Der Mainzer Dom und seine bewegte Geschichte

Willigis – so ziemlich jedem Mainzer dürfte dieser Name geläufig sein – war Gründervater und Bauherr des Mainzer Doms. Geboren um 940 in Schöningen (im heutigen Niedersachsen), wurde er im Januar 975 zum Erzbischof erhoben und begann vermutlich noch in diesem Jahr mit dem Bau des Mainzer Doms. Willigis war ebenfalls Erzkanzler des Deutschen Reiches (Heute wird vermutet, dass die Grundsteinlegung erst 997 erfolgte und die imposante Kirche quasi in Rekordzeit errichtet wurde).

Der Dom in Mainz – ambitioniertes Vorhaben

Er plante den Dombau in einer bislang kaum gekannten Größe und nach dem Vorbild von St. Peter in Rom. Mainz besaß zu diesem Zeitpunkt nur wenige tausend Einwohner und die kamen in den vielen vorhandenen Kirchen unter. Also ist anzunehmen, dass Willigis den Dom aus (kirchen-) politischen Gründen gebaut hat, um seine weltliche wie kirchliche Macht zu demonstrieren. Er sollte als Wahrzeichen dienen, dass die Mainzer Diözese als „zweites Rom“ kennzeichnet und den Status als Krönungskirche im ottonischen Imperium festigen. Tatsächlich war Willigis von Papst Benedikt VII. als Vikar eingesetzt und damit quasi des Papstes Stellvertreter nördlich der Alpen. Er hatte das Recht, Könige zu weihen und Synoden einzuberufen und Entscheidungen im Namen des Papstes zu treffen. Eine gewaltige Machtfülle. Er wurde als „Vater des Kaisers und des Reiches“ betitelt und verschaffte Mainz eine bedeutende Dominanz und sicherte den Bischöfen von Mainz im Frankenreich eine stabile Spitzenstellung. Allerdings verlor Willigis im Laufe der Zeit an Einfluss. So musste er 1007 der Gründung des Bistums Bamberg auf seinem Verwaltungsbereich zustimmen.

Der Mainzer Dom: Wahrzeichen, Brandruine, Viehstall

Im August 1009 strahlte der gewaltige Dom über die Rheinebene. Die Menschen, so kann man es sich vorstellen, waren vermutlich sehr aufgeregt, als der Termin zur Domweihe anberaumt wurde: es war der 29. oder 30. August 1009, sicher weiß man es nicht. Der Dom, erstrahlt von hunderten von Fackeln, überragte stolz jedes andere Bauwerk in Mainz. Dann kam die Katastrophe, der Dom geriet in Brand. Zum Glück war er in einer Brache gebaut worden. Der Stadtkern und der Markt waren einige hundert Meter davon entfernt, so dass umliegende Gebäude wohl keinen Schaden nahmen. Ein Großteil des Doms war zerstört. Willigis begann sofort mit dem Wiederaufbau, erlebte aber die Wiederherstellung nicht. Am 23. Februar 1011 verstarb er in Mainz und wurde in der Mainzer Stephanskirche bestattet.
Als heute noch sichtbares Vermächtnis hinterließ Willigis zwei von ihm in Auftrag gegebene bronzene Türflügel, die sich heute an der Nordseite des Langhauses befinden. Willigis ist Patron der Wagner, weil sein Vater Wagner gewesen sein soll. Sein Wappenzeichen, das Rad, befindet sich heute noch im Landeswappen von Rheinland-Pfalz.

Eine bewegte Geschichte

27 Jahre dauerte der Wiederaufbau. Im Jahre 1036 wurde der Dom geweiht. Erzbischof Bardo weihte den Dom unter Anwesenheit von Kaiser Konrad II. und Kaiserin Gisela, König Heinrich III. und seiner Gemahlin sowie 17 Bischöfen.

Das Schicksal meinte es nicht gut mit dem Dom, denn 45 Jahre später (1081) brannte er wieder. Es ist unklar, ob er sofort wieder Instandgesetzt wurde. Sicher ist, dass der Dom von 1100 bis 1125 umfassend erneuert und 1233 fertiggestellt wurde. Unterstützt wurde der Wiederaufbau von Kaiser Heinrich IV. Einige Teile (Ostwerk mit Apsis) wurden nach dem Vorbild des Doms von Speyer neu erbaut.

In den folgenden Jahrhunderten erfolgten etliche Umbauten und Erweiterungen am Dom. Ab 1236 erhielt Mainz eine eigene Gerichtsbarkeit, das Zollprivileg und das Stadtprivileg (so konnte zum Beispiel ein eigener Stadtrat gewählt werden), was Mainz faktisch zu einer freien Stadt machte, wobei der Erzbischof zwar immer noch rechtlich Stadtoberhaupt blieb, sich aber aus den alltäglichen Stadtgeschäften heraushielt.

Nicht nur 1348, auch 1482, 1553, 1564 und 1592 wütete die Pest in Mainz, wobei der Dom immer wieder auch als Aufnahmestätte der Kranken diente.

