Lebensnahe Situationen?

Das zweite Lernjahr beginnt also mit dem 8. Kapitel. Das Thema lautet „Post und Reisen". Die Autoren wollen mit Fragen zum Thema hinführen und die Studenten zum Sprechen bringen. Die erste Frage lautet also: „Was kostet es, wenn man einen Brief innerhalb von Amerika oder Kanada schicken will?" Ich erkläre die neuen Vokabeln ‚schicken’ und ‚Brief’ und warte dann auf Antwort. Ausdruckslose Gesichter. Was ist los? Welchen Wert hat die Briefmarke, die ihr auf einen Brief klebt? Schließlich erbarmt sich einer und sagt: „Ich weiß nicht." Erstmal ist es gut, dass er es auf Deutsch sagt. Aber warum weiß niemand die Antwort?

Diese Generation schickt keine Briefe mehr! So einfach ist das! In Amerika werden noch viele Rechnungen per Scheck beglichen; der würde natürlich in einem Umschlag mit Briefmarke stecken. Aber die Rechnungen werden ja von den Eltern bezahlt. Darum kümmern die Kids sich nicht. Und wenn es sie dann mal kümmert, werden sie Online-Banking machen.

Schließlich teile ich ihnen mit, dass ein Brief innerhalb der USA 41 Cent kostet, nach Europa 90 Cent. Diese Preise sind erst im Mai eingeführt worden. Die Frage nach den Paketen lass ich lieber gleich weg … (Was muss man auf alle Briefe, Ansichtskarten und Pakete schreiben?)

Grammatisches Thema des Kapitels sind unter anderem die Zeitadverbien: morgens, am Vormittag, oft usw. Mittlerweile habe ich meine Lektion gelernt und frage: Wie oft schreibst du Emails? In der Antwort sollen die Wörter ‚täglich’, ‚wöchentlich’ und ähnliches benutzt werden. Ich erwarte eigentlich die Antwort ‚stündlich’. Auch hier habe ich mich geirrt. Emails werden selten geschrieben, einer antwortet gar ‚nie’. Stattdessen stehen Textmessages (SMS) hoch im Kurs, die natürlich im Vokabelteil nicht angegeben werden. Oder IM, Instant Messenger. Was ist das auf Deutsch? Im Zweifelsfall belass ich es bei der englischen Bezeichnung.

Ich habe bereits die neueste, überarbeitete Ausgabe des Lehrbuchs, in diesem Jahr erschienen. Aber wir können eben nicht schnell genug mithalten. Die Gewohnheiten ändern sich zu schnell.

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