Ich hab schon wieder´n Glos im Hals!

Erst sprang er auf den IHK-Zug und wollte die Lehrlingsgehälter einfrieren, aufteilen und watt nicht alles. Auch schön war seine Forderung, das Jugendarbeitsschutzgesetz in "kritischen Branchen" zu lockern, zB im Hotel- und Gastronomiegewerbe. Hallo? Merkst Du noch was, lieber Michael? Dann war er großformatig in einer E.On-Werbebeilage zur FASZ mit dem Thema "Wir packen´s an" vertreten. Am Unverkrampftesten kam er noch auf der Tour-de-Glos im August rüber. Wahrscheinlich, weil er da keinen Intellekt vortäuschen musste. Kurz danach trat er wieder als Lakai der Energiekonzerne auf und wiederholte deren Forderung nach einem Ausstieg aus dem Atomausstieg. Fürchterlich. Selbst der blasse Clement, der nie was zu Ende bringen konnte, hat mehr eigenes Profil aufgeboten und zumindest den Eindruck vermittelt, auch mal den ein oder anderen eigenen Gedanken zu vertreten.

Jetzt also kommt der seit 30 Jahren im Bundestag sitzende Müllermeister Glos mit der uralten Forderung der Wirtschaft nach Abschaffung des Kündigungsschutzes. Dabei beruft er sich auf das dänische Modell. Da sei es schließlich auch so. Quasi von heute auf morgen könne man gefeuert werden und müsse danach bereit sein, jeden Job anzunehmen. So würden auch in Deutschland wieder mehr Impulse für Beschäftigung entstehen.

Was für ein ausgemachter Blödsinn wieder einmal. Erstens hat schon die letzte Lockerung des Kündigungsschutzes keine messbaren beschäftigungspolitischen Erfolge gebracht. Und zweitens, der wichtigere Punkt, kann das dänische Modell nicht so einfach auf die Kündigungsfrist reduziert werden, wie der Müllermeister dies tut.

Gut. Der Däne kann praktisch von heute auf morgen gekündigt werden. Danach bekommt er aber bis zu vier Jahre lang bis zu 90 Prozent seines bisherigen Einkommens als Sozialleistung. Er fällt also bei weitem nicht so tief, wie der Deutsche, der arbeitslos wird, mit maximal 60 Prozent rumkrebst und nach einem Jahr in der Gosse Hartz 4 liegt. Hinzu kommt noch, dass Herr Glos zusätzlich noch den ersten Monat Arbeitslosengeld einsparen möchte. Mit der hanebüchenen Begründung, dass sich viele nur kurzfristig arbeitslos melden würden, obwohl sie den nächsten Job schon in Aussicht haben.

Richtig. Der Däne muss jeden zumutbaren Job annehmen, aber in Dänemark gibt es einen gesetzlichen Mindestlohn. So wird der Däne wenigstens nicht den Raubtieren des Lohndumping zum Fraß vorgeworfen, wie das in Deutschland der Fall wäre. Denn einen Mindestlohn lehnt der großartige Befürworter des dänischen Modells, der Müllermeister Glos, rundheraus ab!

Von den grundsätzlichen Unterschieden in den Wirtschaftsstrukturen Dänemarks und Deutschlands spricht Herr Bundeswirtschaftsminister natürlich per se nicht. Wahrscheinlich schlicht, weil ihm diese nicht bekannt sind und die Wirtschaftslobby ihm dazu keinen Spickzettel geschrieben hat…

(Foto: www.pixelquelle.de / Fotograf: Jürgen)

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