Abergläubig oder abergläubisch?

„Ach, abergläubig…?“ Der Pfarrer hob die Augenbrauen und straffte sich.
„Ich meine natürlich abergläubisch!“ sagte die Frau rasch, denn der Mann sah aus, als sei er unmittelbar davor, ihr eine flammende Predigt über den wahren Glauben zu halten.

„Diese Katzen bringen wirklich immer Unglück.“ murmelte sie, ohne dass er es hörte.
Sie dachte daran, dass sie im Grunde tatsächlich keine Ahnung hatte, wie das Wort richtig hieß.

Wer ist hier abergläubisch?

So wie dieser alten Dame geht es vielen.
Doch vielleicht hilft uns ja das Internet weiter?
Gibt man beide Schreibweisen in die Suchmaschine ein, finden sich für die Schreibweise „abergläubig“ rund 45.000 Treffer, für die Schreibweise „abergläubisch“ sind es etwa 83.000.
Die zweite Variante scheint also etwa doppelt so oft gebraucht zu werden wie die erste.
Wir wollen es genau wissen und schlagen außerdem im Rechtschreib-Duden nach.
Auch hier finden sich beide Schreibweisen; auch hier heißt es, dass die Variante «abergläubisch» die häufigere sei und das beide Varianten richtig sind.

Ein wenig verwunderlich ist das schon. Denn wenn ein Mensch zwar „gläubig“ sein kann, aber nicht „gläubisch„, dann sollte man doch meinen, dass eben auch niemand „abergläubisch“ sein kann – sondern allenfalls „abergläubig“. Man möchte doch meinen, dass die Sprache in solchen Dingen halbwegs logische Wege geht! Doch wer die deutsche Sprache auch nur ein wenig kennt, der weiß, dass eben auch dass nichts ist als… frommer Aberglaube. Doch es gibt eine Erklärung!

Warum -isch?

Das Wort Aberglaube ist schon seit dem 15. Jahrhundert im Gebrauch.
Die Vorsilbe „aber“ drückt nicht nur eine Art Verneinung aus, sondern nahm schon früh eine abschätzige Bedeutung an: Aberglaube ist also „falscher Glaube“. Auch beim Suffix -isch schwingt ein abschätziger Charakter mit. Auf diese Weise sollte vielleicht verstärkt auf die abschätzige Bedeutung des Wortes aufmerksam gemacht werden.

Doch da Glauben nun einmal Glaubenssache ist, ist es natürlich sehr häufig auch reine Glaubenssache, ob ein Aberglaube nun wirklich immer falsch sein muss … oder ob er vielleicht doch hier und da auch manchmal zutrifft. Aber dann wäre er ja kein Aberglaube mehr, oder?

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