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    Start » Ärzteprotest und Klinikstreik – Zwei-Klassen-Medizin ist in Deutschland für Ärzte und Patienten längst Realität.
    Besser Leben

    Ärzteprotest und Klinikstreik – Zwei-Klassen-Medizin ist in Deutschland für Ärzte und Patienten längst Realität.

    24. Mai 20063 Minuten Lesezeit

    In den nun seit mehreren Wochen bestreikten Kliniken wird offenbar ein besonderer Maßstab bei der Beurteilung des medizinisch Notwendigen angelegt. Der prozentuale Anteil der operierten Privatpatienten steigt an. Stellt sich die Frage: Sind Privatversicherte besonders krank? Nein, deutsche Privatpatienten sind bloß äußerst lukrativ. Sie zahlen das 2,3-fache von Kassenpatienten für persönlich erbrachte Leistungen und das 1,8-fache für technische Leistungen.

    Wie das ARD-Magazin Monitor herausfand
    [Sind Kassenpatienten keine Notfälle?….], wird durchaus mal eine Nasenkorrektur zum unaufschiebbaren Notfall. Da muss der Kassenpatient halt auf seine Herz-Operation warten, schließlich will die Klinik ihre streikbedingten Einnahmeausfälle  kompensieren.

    Schon vor dem Ärzteprotest war die Zwei-Klassen-Medizin in Deutschland eine praktizierte Realität. Klassenunterschiede gibt es aber nicht nur unter den Patienten, sondern auch unter ihren Ärzten. Die Ursache dieser Ungleichheit liegt in einer Besonderheit unseres Abrechnungssystems. Die gleiche ärztliche Handreichung wird unterschiedlich hoch vergütet – ein Verfahren das Ungleichbehandlung provoziert.



    Ärzte und Patienten werden durch diese Absonderlichkeit ungerecht behandelt. In strukturschwachen Gebieten mit niedrigem Privatversichertenanteil haben die niedergelassenen Ärzte deutlich geringere Einkommen als in Städten wie Köln oder München. Die Debatte um zu hohe Arzteinkommen ist also viel differenzierter zu führen, als dies aktuell geschieht. Saar Echo: Lauterbach nennt Einkommen im internationalen Vergleich hoch. [Weiter…..] 

    Hierzu ein Bespiel aus Brandenburg:



    „Frau Dr. XXX hat eine sehr gut gehende Kassenarztpraxis mit etwa 1600 Scheinen im Quartal (bundesdeutscher Durchschnitt für ihre Fachgruppe sind 950 Scheine) und vier Monate Wartezeit auf einen Termin. Der Privatpatientenanteil liegt in dieser Gegend mit vielen Rentnern und real über 40 Prozent Arbeitslosen (offiziell 20 Prozent Arbeitslose) unter einem Prozent, ist also nicht der Rede wert.
    Von diesen 1600 Patienten, von denen natürlich einige mehrfach im Quartal kommen, bekommt sie etwa ein Drittel so gut wie überhaupt nicht bezahlt, beim Rest erbringt sie zu viele Leistungen.
     
    Ihre reine Sprechstundenzeit  beträgt über 30 Stunden in der Woche, hinzu kommen die Überstunden und die durchgearbeiteten Mittagspausen, von den netten Anfragen der Kassen, MDK, Sozialämtern etc. ganz zu schweigen.
     
    Sie hat noch zwei bis drei Arzthelferinnen (je nachdem, wie viele gerade schwanger sind) und eine gute technische Ausstattung. Im Endergebnis kommen zwischen 1500 und 2000 Euro netto im Monat heraus.“

     
    Tatsächlich wird es immer schwieriger, in ökonomisch unattraktiven Gebieten eine angemessene Versorgung der Bevölkerung sicherzustellen, da ohne die ertragsstarken Privatpatienten eine Praxis kaum noch zu finanzieren ist.

    Abseits aller Debatten über die Finanzierungsgrundlagen des Gesundheitssystems, die Entgelte der Krankenhausärzte und die explodierenden Arzneimittelkosten sollte diese Schieflage beseitigt werden.
     
    Ein erster Schritt könnte es sein, wenn die Höhe der Bezahlung einer identischen Dienstleistung von der Form der Krankenversicherung unabhängig wird. Wenn dann der Gesamtpunktwert um die eingesparten Mehrkosten der privat abgerechneten Leistungen steigt, werden die Ärzte in sozialschwachen Regionen gerechter für ihre Leistungen bezahlt und die Gleichbehandlung aller Patienten wird auch aus wirtschaftlicher Perspektive möglich.
     
    Dieser Vorschlag richtet sich nicht gegen die Entscheidungsfreiheit zur privaten Krankenversicherung. Da wir in absehbarer Zukunft nur noch eine medizinische Grundversorgung durch die gesetzlichen Krankenversicherungen gewährleisten können, muss es jedem Bürger selbst überlassen bleiben ob, wo und wie er sich versichern will.



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