Bein zu verkaufen

Initiator der nur bis Weihnachten geöffneten Ausstellung ist Banksy, ein geheimnisumwitterter Graffitikünstler, der unsichtbar bleibt. Als eine Mischung zwischen Ausstellung, Verkaufsshop für Drucke/Poster etc. und Kunsthappening gibt es Santa's Ghetto schon seit fünf Jahren und wird von dem Kollektiv Pictures on Walls organisiert.

Seit der Eröffnung in der Oxford Street (nebenbei: die schlimmste Strasse London und normalerweise immer und unter allen Umständen zu vermeiden) vor zwölf Tagen läuft das Geschäft blendend und es ist von Umsatzzahlen um die 300,000 Pfund die Rede. Schöne Ironie, denn Santa's Ghetto kritisiert die Kommerzialisierung des Weihnachtsfest und den blanken Konsumwahn und kann sich jetzt – anders als viele der grossen Einzelhändler auf der Oxford Street, die bisher ein schlechtes Weihnachtsgeschäft beklagen – nicht über schleppende Verkäufe beschweren.

Der Laden weckte bei mir beim Eintreten spontan Assoziationen an den Oberstufenraum meiner Schule: dreckig, dunkel, alte Sofas, Gekritzel an der Wand. You get the picture. (Und vielleicht waren auch deswegen so viele Schüler und Kunststudententypen drin.) Zu den auffälligsten Ausstellungsstücken gehört ein Banksy Bild, dass Hänsel und Gretel vor dem Hexenhäuschen zeigt. Die Rolle der Hexe nimmt dabei Michael Jackson ein …. Oder eine "Vend a limb machine" (von Emma Heron): Sieht aus wie eine stinknormale Süssigkeitenmachine vor der ein Junge mit Krücken und nur einem Bein steht, allerdings werden statt Schokolade Kinder– und Erwachsenenbeine verkauft ("Adult leg: 99.99, Child leg: 69.99), akzeptiert werden "NHS Voucher and Credit Cards".

Und so gibt es viele weitere herzerwärmende Dinge zu sehen, sehr erfrischend, das Ganze. Genauso wie die Beschreibung der ausstellenden und verkaufenden Künstler: "Mark Jenkins – Washington based king of invasive-street-art situationism (you might call it littering)" Oder: "Ericailcane (eric the dog) – Italian maestro of anything weird you can draw with a ballpoint pen" Geht doch nichts über eine gesunde Portion Sich-Selbst-einfach-nicht-so-ernst-nehmen.

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