Nein, macht es mich nicht. Auch wenn sich das hart anhören sollte. Ich kann die Krankheit meiner Mutter verstehen. Ich freue mich, dass sie mich noch erkennt. Wenn ich sie besuche, freut sie sich, wir unterhalten uns, wobei ich die Unterhaltung führe. Ich versuche immer ( wie auch schon geschrieben ) keine Fragen zu stellen. Hast du?, warst du? usw. Diese Fragen bringen nur Unmut bei meiner Mutter, denn sie kann sie nicht beantworten.
Sie kann gerade beim essen gewesen sein und ich weiss es, dass sie essen war. Wenn ich jetzt fragen würde, na, hat das essen geschmeckt? Sagt sie: ich gehe doch hier nicht essen. Aber Mama, du bist schon 2 jahre hier und hast noch nie gegessen? Ach nein, das kann ja auch nicht sein sagt sie dann nach einer Überlegungspause.
Ich erzähle meistens von mir und meiner Arbeit. Oder ich nehme meinen Hund mit und besuche sie. Das ist immer eine tolle Sache. Es dreht sich dann alles um den Hund. Sie streichelt ihn und das ist sowieso etwas ganz schönes. Meine Mutter hatte in ihrer Kindheit immer Tiere und das überträgt sich auch. Sie liebt meinen Hund.
Am Sonntag hatte meiner Mutter gegen abend die grauen Stunden. Ich rief an und sie sagte gleich ganz aufgeregt: ich soll mir meinen Schlafanzug anziehen. Ja schlafe ich denn hier überhaupt?
Früher wäre ich auf der Stelle ins Heim zu ihr gefahren. Heute sage ich: Mama natürlich schläfst du da. Mache dir keine Gedanken. Du musst doch nicht traurig sein. Es ist alles richtig, du schläfst dort.
Am anderen Tag war alles wieder blau und in Ordnung. Natürlich spreche ich sie nicht mehr auf das gestrige an. Das ist klar.
Es hatte aber glaube ich einen Grund. Es war eine andere Person da, die sie für die Nacht fertig gemacht hat, als die Person, die sie kennt. Sicherlich war sie dadurch auch verunsichert.
Ich kann nur raten: lernen Sie die Krankheit zu verstehen. Es fällt für Sie leichter. Und mit diesen Gedanken tue ich meiner Mutter doch nicht weh. Und soll ich nur traurig sein? NEIN !!
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