Der „Voralpen-Belusconi“ von der CSU

Der bayerische Politiker Jakob Kreidl will sich erneut zum Landrat wählen lassen – trotz aberkanntem Doktortitel, gesponserter Protz-Geburtstagsfeier und Verwandtenaffäre. Ministerpräsident Horst Seehofer hält sich mit Kritik an dem Parteifreund zurück, gibt ihm aber auch nicht wirklich Rückendeckung.

Seit 2008 ist Jakob Kreidl Miesbacher Landrat, und das möchte er gerne noch ein paar weitere Jahre bleiben. Bei der Kommunalwahl am 16. März tritt der Präsident des Bayerischen Landkreistages erneut an – obwohl die Kritik an seiner Person immer lauter wird.

Auf den Spuren von zu Guttenberg

In den Schlagzeilen ist Kreidl schon seit geraumer Zeit. Im Frühjahr 2013 war bekannt geworden, dass er seine Doktorarbeit mit dem Titel „Der Kosovo-Konflikt: Vorgeschichte, Verlauf und Perspektiven; zur Stabilisierung einer Krisenregion“ in weiten Teilen abgeschrieben hat. Kreidl verzichtete daraufhin auf das Führen seines Doktortitels, vor rund zwei Monaten hat ihm die Bundeswehr-Universität München den Titel dann offiziell entzogen.

Im Rahmen der sogenannten Verwandtenaffäre bei der CSU kam außerdem heraus, dass Kreidl in seiner Zeit als bayerischer Landtagsabgeordneter seine Ehefrau jahrelang als Mitarbeiterin beschäftigt hatte. Die Kosten dafür trug der Steuerzahler.

Fremdfinanzierte Geburtstagssause

Am meisten Kritik bescherte dem Kommunalpolitiker die Feier zu seinem 60. Geburtstag. Stolze 100.000 Euro hat die Sause im August 2012, die sich Kreidl fast komplett von der örtlichen Sparkasse und dem Landkreis hat bezahlen lassen. Zu Gast auf der Protz-Party war seinerzeit übrigens auch CSU-Chef Horst Seehofer, der die Affären des Jakob Kreidl noch herunterspielt und als „örtliche Angelegenheit“ kleinredet.

Die Opposition in Bayern ruft Seehofer dagegen zum Handeln auf. Der Vize-Fraktionschef der Freien Wähler, Florian Streibl, erklärte gegenüber der „Süddeutschen Zeitung“: „Die CSU muss handeln, Kreidl darf nicht länger den Voralpen-Berlusconi geben.“ Politikverdrossenheit entstehe nicht nur, „wenn Abgeordnete und Minister ihre Positionen missbrauchen, um sich Vorteile zu verschaffen, sondern auch, wenn ein Landrat wie Kreidl das tut.“

Foto: Screenshot jakob-kreidl.de

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