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    Start » Bundesverfassungsgericht: Die 10 aufsehenerregendsten Entscheidungen
    Recht & Gesetz

    Bundesverfassungsgericht: Die 10 aufsehenerregendsten Entscheidungen

    15. November 20114 Minuten Lesezeit

    Eigentlich sind alle Urteile des Bundesverfassungsgerichts es wert, einmal gelesen zu werden, aber es gibt einige, die die gesellschaftliche und politische Landschaft in Deutschland geprägt oder sogar verändert haben. Davon gibt es natürlich auch mehr als zehn. Aber die hier vorgestellten zehn sind aus den unterschiedlichen Gründen aus Sicht des Autors besonders beachtenswert.

    Bundesverfassungsgericht: Die bekanntesten 10 Urteile

    1

    Kruzifix-Urteil

    16. Mai 1995:
    In seinem „Kruzifix-Urteil“ entscheidet das Bundesverfassungsgericht, dass es gegen die Religionsfreiheit verstößt, wenn der Staat die Anbringung eines „Kruzifixes“ in den Klassenzimmern von staatlichen Schulen anordnet. 
    Im Kopftuch-Urteil aus dem Jahr 2003 hingegen lässt das Gericht die Frage offen, ob das Tragen eines Kopftuchs im Unterricht verboten ist und weist die Gesetzgeber der Länder an, hierzu Regelungen zu treffen.

    2

    Homo-Ehe

    17. Juli 2002:
    Wenn man bedenkt, dass Homosexualität noch sehr lange auch in Deutschland verboten war und Sex zwischen Männern ab 18 erst seit 1969 „erlaubt“ ist, ist es schon bemerkenswert, wenn im Jahr 2002 festgestellt wird, dass die sogenannte „Homo-Ehe“ verfassungskonform ist. Das Bundesverfassungsgericht legalisierte damit die eheähnliche Verbindung Homosexueller.

    3

    Hartz IV

    9. Februar 2010:
    Das Verfassungsgericht geht mit diesem Urteil ganz neue Wege. Erklärt es doch erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik, dass es ein „Grundrecht auf Gewährleistung eines menschenwürdiges Existenzminimums“ gibt. Was daraus wurde, ist nicht so wirklich bahnbrechend, weil ehrliche Hartz-IV-Empfänger zum Teil weiterhin unter menschenunwürdigen Bedingungen leben.

    4

    Abtreibung

    25. Februar 1975:
    Die sogenannte „Fristenregelung“ wird für verfassungswidrig erklärt. Eine Abtreibung bis zur zwölften Schwangerschaftswoche sollte straffrei sein. Das passte den Richtern nicht. Sie kippten diese Regelung. 1993 ändert das Bundesverfassungsgericht seine Rechtsprechung. Seither ist ein Schwangerschaftsabbruch bis zur zwölften Woche nicht mehr strafbar, allerdings muss immer ein Beratungsschein vorgelegt werden.

    5

    Josephine Mutzenbacher

    27. November 1990:
    „Ein pornographischer Roman kann Kunst im Sinne von Art. 5 Abs. 3 Satz 1 GG sein“, so erklärte es das Verfassungsgericht in seinem Leitsatz. Der Roman, der vom Leben der Wiener Prostituierten Josephine erzählt, war zuvor auf die Liste jugendgefährdender Schriften gesetzt worden. 

    6

    Soldaten sind Mörder

    10. Oktober 1995:
    Das Gericht entscheidet zum wiederholten Male, dass das Zitat „Soldaten sind Mörder“ vom Recht auf freie Meinungsäußerung gedeckt ist. Dieses Zitat von Kurt Tucholsky hat das Gericht mehr als einmal beschäftigt. Spannend waren hier besonders die sogenannten Frankfurter Soldatenurteile. Alles begann damit, dass ein ehemaliger Sanitätsoffiziersanwärter einem Jugendoffizier in einer Diskussion zugerufen hat: „Jeder Soldat ist ein potentieller Mörder – auch Sie… In der Bundeswehr gibt es einen Drill zum Morden.“

    7

    Volkszählung

    15. Dezember 1983:
    Wer dabei war, erinnert sich noch genau. Die Idee einer Volkszählung spaltete die Nation. Das Verfassungsgericht erklärte in seinem Volkszählungsurteil erstmals das „Grundrecht auf informationelle Selbstbestimmung“ als Grundlage des modernen Datenschutzrechts.

    8

    Schächten

    15. Januar 2002:
    Das Gericht musste sich mit der Frage befassen, ob ein muslimischer Metzger eine Ausnahmegenehmigung nach dem Tierschutzgesetz erhalten muss, damit er nach den für ihn geltenden Speisegesetzen Tiere weiter schächten, also ohne Betäubung töten kann. Das Bundesverwaltungsgericht hatte diesen Anspruch zunächst verneint. Das Verfassungsgericht erklärte jedoch, dass das Tierschutzgesetz auch andere Ausnahmen zulässt und verwies unter anderem darauf, dass auch Jäger Tiere ohne Betäubung töten. Für den muslimischen Metzger bedeutete das, dass er weiter schächten darf.

    9

    Kind als Schaden

    12. November 1997:
    Ein Arzt wurde nach einer missglücken Sterilisation zum Unterhalt für das im Nachgang entstandene, ungewollte Kind verurteilt. Der Arzt wehrte sich hiergegen erfolglos. Das Gericht erklärte hierzu u.a., dass die Feststellung eines eingetretenen finanziellen Schadens durch die Geburt eines Kindes keine Kommerzialisierung darstelle, die dem Kind seinen Eigenwert entzieht.

    10

    Sicherungsverwahrung

    04. Mai 2011:
    Das Bundesverfassungsgericht hat die gesetzlichen Regelungen zur Sicherungsverwahrung für verfassungswidrig erklärt. Bezüglich der „Altfälle“ wird es für die Vollstreckungsgericht damit eng. Nur wenn eine akute und große Gefahr ganz konkret von einer Person ausgeht, darf die Sicherungsverwahrung noch angeordnet werden, ansonsten muss die Freilassung der Sicherungsverwahrten spätestens zum 31. Dezember 2011 angeordnet werden.

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