Claire Fontaine: Papier und Kunst

Viele halten sie für eine einzelne Künstlerin, auch weil sich Claire Fontaine selber als „Readymade-Künstlerin“ zu bezeichnen pflegt. Doch es ist eine fiktive Identität, denn tatsächlich verbirgt sich hinter dem Namen ein Kollektiv aus zwei Künstlern, James Thornhill und Fulvia Carnevale, die in Paris leben und sich selbst als Assistenten von Claire Fontaine bezeichnen. Für sie ist Claire Fontaine „der Name eines geteilten Raums der Kollaboration, in der jeder Assistent ist und keiner Chef“.

Claire Fontaine ist eine politische Künsterin

Ihre Arbeiten erscheinen oft wie aktuelle Kommentare, doch das Konzept dahinter ist weit vielschichtiger. Ihr grundlegendes Thema ist die kreative Auseinandersetzung mit allgegenwärtiger, politischer Ohnmacht in einer Welt, in der letztlich alles dem „Markt“ unterworfen ist und es keine echte Individualität mehr gibt. Auch künstlerische Produktion ist letztlich Bestandteil des Marktes, ein Thema, das Claire Fontaine selber auch aufgenommen hat und bearbeitet. 

Formal ist das Werk eine Version neo-konzeptioneller Kunst, die häufig den Stil anderer Künstler oder auch die Mechanismen der Werbung aufnimmt, um die eigene Aussage, oft ironisch, zu transportieren. Auf sehr vielseitige Weise nutzt sie Neon, Video, Skulptur, Malerei und Text als Ausdrucksmittel.

Eine ihrer bekanntesten Arbeiten ist die Neon-Installation „Strike“.  Die Konstruktion besteht aus dem aus Neonröhren geformten Wort „strike“ in der Schrift „k-font“, eine Hommage an den Helden K. aus Kafkas Roman „Das Schloss“. Das mehrfarbige Flackern der Neonlichter gemahnt an die labyrinthischen Flure und Räume institutioneller Bürokratie, die Kafka im Roman beschreibt. Die Installation selbst ist an einen Bewegungsmelder gekoppelt: die Lichter leuchten nur, wenn im Raum keine Bewegung vorhanden ist. Sobald ein Besucher den Raum betritt, erlöschen die Lichter. In einer Ausstellung der Tate Gallery 2007 war die Installation daher so in einem Fenster plaziert, dass sie z. B. aus den umliegenden Büros gut sichtbar war. Doch um die Installation auch aus der Nähe aktiv zu halten, muss man in völlige Bewegungslosigkeit verfallen, also „streiken“.

Ein gutes Beispiel für den subversiven Witz, der in vielen Arbeiten von Claire Fontaine aufscheint. Es lohnt sich, sich näher mit dieser, ja, spielen wir das Spiel von James Thornhill und Fulvia Carnevale mit und nennen wir sie ruhig Künstlerin, zu befassen und der Realität um uns herum und ihren Hintergründen neu und anders zu begegnen.
[youtube Dmb2Zv3P6Qk]

Eine Meinung

  1. Wunderschöne Arbeiten und eine unglaublich interessante Gruppierung. Sollte man definitiv gesehen haben.

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