Dark Souls – Sei bereit zu sterben

Kaum jemand hätte 2011 geglaubt, dass ein Action-Rollenspiel des kaum bekannten japanischen Herstellers „From Software“ wie eine Bombe in der westlichen Spielewelt einschlagen wird. Mit seinem brutalen Schwierigkeitsgrad, seiner minimalistischen Story und dem Verzicht auf jegliche Hilfestellungen für Einsteiger, konnte Dark Souls doch gar nicht weiter vom Mainstream entfernt sein.

Dark Souls ist der indirekte Nachfolger des 2009 erschienenen „Demon’s Souls“, welcher mit einem ähnlichen Spielsystem aufwarten konnte. Schon Demon’s Souls war ein kleiner Geheimtipp unter Spielern und hat selbst heute noch eine eingeschworene Fangemeinde.

Zur Story lässt sich wenig sagen: Der Spieler schlüpft in die Rolle eines namenlosen und untoten Kriegers in den Ruinen des Königreichs Lordran. Die Geschichte steht bei Dark Souls völlig im Hintergrund. Sie wird anstatt durch Zwischensequenzen in bruchstückhaften Aufzeichnungen und Dialogen erzählt. Aufmerksame Spieler können eine komplexe Mythologie entdecken, man kann sie aber genauso gut ignorieren und sich auf das eigentliche Spiel konzentrieren.

Wie bereits erwähnt, das Markenzeichen von Dark Souls ist sein Schwierigkeitsgrad. Die Spielwelt ist randvoll mit tödlichen Monstern und Fallen. Wenige Treffer genügen um zu sterben – und das wird immer und immer wieder geschehen. Generell sollte man davon ausgehen, dass alles in der Spielwelt einen töten kann. Wer blind drauflos stürmt und auf seine Gegner einhaut, stirbt oft in Sekunden.

Um in Dark Souls erfolgreich zu sein, muss man strategisch und vorsichtig vorgehen und aus seinen Fehlern lernen. Es gilt, die Welt und das Verhalten der Gegner zu studieren und entsprechend zu reagieren. Trotz des Schwierigkeitsgrades ist Dark Souls kein frustrierendes Spiel, sondern auf sonderbare Art und Weise sehr motivierend. Nach einem Tod will man es unbedingt nochmal probieren und nochmal… Irgendwann hat der Spieler den Punkt erreicht, an dem er „drin ist“ und nicht mehr aufhören will. Manche Spieler haben hunderte und sogar tausende von Spielstunden damit verbracht, ihr Spiel zu perfektionieren.

Die zugrundeliegende Spielmechanik und das Kampfsystem sind außerordentlich komplex. Typisch für Dark Souls allerdings: das Spiel macht absolut keinen Versuch, dieses dem Spieler zu erklären. Der Spieler wird völlig alleingelassen und muss sich selbst hineinarbeiten. Eine Karte, die anzeigt, wo sich der Spieler gerade befindet, sucht man ebenso vergebens, wie Hinweise, was eigentlich zu tun ist. Nicht einmal pausieren kann man das Spiel. Dies ist ein gewaltiger Unterschied zu den heute üblichen Mainstream-Spielen, welche –sprichwörtlich – dem Spieler die Hand halten, vom Anfang bis zum Ende.

Der Spieler hat ebenfalls die freie Wahl, seine Spielfigur zu gestalten: Ob schwergepanzerter Krieger, agiler Speerkämpfer, Magier oder eine Hybridklasse, dem Spieler stehen alle Möglichkeiten offen. Besiegte Gegner hinterlassen Seelen. Diese dienen als Währung in Lordran und können außerdem an Lagerfeuern (den einzigen Orten, wo der Spieler nicht mit tödlichen Überraschungen rechnen muss) genutzt werden, um sich selbst zu verbessern. Mehr Lebensenergie, Ausdauer, höherer Schaden, die Figur kann beliebig aufgebaut werden.

Doch wehe der Spieler stirbt, während er unverbrauchte Seelen mit sich rumträgt (und das wird vorkommen). Er verliert alles und erwacht an seinem letzten Lagerfeuer. Am Ort seines letzten Ablebens kann er seine verlorenen Seelen wieder aufsammeln. Doch wenn er zuvor nochmals stirbt (passiert öfter als einem lieb ist), sind diese für immer verloren.

Hat der Spieler das Abenteuer schließlich beendet, so beginnt es gleich wieder von vorne. Der Spieler behält alle seine Ausrüstungen und Fähigkeiten und die wird er auch brauchen, denn das Spiel ist im zweiten Durchlauf drastisch härter. Gegner halten fast doppelt so viel Schaden aus und schlagen viel stärker zu als vorher. Wieder muss der Spieler das Spiel neu erlernen, um erfolgreich zu sein. Bis zu sieben Mal kann sich der Schwierigkeitsgrad erhöhen, wenn der Spieler Darks Souls beendet.

Die ultimative Herausforderung jedoch findet jeder Spieler im Onlinemodus: Alleine oder in Gruppen kann man die „Welten“ anderer Spieler infiltrieren und sich mit diesen messen. Es ist möglich, dass an beliebigen Stellen im Abenteuer, feindliche Spieler auftauchen und einen herausfordern. Für Profis ist das eine willkommene Abwechslung. Für Einsteiger jedoch kann der Online-Modus schnell frustrierend werden. Zumal die Online-Community von Dark Souls nicht als durchgängig freundlich gilt. Neben normalen Spielern, treiben sich auch massig Cheater, Trolle und Ganker (töten bevorzugt ahnungslose Anfänger) herum.

Fazit: Wer sich von einer steilen Lernkurve und einem harten Schwierigkeitsgrad nicht abschrecken lässt, der lernt ein ganz besonderes Spiel jenseits des Mainstreams kennen. Aber Achtung: Es besteht höchste Suchgefahr! Wer einmal drin ist, kann seine Freizeit auf längere Sicht vergessen.

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