Die 2. Bundesliga 2011/12: Stimmungsvolle Spiele oder Randale am laufenden Band?

Kurz vor dem Anpfiff der 2. Bundesliga 2011/12 sind die Erwartungen ausgesprochen hoch.

Einerseits darf man sich wieder einmal auf eine spannende und auch hochklassige Spielzeit freuen – so mancher Fußballexperte hält die deutsche 2. Liga auch in diesem Jahr für das stärkste Fußball-Unterhaus der Welt, so viele Traditionsklubs wie selten zuvor treffen direkt aufeinander und versprechen eine Menge packender Duelle und heißer Derbys vor gut gefüllten, lautstarken Kulissen – doch bei aller Vorfreude geht auch ein wenig die Angst um.

Denn große Zuschauermassen bergen oft auch einiges Gewaltpotential und besondere Rivalitäten zwischen einzelnen Fangruppen den Zündstoff, um dieses Potential zu entfalten. Doch ist das nicht alles nur überzogene Panikmache?

Die 2. Bundesliga 2011/12 ändert schlagartig ihr Gesicht

Das bisherige Starterfeld der 2. deutschen Spielklasse bot nur wenige echte Fußballklassiker. Sicherlich existeren bei Partien wie VfL Bochum gegen den MSV Duisburg, FC Ingolstadt gegen 1860 München oder Union Berlin gegen Energie Cottbus geringe räumliche Distanzen. Jedoch haben die genannten Vereine meist keine gewachsene Rivalität unter den Fans oder besitzen ohnehin eine geringe Anhängerschaft. Mit dem FC Augsburg, Rot-Weiß Oberhausen und Arminia Bielefeld verlassen weitere Klubs die Liga, welche derzeit keine hohe Anziehungskraft bei den eigenen und gegnerischen Zuschauern besitzen. Die anderen beiden „Aussteiger“ Hertha BSC Berlin und der VfL Osnabrück waren dagegen deutlich populärer und brachten mit den Spielen gegen Union Berlin (Hertha) und gegen Paderborn bzw. Bielefeld (Osnabrück) immerhin auch etwas Derbystimmung in das deutsche Fußball-Unterhaus.

Doch dies ist kein Vergleich zu den fünf aktuellen Auf- und Absteigern. All diese Mannschaften bringen große Namen und viel Fanpotential mit und machen die neue Saison damit ohne Frage höchst attraktiv.

Eintracht Frankfurt gehörte auch in der 1. Bundesliga zu den Vereinen mit der stimmungsvollsten Stadionatmosphäre, was angesichts vieler schwacher Heimauftritte wirklich verwunderlich war. Die Frankfurter haben in der zweiten Liga keinen direkten Rivalen, denn der große Erzfeind Kickers Offenbach hat den Aufstieg aus Liga 3 knapp verpasst und zum Stadtkonkurrenten FSV Frankfurt besteht bislang wenig Spannung, da beide Vereine schon viele Jahre auf zu unterschiedlichem Niveau kicken. Doch ein Spiel gegen Eintracht Frankfurt kann organisatorisch für jeden Klub zu einer kniffligen Angelegenheit werden. Die Fankolonie, welche die Eintracht zu den Auswärtsspielen begleitet, ist vielerorts gefürchtet. Aktuell sucht beispielsweise der Hallesche FC, Gegner der Frankfurter in der ersten DFB-Pokal-Hauptrunde, fieberhaft nach einem Ausweichstadion, welches in Bezug auf die Sicherheit unbedenklich ist, da sich die heimische Arena der Hallenser derzeit noch im Umbau befindet.

Der FC St. Pauli wird ebenfalls stets von einer großen Anhängerschar begleitet. Die Fans des Kiezclubs sind allerdings nicht als sonderlich gewaltbereit bekannt und sorgen mit fröhlicher Stimmung und kreativen Fanprojekten vielerorts für wohlwollendes Aufsehen. Größere Rivalität gibt es eigentlich nur zum Stadtrivalen Hamburger SV – und zum FC Hansa Rostock, der als einer von drei Aufsteigern just in dieser Saison in die 2. Bundesliga zurückkehrt. Zwischen Rostock und St. Pauli wird seit ca. 15 Jahren eine gesunde Feindschaft gepflegt, die sich bei vergangenen Aufeinandertreffen auch regelmäßig in offenen Auseinandersetzungen auf den Rängen und vor allem vor und nach den Spielen entladen hat. Ein wichtiger Aufhänger dafür ist sicherlich die politisch eher links angesiedelte Einstellung der St. Paulianer, während in Rostock eine ganze Zeit lang eine nicht unerhebliche rechte Fanszene existierte. Diese konnte man zuletzt zwar eindämmen, jedoch wäre es naiv, daraus abzuleiten, dass Spiele zwischen Rostock und St. Pauli ab jetzt friedlich verlaufen werden.

