Quo vadis Integration?

Das ist ein britisches Phänomen, wird sofort wieder einer einwenden, und hat nichts mit der Situation anderswo in der westlichen Welt zu tun. Die Frage ist erlaubt, ob man das wirklich so sicher sagen kann. Die Mörder des 11. September waren keine in den USA geborenen und aufgewachsenen „Mitbürger". Sie kamen allerdings zu maßgeblichen Teilen auch aus aufgeklärten westlich-demokratischen Ländern. Deutschlands unrühmliches Auftreten als „Rückzugs- und Ruheraum" für Terroristen sei, obwohl schmerzlich, hier ruhig noch einmal erwähnt.

Da in den USA ohnehin nur rund eine Million Muslime bei fast 300 Millionen Einwohnern lebt, ist das Gefahrenpotential dort schon aus rein quantitativen Erwägungen heraus als geringer einzuschätzen. In Deutschland leben rund 3,5 Millionen Muslime bei 80 Millionen Gesamtbevölkerung. Insgesamt beherbergt Deutschland nahezu 14 Millionen Menschen mit Migrationshintergrund. In Großbritannien werden etwa 1,5 Millionen Muslime bei einer Gesamtbevölkerung von 60 Millionen gezählt.

Der Unterschied zwischen den Muslimen in Deutschland und jenen in Großbritannien besteht im wesentlichen in deren Herkunft. So sind Muslime in Deutschland in ihrer überwiegenden Zahl türkischstämmig. Die Türkei indes zählt nicht zu den fundamental-islamischen Staaten. Selbst innerhalb der Türkei trifft radikales Gedankengut bislang auf relativ wenig fruchtbaren Boden. Muslime in Großbritannien sind dagegen bestimmend pakistanischer Herkunft. Pakistan ist durchaus als fundamentalistisch hinsichtlich der dominierenden religiösen Strömungen zu bezeichnen. Insoweit würde man also zunächst vermuten dürfen, dass von Menschen pakistanischer Herkunft eher die (gewalttätige) Unterstützung des Fundamentalismus zu erwarten ist, als von solchen türkischer Herkunft.

Ich halte dies jedoch für einen möglicherweise folgenschweren Trugschluss. Dies deshalb, weil die „britischen" Terroristen eben gerade nicht den Einfluss der Religion im Herkunftsland geltend machen können. Sie sind dort nicht aufgewachsen. Woher kommt also der religiöse Fanatismus?

Vieles spricht dafür, dass Integrationsverweigerung mit dem daraus folgenden Aufbau von Parallelgesellschaften ein wesentlicher Faktor ist. Muslime ziehen sich stärker als noch in den siebziger Jahren aus dem Miteinander zurück und verwandeln ganze Stadtteile optisch in zB türkisches Heimatland. Über kurz oder lang wohnen in diesen Stadtteilen keine Deutschen mehr. Deutsch als Sprache ist nicht erforderlich. Geschäfte und Gaststätten werden durch Ausländer betrieben. Es bilden sich faktisch ausländische Territorien auf fremdem Staatsgebiet.

In diesen Territorien nutzt man weidlich die Möglichkeiten der modernen Industrienationen, wie insbesondere das Internet. Und gerade über das Internet verbreiten sich radikale Strömungen besonders ungehemmt und ungefiltert. So kommt es, dass junge Muslime sich irgendwie vertrieben oder getrieben fühlen und ihren Zusammenhalt in einem Do-It-Yourself-Islam finden.

Do It Yourself insofern, als sich die jungen Muslime ihre eigene Interpretation der religiösen Grundlagen selber aus unterschiedlichen, zumeist aber radikalen Quellen, zusammenbauen. So erklärt sich auch, warum immer wieder gemäßigte Geistliche des Islam auf Fehldeutungen des Koran hinweisen müssen. Sehr wirkungsvoll sind solche Appelle in der Regel aber leider nicht.

Im Do-It-Yourself-Islam verzerren sich dann rasch Fakten, weil alles Interpretation sein muss, wenn schon die Grundlagen reine Interpretation sind. Wie soll dem begegnet werden? Zwei Punkte sind nach meiner Überzeugung wesentlich für den Fortbestand westlicher Demokratien in der Zukunft.

Zum einen müssen klarere, selektivere Regelungen für den Zuzug von Migranten geschaffen werden. Es macht keinen Sinn, beispielsweise das bisher schon vorhandene Überangebot gering-qualifizierter Arbeitskräfte durch ungehinderte Zuwanderung noch zu erweitern. In diesem Zusammenhang sei auch das Erfordernis konsequenter Abschiebung bei entsprechender Fakten- (im Sinne von Rechts)lage genannt.

Zum anderen muss es so frühzeitig wie möglich im deutschen Bildungswesen, derzeit also noch ab der Grundschule, Islamunterricht geben. Ich hielte es sogar für sinnvoll, wenn (deutschsprachiger) Islamunterricht nicht nur für die Muslime zwingend wäre, sondern ein normal integriertes Fach im regulären Stundenplan würde. Dies nicht so sehr unter dem Aspekt der Vermittlung religiöser Gläubigkeit, sondern eher Faktenorientiert. Auf diese Weise würde jungen und jüngsten Muslimen die Notwendigkeit genommen, sich ihren Koran selbst zu erschließen. Die Manipulierbarkeit durch radikale Haudrauf-Rhetoriker würde durch derartige Aufklärungsarbeit aller Voraussicht nach drastisch sinken.

Kann man so den Terror eindämmen? Ich weiß es nicht. Sicherlich kann man den personellen Nachschub für die Terroristengruppen etwas einbremsen. Bestimmt darf man hoffen, die derzeitige, erstaunlich große Sympathie gegenüber terroristischen Hauptakteuren, die sich immer wieder in gut besuchten Demos entlädt, zu mindern.