Die Reformation

Obwohl das Kirchenrecht es streng verbot, mehr als ein Bischofsamt inne zu haben, sammelte Albrecht von Brandenburg Kirchenämter wie andere Kirchenfürsten Reliquien. Er war

„Erzbischof von Magdeburg sowie (als AlbrechtV.) Apostolischer Administrator für das vakante Halberstadt. Des Weiteren wurde er Erzbischof von Mainz und als solcher Metropolit der Kirchenprovinz Mainz, Landesherr des Erzstifts Mainz, Kurfürst und Erzkanzler des Heiligen Römischen Reiches und später Kardinal der Römischen Kirche.“ (Quelle: Wikipedia)

Da diese Ämterhäufung eigentlich illegal war, musste er dem Papst Leo X. eine erkleckliche Summe Geld zukommen lassen, welche er sich bei den Fuggern lieh. Um seine Schuld zu begleichen, begann er Ablassbriefe zu verkaufen (mit Genehmigung des Papstes, der die Geschäftsidee nicht nur befürwortete, sondern selbst regen Ablasshandel trieb und an den Einnahmen Albrechts mitverdiente) und das auch mitten im Mainzer Dom. Luther predigte gegen die Ablasspraxis und als ihm eine Anweisung an umherreisende Ablassprediger – die Instructio Summarium von Erzbischof Albrecht – unter kam, verfasste er 97 Thesen für seine Dozenten-Kollegen als Diskussionsgrundlage. Erst danach verfasste er die berühmten 95 Thesen, die er angeblich am 31. Oktober 1517 am Hauptportal der Schlosskirche in Wittenberg angeschlagen haben soll.

Letztendlich – aber natürlich nicht allein – löste dies eine Bewegung in Gang, die ihren Höhepunkt im 30jährigen Krieg fand.

1666 wütete abermals die Pest in Mainz, gerade in einer Zeit, in der sich die Stadt gerade von den Unbillen des Krieges erholte. Über 20 Prozent der Bevölkerung fielen der Pest zum Opfer.

Die Französische Revolution

Quasi am Vorabend der Französischen Revolution sorgte ein Blitzeinschlag am 22. Mai 1767 erneut für einen Dombrand. Bis 1774 dauerten die wichtigsten Reparaturarbeiten. Nur 15 Jahre später (1789) brach in Frankreich die Revolution aus. Die Franzosen marschierten in Mainz ein, da die deutschen Fürsten 1792 in Mainz die Niederschlagung der Revolution beschlossen. Obwohl Mainz eine gut ausgebaute Festung besaß, allerdings kein Geld für eine Garnison, marschierten die Franzosen 1792 kampflos in Mainz ein. Nur ein Jahr später mühten sich die deutschen Truppen erfolgreich damit ab, Mainz zurück zu erobern, wobei der Dom jedoch erheblichen Schaden nahm, wieder einmal in Brand geriet und teilweise völlig zerstört wurde. 1797 wurde Mainz nach der Niederlage der Koalitionstruppen wieder französisch; wobei der Dom geplündert wurde. Die Franzosen gaben nichts auf den „Christlichen Kult“, weshalb sogar in Erwägung gezogen wurde, den Dom abzureißen.

Der Mainzer Dom – eine ewige Baustelle

Erst 1804 begannen die ersten Restaurierungsmaßnahmen. Mainz stand unter Französischer Besatzung, was das Ende des Mainzer Kurstaates und des Erzbistums bedeutete, die seit 782 Bestand hatte.
Die Völkerschlacht bei Leipzig im Oktober 1813 und der gescheiterte Russlandfeldzug beendeten Napoleons Herrschaft, allerdings mit schlimmen Folgen für Stadt und Dom. Auf der Flucht fielen die geschlagenen Franzosen in Mainz ein wie die Heuschrecken und brachten ein tödliches Präsent mit: Fleckfieber. Unter anderem wurden Soldaten auch im Dom untergebracht. Als es kalt wurde, wurde alles Brennbare im Dom genutzt um wärmende Feuer zu entzünden. Altäre, Beichtstühle etc., ebenso wie unersetzliche Dokumente.
Zwischen 17.000 und 20.000 Soldaten ließen in Mainz ihr Leben, wie auch mehr als ein Zehntel der Bevölkerung. Erst im Mai 1814 zogen die Soldaten aufgrund des „Ersten Pariser Friedens“ ab.

In den folgenden hundert Jahren ging es vorbehaltlich darum, den Dom zu renovieren und rekonstruieren und wieder aufzubauen, was durch die vielen Brände und Kriege beschädigt worden war. Aber auch die Sicherung des Doms vor dem Einsturz war eine gewaltige Aufgabe. Durch das Absinken des Grundwassers und das Verfaulen der alten Fundamentpfähle, mussten tragfähige Fundamente aus Beton errichtet werden.
Etwas Glück im Unglück hatte der Dom während des zweiten Weltkrieges. Obwohl die Stadt stark zerstört wurde, hatte der Dom vergleichsweise „reparable Schäden“ abbekommen. Zwar geriet er wieder in Brand und Teile des Kreuzgangs und der Seitenkapellen waren zerstört, aber die Grundsubstanz des Doms wurde kaum beschädigt.

Zur 1000-Jahr-Feier 1975 waren jedoch die umfassenden Wiederaufbau- und Renovierungsmaßnahmen abgeschlossen. Eine weitere 100-Jahr-Feier wurde 2009 abgehalten, 1000 Jahre nach dem ersten Brand des Mainzer Domes und der nicht erfolgten Weihe.
Ob der Erbauer Willigis Stolz auf das erreichte gewesen wäre, wissen wir nicht, aber der Mainzer Dom ist auch heute noch Mahnmal und Zeuge der Geschichte.

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