Amy Winehouse: Ihr Tod und ihr Vermächtnis

Man schwankt zwischen Unglaube und einem gewissen Sarkasmus, wenn man über den Tod von Amy Winehouse nachdenkt. Sie, eine der größten Sängerinnen der vergangenen Jahre, mit dieser Stimme, die berührte, die so anders war und sie unter all den vielen Künstlerinnen unvergleichbar herausragen ließ. Diese einzigartige Interpretin soll nun also tot sein?

Auf der anderen Seite schwingt bei vielen Reaktionen auch ein gewisses „eigentlich war es ja abzusehen“-Gefühl mit, denn seit Jahren war klar, dass Amy Winehouse ein Alkohol- und Drogenproblem hat.

Geplatzte Termine, abgebrochene Konzerte, peinliche Auftritte – ihre Suchtprobleme waren für jedermann klar erkennbar, und wurden doch nicht rechtzeitig behandelt, denn obwohl „they tried to make [her] go to rehab“, war alles was Amy sagte leider nur ein klares „no, no, no.“

Amy Winehouse Frühe Erfolge und Abstürze

Die in London Aufgewachsene fiel früh auf, bereits im zarten Alter von acht Jahren bekam sie einen Platz in einer renommierten Theaterschule – und flog mit 16 wieder, da sie nicht nach den Regeln spielte. Ein Sinnbild für eine von allen Außenstehenden als äußerst talentiert Wahrgenommene, die sich nicht an Vorgaben oder Konventionen halten konnte. Nachdem ein Kassettentape von einer Freundin Amy's an eine der großen Plattenfirmen geschickt wurde, ging alles schnell: Mega-Plattendeal, Super-Manager Simon Fuller, das erste Album „Frank“ im Jahr 2003 – mit gerade einmal 20 Jahren schaffte Winehouse ein gelungenes Erstlingswerk, das eher noch jazzig und poppig war, jedoch viele Musik-Kritiker bereits restlos überzeugte und in Großbritannien bereits Dreifach-Platin abstaubte.

„Back to Black“ – an die Spitze und zurück

Als Amy Winehouse ihr zweites Album „Back to Black“ im Jahre 2006 veröffentlichte, war dies der Beginn des Weltruhms. Nachdem sie sich zuvor von ihrem späteren Ehemann Blake Fielder-Civil getrennt hatte, schrieb sie ein tieftrauriges, von persönlichem Trennungsschmerz durchzogenes Album, das zu den ganz großen Werken der jüngeren Musikgeschichte gezählt werden muss. Mark Ronsons geniale Soul-Abstimmung verhalf den therapeutisch wirkenden Songs zum Welterfolg. 2008 erreichte das Album auch in Deutschland die Spitzenposition, hielt sich über ein Jahr in den Charts und doch war die Zeit ihres größten musikalischen Erfolges zugleich auch Beginn des persönlichen Abstiegs der Sängerin. Ihre von Eskapaden und Räuschen geprägten öffentlichen Auftritte nahmen zu, je erfolgreicher sie wurde, desto tiefer stürzte sie im Privaten. Die Ehe zu Fielder-Civil war Spiegelbild eines zerrütteten Lebens, das zusehends mehr und mehr von Rausch, Sucht und Abhängigkeit geprägt war. Obwohl Winehouse noch 2008 fünf Grammys gewann, ihr Album über zwei Jahre hinweg die meistgekaufteste Platte der Welt darstellte und sie für ihre einmalig soulige Stimme von Lobpreisungen überhäuft wurde, war ihr Lebensstil erschreckend: Fotos einer abgemagerten und zumeist torkelnden jungen Frau sorgten für Besorgnis – bestärkt noch durch diverse Zusammenbrüche, Konzert-Absagen und Krankenhausaufenthalte. Sogar die große Ehre, den Titelsong für den Bond-Film „Ein Quantum Trost“ zu singen, konnte Amy Winehouse aufgrund von – offizielle Begründung – „Erschöpfung“ nicht wahrnehmen. Ihre Alkohol- und Drogeneskapaden nahmen zu, und rückten ihre musikalischen Erfolge langsam in den Schatten. Viel Neues kam nicht mehr seit dem Album, und genau das ist die traurigste Erkenntnis ihres von Süchten geprägten Lebenswandels.

Erweiterung des Club 27

Trotz ihres über Jahre hinweg nur von Skandalen und betrunkenen Auftritten geprägten Lebenstils, kam es doch wie ein Schock, als am Samstag Morgen die Londoner Polizei eine Frauenleiche aus dem Haus der Sängerin transportierte, und später die offizielle Bestätigung vom Tod der erst 27-jährigen kam. Damit reiht sich Winehouse auf tragische Weise als neuestes Mitglied in genau jenen Club der Legenden ein, die unter anderem Kurt Cobain, Jimi Hendrix und Janis Choplin umfasst. Musik-Legenden, die alle bereits im Alter von 27 Jahren zu Tode kamen oder sich bewusst dafür entschieden. Die genaue Todesursache im Fall Winehouse ist noch nicht bekannt, die Spekulationen reichen von einem tödlichen Cocktail aus Alkohol und Drogen bis hin zu krampfartigen Anfällen, unter denen die Sängerin gelitten haben soll, in diesem Fall mit Todesfolge. Ein offizieller Autopsiebericht ist noch nicht veröffentlicht.

Mediale Ausschlachtung und journalistische Verantwortung?

Die Frage bleibt, ob der Tod des Ausnahmetalents verhindert hätte werden können. Die von jedem Klatschmagazin, Boulevard-Blatt und Blogging-Portal zur Schau gestellte, offensichtliche Abhängigkeit der Sängerin war allgegenwärtig. Jeder Skandalauftritt der erschreckend dünnen und teilweise nicht mehr allein Stehenkönnenden wurde detailgenau abgedruckt und ausgeleuchtet. Gleichzeitig drängte die Musikindustrie zur Veröffentlichung einer neuen Platte, gönnte der Sängerin wohl kaum eine Auszeit, wollte die gewinnbringende Maschinerie am Laufen halten. Auch aus der Familie gab es mehr Exklusivinterviews und Radio-Deals, als helfende Hände: Sogar ihre Mutter äußerste sich über den plötzlichen Tod ihrer Tochter zwar betroffen, gab jedoch zu, dass es sich nur um eine Frage der Zeit gehandelt hätte. Bestürzende Worte, und so muss man sich fragen, ob ein so offensichtlich zum Scheitern verurteiltes Leben nicht hätte gerettet werden können – notfalls in Britney-Spears-Manier mit Entmündigung und Einweisung in die so vielbesungene Rehab. Doch bei allen Vorwürfen, die nun gegen jeden und alle entstehen werden, so muss man doch sagen, dass das Opfer auch Hilfe annehmen will – und Winehouse wollte das wohl verdammt noch mal nicht: „No, no, no“.

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