihr interessiert seit, ja dann würde ich sagen meldet euch. eine gute sache. bye

  2. Werbeagentur Bremen

    Hey das ist ja wirklich köstlich 😉

  3. Wirklich netter Artikel! Viele Grüße, Peter

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