(Foto: PixelQuelle.de/Joelle Müller)
Als Resultat wochenlanger Verhandlungen teilt uns die Bundesregierung nun mit, dass Piercing-Träger in Zukunft für die Behandlung entzündlicher Folgeerkrankungen selbst aufkommen müssen. Das nenne ich einen Minimalkonsens, dementsprechend sind die „Eckpfosten“ der großkoalitionären Bemühungen eng um diesen kleinsten gemeinsamen Nenner herum „eingepierced“ worden. Immerhin wissen wir jetzt definitiv, dass zumindest die Mehrheit der Beteiligten keinen invasiven Körperschmuck an intimer Stelle verbirgt. Es wäre ein echtes Novum, wenn deutsche Politiker eine Entscheidung träfen, die ihre schmalen Bezüge noch weiter beeinträchtigen könnte.
Trotz des also eher moderaten Reformentwurfes [Die Ergebnisse im einzelnen:….], schreien nun die Interessenvertreter der verschiedenen Lager erwartungsgemäß auf. Alle Kritikpunke hier detailliert aufzuführen, sprengt den Rahmen, daher nur eine Übersicht der Reaktionen, gesammelt vom Ärzteblatt: […….] (Bemerkenswerterweise haben die Piercer noch keine Lobbyvertretung!)
Jenseits aller Ideologie ist man sich aber einig, dass Reförmchen wird nicht viel länger als 18 Monate währen, dann steht das Thema wieder auf der Agenda. Vermutlich haben auch die Macher diese Überlegung im Hinterkopf, denn echte Richtungsentscheidungen wurden ja nicht gefällt. Ein inkonsequentes Gemisch aus Einheitsversicherung und Kopfpauschale läßt den Akteuren für die Zukunft noch alle Wege offen.
Nur für die Kostenentwicklung konnte eine Richtung gefunden werden: Es geht aufwärts! Überhaupt befasst sich das Werk vornehmlich mit der Einnahmeseite des Gesundheitssystems, Einschnitte bei den Ausgaben werden nicht gemacht. Ein Schelm wer Böses dabei denkt, den Profiteueren des Systems ist es eh gleichgültig wer die Zeche bezahlt.
Statt aber konsequenterweise die Unfähigkeit zur Erneuerung des Systems einzugestehen, soll einfach weitergewurschtelt werden. Claus Christian Malzahn kommentiert im SPON treffend: „Der Vorschlag zur Güte wäre deshalb: Deutschland gewinnt das Endspiel – und die Große Koalition bricht das Spiel ab.“
Gleichgültig in welche Richtung der überfällige Systemwechsel erfolgt, eine Zweidrittelmehrheit kann eine Reform, die ihren Namen verdient, in Deutschland nicht finden. Je länger wir die Behandlung verschieben, desto schmerzhafter wird sie ausfallen.
Leider haben wir keine Möglichkeit, die Richtungsentscheidungen direkt per Volksentscheid und ohne den Umweg über die parlamentarischen Lobby- und Verbandsvertretungen zu treffen.
Die Chefarztfrau
