British Sea Power im Interview: ‚Valhalla Dancehall‘ im Badezimmer

Müde sind sie, Yan (Gitarre und Gesang) und Hamilton (Gesang und Bass) von British Sea Power, zusammen mit dem Rest der Band sind sie über 6 Stunden quer durch Deutschland gefahren, beim Gig wäre die Müdigkeit wieder passé, danach würden sie aber sicher in die Betten fallen (als ob).

British Sea Power im Interview

Während wir es uns im hinteren Bereich des Magnets einigermaßen bequem machen, aber vor allem nach einem ruhigen Plätzchen suchen, berichte ich von den angeblichen Beweisen für die Existenz des Yeti, um das Eis zu brechen und der Plan geht auf, als das Aufnahmegerät endlich angeschaltet wird, sind beide sehr gesprächig und auch wenn ich vielerorts gehört und gelesen habe, dass man den Interviewantworten von British Sea Power nur ungefähr trauen kann, rede ich mir optimistisch ein, dass man mich nicht an der Nase herum führt.

Valhalla Dancehall auf's Radio getrimmt

Für das aktuelle Album hat die Band sich für 18 Monate in ein altes Haus eingemietet und dort teilweise alleine (in Yans Fall) gelebt und Songs geschrieben, teilweise zusammen aufgenommen. Das Resultat sind oftmals sehr große, lange Songmonster, die es auf einige EPs schafften, aber für das Album auch die Schere fürchten mussten, um Radio-tauglicher gemacht zu werden.

Yan: Sobald wir uns dazu entschieden haben, war es nicht so schwer, wir wollten es etwas hörbarer machen, weil die Musik doch sehr anstrengend war und auch nicht auf eine CD gepasst hätte. Manchmal schneidet man sie einfach in der Mitte durch und irgendwie funktioniert es, meine Songs waren sicher auch einfacher, weil sie eher aus Abschnitten bestanden, während Hamiltons eher wachsen, so dass es schwieriger ist, zu sagen, wo ein Stück aufhört und wo es beginnt.

Hamilton: Ich hab eher ein paar Pfund abgehobelt und ich hab auch ein paar der längeren Songs auf das Album gekriegt.
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Das Haus in der Mitte vom Nirgendwo

Isolation und Natur, Yan – der über längere Zeit vollkommen alleine auf der Farm lebte – vertrieb sich die Einsamkeit mit Selbstgesprächen und Konversationen mit den tierischen Mitbewohnern (die laut Yan glücklicherweise nicht antworteten). Aus dieser entspannten Atmosphäre entstanden auch ungewöhnliche Soundbites, von Vögeln bis zu Sägen findet man das ein oder andere Detail auf dem Album versteckt.

Hamilton: Abi hat die Säge gespielt, Abi hat auch Töpfe und Pfannen auf einem der Songs abgewaschen. Wenn du die alltäglichen Dinge machst, zum Beispiel den Abwasch, denkst du „hey, das klingt gut“, dann hebst du dir die Idee auf und ein paar Wochen später probierst du es aus. Die Welt ist voller schöner Geräusche, nicht alle kommen von Instrumenten.

Yan: Es hängt sicher auch damit zusammen, dass wir nicht im Studio waren, wenn du dort bist und in den isolierten Räumen stehst, gibt es keine Geräusche außer die, die du selbst fabrizierst und wir haben einfach in der Küche oder im Garten aufgenommen, oder im Badezimmer und so kriegst du alle möglichen Geräusche und Sounds (lacht), vor allem in den Badezimmern.

J: Hat jeder in das Badezimmer rein gepasst?

Yan: Wir haben nicht immer zusammen aufgenommen, manchmal war es auch nur eine Person alleine.

J: War das spontan oder hattet ihr bereits Songs und habt überlegt, ob ihr sie dann einfach im Badezimmer aufnehmt?

Yan: Ich glaube, die meisten Songs sind am Ende Multi-Zimmer Ergebnisse geworden, du hast einfach an einem Ort gearbeitet und wenn du davon gelangweilt warst, bist du woanders hingegangen. Oder jemand hat zu viel Lärm gemacht. Es ist ein sehr großes Haus, einmal kam ich von einer Fahrradtour zurück und fünf verschiedene Leute haben musiziert, Graham war oben am Mixen, Neil war im Schuppen, Martin hat unten aufgenommen, Phil hat in der Ecke gespielt, wahrscheinlich haben wir deshalb so viele Schichten auf dem Album.
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Von der Farm auf die Bühne

Am Ende war das Haus eine Art Segen für „Valhalla Dancehall“, denn der Mangel an Zeitdruck, die Natur, bzw. Ruhe und vielleicht auch die fehlende Beeinflussung von Produzenten und Mixern sorgte dafür, dass im Schneideraum lange Zeit Soundschicht für Soundschicht aufeinander gelegt werden musste, dafür aber ein ungemein organisches Album entstanden ist, dass nicht selten die Naturklänge in großartigen Rockgewändern, auch die Weite der Umgebung in sich trägt und in Wellen durch die Lautsprecher schickt. Wie man so etwas auf die Bühne uminterpretiert, erscheint da mehr als kompliziert.

Yan: Es war gar nicht so schwer, ich glaube sogar, dass viele Sachen besser klingen. Man findet einfach einen Weg, dass ein Instrument vier verschiedene Klänge vereinen kann, dann merkt man auch, dass es eine weitere Variante ist, wie man es hätte machen können. Wir versuchen nicht, jedes Detail zu arrangieren, sondern einfach gute Musik zu machen.

Hamilton: Jede Venue hat ihren eigenen Sound und die eigene Atmosphäre und daraus muss man das beste machen und nicht versuchen, Skye (Isle of Skye, wo Hamilton lebt und viele der Songs geschrieben hat) nach Berlin zu bringen, sondern einfach mit dieser Atmosphäre zu arbeiten.

Yan: Man erlebt viele Orte, die schlecht klingen. Viele Leute arbeiten hart daran, dass ein Club schick aussieht, aber wenige arbeiten daran, dass er gut klingt, das ist wirklich merkwürdig. Stonehenge soll sehr gut klingen, sie haben es neulich getestet, bzw. es in einer Simulation mit Computern nachgestellt, wie es damals wohl geklungen hat, wenn sie das gemacht haben, was sie da halt gemacht haben. Ich fand, es klang wie eine psychedelische Waschmaschine…

Viele Schichten, viele Sounds, ob nun eine kleine Garagenummer mit „Thin Black Sail“, die radiofreundliche Singleauskoppelung „Living is so easy“, das epische „Once more now“ oder das stürmische „Who's in Control“, „Dancehall Valhalla“ ist trotz Editing ein sperriges Stück Rockmusik, das sich sehr schnell in die Dauerrotation schleicht, weil man sich immer wieder an ihm reiben kann, nie müde wird und immer erfasst wird, von diesen unglaublich großzügigen Rockhymnen.

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Eine Meinung

  1. Ich habe das Lied gehört, gefällt mir sehr gut. Guter Sound.

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