Deutsche Bank unter Druck

Eine ereignisreiche Woche für die Deutsche Bank. Doch weder die neue Strategie, die am Montag die Aktionäre noch der Prozessauftakt am Dienstag fielen unter die Rubrik „Gute Nachrichten“. Ganz im Gegenteil, der Aktienkurs ist unter Druck; Anleger, Mitarbeiter und Kunden sind beunruhigt.


Universalbank bleibt, wird aber kleiner

Die Deutsche Bank bleibt als Universalbank erhalten, trennt sich aber von der Postbank, die sie für sieben Jahren übernommen hatte, und dünnt das Filialnetz aus. 200 der rund 700 Filialen sollen geschlossen werden, insgesamt will die Bank 3,5 Milliarden Euro pro Jahr einsparen. Nicht nur der Privatkundenbereich, auch das Investmentbanking wird zurückgefahren, dort will das Institut die Bilanzsumme um 200 Milliarden Euro reduzieren.

Wie die Trennung von der Postbank aussehen wird, ist noch unklar. Denkbar ist der Verkauf der Tochter als Ganzes, oder die Platzierung von Anteilen an der Börse, wobei die Deutsche Bank auf jeden Fall eine Minderheitsbeteiligung anstrebt. Aufgegeben werden auch einige Auslandsmärkte, und die Gewinnziele werden zurückgefahren. Das Echo in Medien, unter Analysten und auf den Aktienmärkten ist verhalten. Der große Wurf sei diese Strategie nicht, ist die allgemeine Einschätzung, der Aktienkurs fiel deutlich.

Spektakulärer Wirtschaftsprozess

Parallel zum angekündigten Umbau hat am Dienstag einer der größten Wirtschaftsprozesse der vergangenen Jahre in München begonnen. Vor Gericht stehen Co-Vorstand Jürgen Fitschen, seine Vorgänger Josef Ackermann und Rolf Breuer und zwei weitere ehemalige Vorstände. Im Prozess um Schadensersatzforderungen nach der Insolvenz des Medienkonzerns Kirch sollen sie die Justiz getäuscht haben, sie müssen sich nun wegen versuchten Prozessbetrugs verantworten. Die Angeklagten bestreiten die Vorwürfe. Der Prozess ist bis September angelegt, solange muss auch Jürgen Fitschen einmal pro Woche persönlich vor Gericht erscheinen.

Rekordstrafe für Deutsche Bank

Jürgen Fitschen und Anshu Jain hatten im Juni 2012 gemeinsam den Vorstand der Deutschen Bank übernommen, damals mit ehrgeizigen Zielen. Sie wollten, nachdem die Finanzkrise einigermaßen überwunden schien, das Bankhaus in neue Gewinnbereiche führen. Dies gelingt nicht, stattdessen belasten zahlreiche Rechtsstreitigkeiten und Auseinandersetzungen mit Aufsichtsbehörden ihre Amtszeit. Zuletzt muss die Deutsche Bank wegen der Manipulationen bei der Festlegung des Libor-Zinssatzes eine Rekordstrafe von 2,5 Milliarden Dollar zahlen. Sie schloss darüber einen Vergleich mit britischen und amerikanischen Behörden.

Bildnachweis: Thinkstock, iStock, Patrick Poendl

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