Die ostdeutsche Fanszene sorgt für brisante Spieltage

Auch wenn man keinesfalls die ostdeutschen Anhänger als grundsätzlich gewaltbereiter als die westdeutschen einschätzen sollte, so muss man doch klar konstatieren, dass gerade die vielen Aufeinandertreffen der Vereine aus der ehemaligen DDR-Oberliga einige Brisanz bieten. Neben Hansa Rostock hat nämlich auch Dynamo Dresden, der mit Abstand beliebteste ostdeutsche Klub, den Sprung zurück in Liga 2 geschafft. Hinter den Schwarz-Gelben steht eine ganze Region. Schiere Fanhorden fahren mit zu den Auswärtsspielen und verwandeln das neu gebaute Heimstadion am Großen Garten zu einem Hexenkessel. Doch auch unter den Dresdener Fans gibt es durchaus Eskalationsgefahr. Vor dem Umbau war das Rudolf-Harbig-Stadion und seine Umgebung nicht selten Ort unschöner Gewaltszenen. Diese sind in der vergangenen Saison zwar kaum mehr zu beobachten gewesen, doch nun treffen die Dresdener auf die anderen Ostvereine aus Aue, Cottbus, Berlin und Rostock und zu keinen der zugehörigen Fangruppen besteht ein gutes Verhältnis.

Schließlich ist auch noch Eintracht Braunschweig zurückgekehrt. Die Niedersachsen sind derzeit nicht unbedingt für eine bedeutende Szene aus Hooligans bekannt, jedenfalls nicht solange Erzrivale Hannover 96 noch eine Klasse höher spielt. Dennoch bewegen die Blau-Gelben an Spieltagen ebenfalls große Fanmassen von A nach B und können damit zu guter Stimmung, aber auch zu Konfliktsituationen beitragen.

Augenblicklich weiß man also nicht genau, ob die Vorfreude auf eine stimmungsvolle neue Spielzeit oder die Furcht vor häufiger Fanrandale überwiegen soll. Dabei gehört die Rivalität zwischen Mannschaften und Fangruppen zum Fußball dazu wie das Salz in der Suppe, denn entsprechende Duelle elektrisieren die Massen und sorgen oft für einen großartigen Rahmen, in dem legendenbildende Fußballspiele erst gedeihen können. Deshalb soll die Stimmung auch nicht unter zu harten Sicherheitskonzepten leiden. Doch andererseits ist das gerade in dieser Saison herrschende Gewaltpotential natürlich so weit wie möglich einzudämmen.

Hilfreich sind dabei auch die vielerorts neu errichteten Stadien, in denen Sicherheitsbestimmungen leichter einzuhalten sind, so dass zumindest während der Spiele kaum Konflikte ausbrechen können. Zudem werden heutige Fußballspiele in Deutschland noch stärker als früher als Familienevents wahrgenommen, die man einfach genießt, ohne gleich fanatisch zu sein. Dies drückt zwar in manchen Stadien den Fansupport, wirkt aber gleichzeitig deeskalierend. Neben ausgeklügelten Konzepten über den Anreiseweg der verschiedenen Fangruppen zum Stadion hat sich in der Vergangenheit wohl auch der in vielen Stadien unterlassene Alkoholausschank – zumindest für Gästefans – positiv auf die Sicherheit ausgewirkt. Auch wenn das Bier für viele Fußballanhänger zum Spiel dazugehört, lässt es sich wohl nicht von der Hand weisen, dass Alkohol in einem ohnehin schon aggressiven Stimmungsumfeld bei einem Derby nicht gerade die Gewaltbereitschaft verringert.

Alles in allem sollte man also der neuen Zweitligasaison freudig und ohne Panik entgegenblicken. Zwar sind einzelne Scharmützel und Übergriffe wohl nie ganz zu vermeiden, doch in den vergangenen Jahren blieb der deutsche Fußball von großen Skandalen durch Fanausschreitungen weitgehend verschont. Also sollten auch die vielen heißen Partien der 2. Bundesliga 2011/12 hoffentlich friedliche Fußballfeste werden.

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