Sicher ist aber auch: Missionierung, nicht nur im Stile eines George W. Bush, wird das Problem weder lösen, noch mindern.

5 Meinungen

  1. In London leben, neben 10% Einwanderer vom ind. Subkontinent, auch 5% Einwanderer aus der Karibik (s. Wikipedia) – letztere wohl auch in ihren Ghettos.Wo sind die karibikstämmigen Terroristen mit christlichem Hintergrund?Es scheint doch eine Religion zu geben, welche unter sonst gleich schlechten sozio-ökonomischen Bedingungen, deren Anghörige zu Mördern werden läßt. Wenn an dieser gesellschaftspolitischen Ursachensuche (welche der aufnehmenden Gesellschaft den schwarzen Peter zuschiebt) etwas dran sein sollte, so möge sich doch bitte der Islam ändern, aber sich unsere Gesellschaft nicht dieser Religion anpassen. Ich mache da keinen Hehl aus meiner Position: wem’s nicht paßt, der möge doch bitte in ein Land gehen, das per Gesetz die Moslems über alles hebt und andere Religionen unterdrückt. Saudi Arabien soll ganz nett sein – Freitags gibt’s gratis Entertainment.Sorry, wenn ich Deinen Beitrag in eine andere Ecke gezerrt habe – ich mußte mir heute wieder Macho- und Pro-Hisbollah Gekeife von libanesischen Jugendlichen (erkenntlich an Halsketten) in der Straßenbahn anhören.ICH BIN DER DEBATTEN EINFACH SATT!!!

  2. Das Problem ist nach meiner festen Überzeugung wirklich der Do-It-Yourself-Islam. Natürlich ist die zugrundeliegende Religion anscheinend so biegsam, dass sie diesen Interpretationsspielraum anbietet und insofern trägt sie eine Mitschuld an diesem Dilemma.Nun muss man aber überlegen, wie man mit der Situation umgeht, und zwar unter den gegebenen Bedingungen. Den Islam zu beseitigen steht als Option nicht zur Verfügung. Ebensowenig die Ausweisung aller Muslime aus westlichen Demokratien.Ich habe entsprechend versucht, das Machbare zu skizzieren.

  3. Ich stimme Dir in den meisten Punkten zu und weiß auch Deine Bemühung zu würdigen, mit welchen Du eine machbare Lösung suchst und skizzierst.Ich möchte jedoch zu Bedenken geben, daß Dein Lösungsansatz im Prinzip eine “positive Verstärkung” darstellt. Die Terrorbomber erhalten “so” durch bzw. für ihre Taten Gehör sowie “Vergünstigungen”, was sie eher noch zu weiteren “Taten” ermutigen dürfte.Das ist wie bei einem Kind, dem man zur Ruhigstellung (“Quängeln”) ein Stück Schoggoladde gibt – gut gemeint, aber die Wahrscheinlichkeit für weiteres, nervendes Verhalten dürfte steigen.So “sagen” dies die Lerngesetze.

  4. Der Punkt ist einfach der, dass einem manche Optionen nicht mehr zur Verfügung stehen. Es gilt also, mit dem Status Quo zu leben.Die positive Verstärkung mag in einer Übergangsphase gegeben sein, obschon ich eher glaube, dass es den Radikalen gar nicht gefallen würde, wenn man den Islam entmystifiziert. Langfristig jedoch sehe ich eher die Chancen, denn die Gefahren.Hast Du eine bessere Idee mit mehr Wirksamkeitspotential? Ich würde mich drüber freuen…

  5. Okzident und Orient sprechen eine unterschiedliche Sprache.Unsere Sprache der Vermittlung und des Kompromiß wird als Schwäche und dessen Ergebnisse als Ermutigung für weitere, gegen uns gerichtete Taten interpretiert.Ein beliebter Pädagogenspruch, welche auch NLPler nutzen, lautet:”Hole die Leut’ dort ab, wo sie stehen.”Wir werden gezwungen sein “Ihre” Sprache zu sprechen, wenn wir uns Gehör verschaffen wollen.Bereits die Lehrer lernen an Schulen, daß sie im Umgang mit muslimischen Jugendlichen, dabei eher die jungen “Paschas”, einen harten Ton anschlagen müßen, um sich Respekt zu verschaffen – wohl auch, weil diese Machos eine solche Sprache von zu Hause aus gewöhnt sind.Ich bin weniger Praktiker, wenn es um die Konzeption konkreter Maßnahmen geht – ich kann nur sagen, WIE diese gestaltet sein sollten.Israel macht im Moment das richtige …, gezwungenermaßen.Ironie: Wir werden zur Anpassung gezwungen, ob nun durch appeasement oder aber durch klare, den Muslimen vertraute und respektierte Sprache – letztere läßt uns selbst verrohen.Einen “netten” Artikel, welcher die unterschiedliche Sichtweise von Kritik und Selbstreflexion aufzeigt:http://www.zeit.de/2003/04/Schuld_im_IslamZusammengefaßt: Auch weiß keinen goldenen Weg, wie wir unsere Werte erhalten und zugleich Frieden schaffen können.Wir werden in den Clash der Kulturen hineingezwungen und müßen dabei vorrangig auf uns selbst und nicht auf die Bedürfnisse jener achten, welche für ihr Vorgehen unsere Werte (Freiheit) ausnutzen, um diese zu zerstören.Persönlich sehe ich keine friedliche Lösung mehr und würde den hiesigen Integrationsdruck erhöhen sowie alle aus dem Land verweisen, welche sich widersetzen bzw. unsere Gesellschaft und deren Werte bekämpfen.

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