Busenstreit in Düsseldorf

Manche Patienten glauben, dass Schönheitschirurgen Zauberkünstler sind. Anders ist die folgende wahre Geschichte kaum zu erklären. Eine 40-jährige Patientin, die an sich mit ihrer Oberweite (Körbchengröße C) zufrieden war, suchte einen Chirurgen auf und verlangte nach Straffung und Optimierung ihrer Brüste. Gesagt – getan. Der Facharzt ging ans Werk und lieferte eine Arbeit ab, die nach Auffassung eines Gutachters medizinisch einwandfrei ist. Doch die Patientin zeigte sich entsetzt. Der Grund: Als sie aus der Narkose erwachte, sah sie sich mit Körbchengröße D und zwei Implantaten à 300 Milliliter konfrontiert. Zuerst gab sie sich mit der Aussage des Operateurs zufrieden, der erklärte, der vermeintliche Wunschbusen würde noch etwas kleiner werden, nachdem er abgeschwollen sei. Die Patientin war erleichterte. Schließlich hat sie ja alles richtig gemacht. Als "Vorbereitung" auf das Beratungsgespräch hatte sie ja Fotos verschiedener Nacktmodelle mitgebracht. Nun erwartete sie, dass der Chirurg das Gezeigte 1:1 umsetzt. Doch die Körbchengröße D blieb. Und was zu viel ist, ist zu viel. Die erzürnte Patientin ließ sich die Implantate wieder herausnehmen und verklagte ihren Brustoptimierer. Sie will über 12000 Euro Schmerzensgeld und Schadenersatz. Nun beschäftigt sich das Düsseldorfer Landgericht mit dem "Busenstreit". Am 21. Juni wird entschieden. Der Ausgang ist ungewiss, da der Operateur ja wie gesagt sauber gearbeitet hat. OP gelungen, Arzt dennoch vor Gericht! Was ist schief gegangen? Gab es Interpretations- oder Kommunikationsprobleme? Ganz offensichtlich. Wer hätte was besser machen können? Beide Seiten, meine ich.

Ist es nicht etwas naiv, mit Fotos von Wunschbusen, Wunschnasen, Wunschgesichtern usw. anzukommen und zu erwarten, dass der Chirurg alles chirurgisch kopiert? Auf der anderen Seite sollte auch der Operateur klar sagen, was machbar bzw. realistisch ist. Ein guter Chirurg sollte auch individuell beraten. Wer eine Prominase haben möchte, der muss eventuell erfahren, dass diese gar nicht zum Typ passt oder die Person so verändert, dass die eigene Mutter sie nicht mehr erkennt. Das ist bzw. sollte eigentlich nicht Ziel der modernen plastisch-ästhetischen Chirurgie sein: Stupsnasen und Pamela Anderson-Brüste oder Kinngrübchen für alle? Bitte nicht. Wo bleibt da die Individualität? Beide Seiten, Patienten wie auch Fachärzte, sollten Verantwortung und Mut zur Offenheit zeigen. Es ist auch wichtig, so lange nachfragen, bis auch das kleinsten Detail geklärt ist. Und selbst bei einer optimalen Kommunikation ist nicht auszuschließen, dass etwas schief geht. Die Medien erwecken manchmal den Eindruck, dass die Schönheitschirurgie wie eine Maßschneiderei funktioniert. Doch das ist nicht der Fall. Der Mensch ist kein Anzug, den man einfach mal schnell ausbessert. Vielleicht liegt die Problematik auch viel tiefer. Der Mensch hat sich die Welt untertan gemacht. Nun will er auch zum Designer seines neuen Ichs werden. Für immer mehr Zeitgenossen scheint es selbstverständlich zu sein, sich das wegschnippen zu lassen, was einem nicht gefällt.  Doch so verlieren wir unsere Unverwechselbarkeit und degradieren die Ärzteschaft zu Erfüllungsgehilfen unserer ästhetischen Visionen bzw. unseres Lifestyles. Insgesamt würde ich sagen: Nicht alles, was heute machbar ist, ist auch wünschenswert bzw. erstrebenswert. Das gilt auch für den Bereich Schönheitschirurgie.

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