Könnte man im Umkehrschluss vermuten, die anderen 97 Prozent der DGBler hatten keine Lust auf Demo bzw. hatten was Besseres vor. Zum Beispiel Fußball schauen. Moment mal Fußball ist wichtiger als eine, nach Ansicht der Gewerkschaften, sozial ungerechte Politik?
Offenbar schon: allein bei den Samstagsspielen der Fußball Bundesliga waren über 200.000 Menschen in den Stadien. Also genau so viele mehr wie bei den DGB Kundgebungen. Rechnet man das Freitags- und die beiden Sonntagsspiele noch hinzu, kommt man auf über 350.000 Besucher – allein in der Ersten Liga. [Zahlen vom kicker]
Und dann gibt es ja noch die Zweite Liga, Regionalligen, Bezirksligen, Landesligen usw. usw…
Also: Fußball wichtiger als Sozialabbau, Unterschichten Debatte, Mindestlöhne, Gesundheitsreform, Steuern und so weiter?
Scheint so.
Warum Michael Sommer, Chef des DGB, im 21. Oktober trotzdem einen „[…] gute[n] Tag für die Demokratie." sieht, bleibt zumindest mir schleierhaft. Vielleicht weil er mit weniger Teilnehmern rechnete und daher froh, ja entzückt war, dass ganze 3(!) Prozent seinem Ruf folgten?
Ein guter Tag für den Fußball, ja. Ein guter Ttag für den DFB, ja. Ein guter Tag für die Demokratie, nein. Ein guter Tag für die Gewerkschaften, noch weniger.
Fast seherisch-sarkastisch wirkt im Rückblick da schon das Motto der Kundgebung: „Das geht besser! Aber nicht von allein."
Stimmt.
Vielleicht sollte der DGB nächstes Mal seine Kundgebungen in den Stadien abhalten, kurz vor Spielbeginn.
