Das Moses-Prinzip

Opaschowski erwartet eine Renaissance der sozialen Werte. Künftig soll das Moses-Prinzip gelten. Es verfestige sich allmählich ein Kanon aus alten und neuen Werten. Das Ende der Ellenbogengesellschaft sei gekommen. Künftig werde es auf Ehrlichkeit, Verlässlichkeit und Hilfsbereitschaft ankommen. Wir würden eine Renaissance der Familie erleben und den Wert dauerhafter Bindungen neu entdecken.

Die Kapitel seines Buches seines Buches versteht der weißhaarige Trendforscher-Prophet als die modernen zehn Gebote des 21. Jahrhunderts. "Die Familie ist die beste Lebensversicherung" – "Sie ist billig und barmherzig" – "Verwechsle deinen Lebensstandard nicht mit Lebensqualität." – "Nutze Krisen im Leben als Chance für einen Neubeginn." So verkündet er das neue Gesetz und man gewinnt den Eindruck, man hätte es hier gar mit einem "Moses-Opaschowski" zu tun. Entsprechend seinem biblischen Vorbild hält er auch die beiden Tafeln des Gesetzes zusammen mit der Familienministerin Ursula von der Leyen in die Kameras. So ganz ohne staatliche Autorität geht es dann wohl doch nicht bei der Überbringung der Gebote.

Aber ist die Ausrichtung auf Profit und Rationalität tatsächlich überwunden? Hat sie sich gar als nicht brauchbar erwiesen angesichts des immer löchriger werdenden sozialen Netzes? Immerhin bringt Opaschowski die Wiederentdeckung der Familie in einen Zusammenhang mit den Einschränkungen im staatlichen Sozialsystem. Und hat der Turbo-Kapitalismus seinen inhumanen Geist ausgehaucht? Bei einer 30-prozentigen Gehaltserhöhung für Siemens-Vorstände bei bevorstehenden Entlassungen schwer zu glauben. Entspricht Opaschowskis also der Analyse der Realität?

Das, was er uns da als die neuen 10 Gebote bringen will, sind alles Sekundärtugenden, denen die eigentliche Ausrichtung auf den Menschen und auf ein humanes Miteinader erst noch beigebracht werden muss. Grundlage ist trotz aller sozialen Orientierung doch das Individuum als homo oeconomicus turbokapitalistischer Provenienz. Such dir eine Familie, die dich wärmt, wenn du dein Kapital verzockt hast. Immerhin ist sie billig und barmherzig! Ehrlichkeit, Verlässlichkeit und Hilfsbereitschaft kamen auch bei den Nazis gut an und stehen sicher auch bei der Hisbollah hoch im Kurs, ebenso wie Manieren und Disziplin. Es bedarf einer "Primärtugend" bzw. eines ersten Gebotes, an der sich die Praxis all dieser scheinbar so neuen und doch alten Werte auszurichten hat. Das aber fehlt in Opaschowskis Moses-Prinzip. Die Trendforschung macht Interviews, in diesem Fall 2000, um sich die neuen Gebote abzuholen. Moses ist dagegen auf einen Berg gestiegen, um der internen nur mit sich selbst beschäftigten Perspektive des Trendforschers zu entkommen, während unten der Tanz ums goldene Kalb begann.

6 Meinungen

  1. Die Notwendigkeit einer „Primärtugend“ anderswo auch „Moralische Letztbegründung“ genannt, darf doch sehr bezweifelt werden. Ich verweise hier mal auf das Münchhausen-Trilemma.

  2. Womit wir wieder bei einer denknotwendigen transzendenten Instanz wären, die uns aus dem Schlamm zieht…

  3. Nur wenn man im Schlamm sitzt.

  4. Bei dieser Rezension fragte ich mich mehrmals, ob der Rezensent, das Buch überhaupt gelesen hat, oder ob er sich mit Klappentext, Inhaltsverzeichnis und einigen seine vorgefasste Meinung bestätigenden Auszügen begnügte. So geht es Opaschowski mitnichten nur um die Wiederentdeckung einiger Sekundärtugenden. Und die Aussage, dass die Grundlage „trotz aller sozialen Orientierung doch das Individuum als homo oeconomicus turbokapitalistischer Provenienz“ sei, ist, mit Verlaub, ausgemachter Blödsinn! In einem extra herausgehobenen Kasten schreibt Opaschowski beispielsweise:“Die Verbesserung der Lebensqualität darf nicht länger mit der Steigerung des Lebensstandards verwechselt werden. Statt also, wie Moses schon kritisierte, immer nur von den „Fleischtöpfen Ägyptens“ zu träumen und den Tunnelblick auf die Anhäufung von Geld und materiellem Wohlstand zu richten, sollten wir uns in Zukunft wieder mehr an die alttestamentarische Erkenntnis richten: Lass uns weder arm noch reich sein. Gib uns das, was wir zum Leben brauchen. (Spr. 30,8)Dies wäre wohl kaum die Formulierung eines Menschen dessen philosophische Grundlage der „homo oeconomicus turbokapitalistischer Provenienz“ wäre. Auch darüber hinaus gibt es noch so manche Stelle im „Moses-Prinzip“, welche die Frage aufwirft, welches Buch der Rezensent denn nun eigentlich gelesen hat.Markus Frey, Köln

  5. Das Buch gefällt mir. Erdkunde kann da nur Spaß machen. Ich mochte früher Englisch nicht in der Schule, jetzt lebe ich in Großbritannien.

  6. Das ideale Buch für dieses Alter. Sehr zu empfehlen ist auch Meyers: Mein erstes Kinderlexikon.

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