Die Kirche soll sich zurückhalten

Das öffentliche kirchliche Wort solle „rarer“ werden. Die Menschen erwarteten vor allem, dass die Kirche auskunftsfähig sei zu Themen wie Heil, Schuld und Vergebung. Aufgabe der Kirche sei es, den Menschen Ratschläge zu geben ohne sie zu bevormunden. Sie sei keine politische Partei.
                    
Ich meine, dass das Wort der Kirche in der Gesellschaft nicht rarer sondern deutlicher  und vernehmbarer gesagt werden muss. Es ist nicht so, dass die Menschen nur nach Heil, Schuld und Vergebung fragen. Es geht nicht nur darum, wie ich in den Himmel komme. Vielmehr fragen Menschen heute danach, wie das diesseits verantwortlich gestaltet werden kann. „Was kann und soll ich tun“ in dieser Welt, so lautet die Frage. Und ich bin davon überzeugt, dass der Kirche da etwas zugetraut wird.
 
Die Kirche hat, theologisch formuliert, ein prophetisches Amt. Und das besteht nicht darin, in der Ferne nach dem zukünftigen Heil Ausschau zu halten. Propheten sollen den Mächtigen Bescheid geben, wenn sie ihrer Aufgabe untreu werden, wenn sie sich gegen die Menschenwürde vergehen und wenn sie die Solidarität der Menschen verraten. Die Propheten vertreten die Sache der Kleinen und Schwachen.
 
Das Evangelium ist eine öffentliche Sache. Es richtet sich grundsätzlich an alle Menschen. Es heißt, dass alle Menschen vor Gott gerechtfertigt sind, allein aufgrund der Liebe Gottes und allein aus Glauben – nicht aus Werken. Das hat nicht nur etwas mit dem Himmel sondern auch mit der Erde zu tun: Keiner hat dem anderen etwas voraus und keiner steht dem anderen in irgendetwas nach. In einer Welt, in der sich Menschen zunehmend entsolidarisieren, kann das gar nicht oft genug gesagt werden.
 
Die Kirche ist dieser Aufgabe bei weitem nicht immer nachgekommen. In der Nazi-Zeit hat sie sich ausschließlich mit sich selbst beschäftigt und die Welt sich selbst überlassen. Die Kirche ist für das Heil zuständig – der Staat für die Politik. Selbst die Bekennende Kirche ist nach diesem Prinzip verfahren – mit einigen Ausnahmen wie Dietrich Bonhoeffer natürlich. Der Staat kann machen, was er will, solange er der Kirche nicht in ihre Angelegenheiten hineinredet.
 
Wenn die Kirche sich nur mit sich selbst beschäftigt, wenn sie das Evangelium immer nur sich selbst sagt, dann verfehlt sie ihren Auftrag. Und wenn sie diesen Auftrag gewissenhaft ausführt, dann muss sie auch mal jemandem auf die Füße steigen. Das Evangelium ist darüber hinaus eine öffentliche Sache, es wendet sich grundsätzlich an alle Menschen. Und in der Öffentlichkeit tut es seine Wirkung: entweder erzeugt es Ärger oder Zustimmung – Entweder ärgert man sich über die Kirche oder man stimmt ihr zu. Die weit verbreitete Gleichgültigkeit gegenüber dem Evangelium und gegenüber seiner gesellschaftlichen Bedeutung beruht darauf, dass diejenigen, die es ausrichten sollen, sich rar machen nicht vernehmbar sind.

EKD

Der Vortrag

Kirchenamtspräsident Dr. Herrmann Barth

2 Meinungen

  1. Ha! Ich hab‘ diesen Vortrag bereits am Tag seines Erscheinens entdeckt, hatte nur nicht eher Zeit zu antworten. Die Kirche soll sich sowohl politisch als auch in Glaubensstandpunkten. wo anscheinend von Fall zu Fall entschieden wird, was jetzt gerade evangelisch ist, lieber zurückhalten? Es würde von vielen Seiten ein schärferer Wind gegen ihre Sonderstellung und staatliche Einmischung wehen? Zu auffällig, was! Ja,ja, soll sie sich nur ducken, dann kann sie auch keiner angreifen, festnageln oder kritisieren. Das hatten wir doch schon einmal, das kommt mir bekannt vor. Nur nichts Falsches in den Medien sagen, nur nach jahrelanger Absprache mit einem Expertengremium einen medientauglichen Menschen hinschicken und das Wischiwaschi gummiartig dehnbar vortragen lassen. Die anderen kleinen Untergebenen sollen sich gefälligst nicht unsachgemäß äußern und lieber noch einmal in dem empfohlenen Papierchen nachlesen, dass sich Kirche (angeblich) nicht einmischt in den Staat.ODER SIE SOLL MENSCHENSKINDER ENDLICH MAL KONKRET UND ÖFFENTLICH POLITISCH STELLUNG BEZIEHEN! Gerade im Hinblick auf Kriegsduldung, Kriegstreiben und dem Gebot „du sollst nicht töten“ und „du sollst nicht begehren deines Nächsten Öl“ oder so ähnlich… Aber die geistliche Weltherrschaft des Christentums als Ziel steht dann doch auch noch einmal sehr deutlich im Vortrag, und das heißt, sich stillhalten, zurückziehen und dem „Zugpferd“ Bush nicht öffentlich an sein vorwärtsgaloppierendes christliches Bein pinkeln. Wer nicht gegen unseren Glauben ist, ist schließlich eher gut für uns. Allerhöchstens den sanften Zeigefinger öffentliche ein wenig heben: Dududu, tztztz. So ähnlich wie die Merkel eben, die mit dem Bush im Kreis rumgrinste, was sie zu Hause eher seltener machte.Seltsam, nicht wahr, dass dieser beschlossene verbale Husch-husch-Tarnanzug gerade jetzt wieder übergestreift wird, noch rechtzeitig, wo es weltpolitisch mit deutscher (momentan noch logistischer oder blauhelmischer Beteiligung) immer brenzlicher wird mit dem Konkurrenzglauben Islam. Schnell sich wieder auf das besinnen, was man mit Kirche früher verbunden hat und sich wieder auf die Verkündigung des Evangeliums konzentrieren, aber auch nicht sooo viel und soo öffentlich, denn wer viel bietet, kann auch viel gefragt und kritisiert werden. Ich bin beeindruckt, dass sie sich wehren, und dass zumindest an der Basis noch die tatsächlichen, täglichen Belange der Menschen ernst genommen werden und die Sache deutlich ausgesprochen wird. So rein persönlich meine ich das jetzt nur, denn mit den Kirchenorganisationen selbst hab‘ ich es ja nicht so. Aber passen Sie auf, dass man Ihnen Ihren Internetzugang nicht sperrt, wenn Sie weiterhin ihre eigene Meinung verbreiten. Denn jemanden wie weiland den „Pater Braun“ ins hinterletzte Dorf zu schicken, wo er dem öffentlichen Image der Kirche keinen Schaden anrichten können sollte, hilft ja heutzutage im Medienzeitalter nicht mehr viel. 😉

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