gOS – Das Google-Betriebssystem?

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Für Umbauer und Bastler gibt es ein Via-Mainboard gebundled mit dem gOS. Diese Kombination aus Hard- und Software zu kleinsten Preisen hat es bislang in Linuxland nicht gegeben. Zwar gibt es seit längerem PC-Hersteller (zB Dell), die wahlweise Linux vorinstallieren, jedoch kann man für den gleichen Preis auch ein Gerät mit Windows erstehen. Die Firma Good OS LLC, der Distributor des gOS geht insofern einen alternativen Weg und der Erfolg gibt ihnen recht.

Dabei ist das gOS im Grunde wirklich kein Knüller. Es basiert auf Ubuntu 7.10, setzt aber weder Gnome, noch KDE, sondern Enlightenment als Benutzeroberfläche ein und könnte im Prinzip so von jedem Ubuntunutzer auch selbst hinkonfiguriert werden. Fraglich ist allerdings, ob es einen "normalen" Linuxnutzer gibt, der sich freiwillig ein solches System auch tatsächlich hinkonfigurieren würde.

Denn gOS ist vollständig auf Googles Web-Applikationen ausgerichtet. Die Auswahlleiste am unteren Bildschirmrand, da wo auch MacOS sein Dock hat, zeigt fast ausschließlich auf Google-Software. Da gibt es direkte Links zu Gmail, GDocs, GMaps, YouTube, aber auch zu Skype, Facebook, Wikipedia und ein paar anderen. Jeder, der eine Bookmarkverwaltung oder die Google-Toolbar nutzt, wird nicht unbedingt vor Begeisterung ins Tanzen geraten.

Am oberen Bildschirmrand findet sich übrigens die Googlesuche als integraler Bestandteil des Desktop. Auch optisch ist gOS nicht der Renner. Alle Icons, wie auch die Schriftgröße, sind dackelgroß. Man kommt sich vor wie beim Sehtest 1. Stufe.

gOS ist übrigens nicht von Google und hat auch angeblich keinerlei Kontakt whatsoever zu den großen Königen der Suchmaschinerie. Die Burschen von Good OS LLC haben sich bloß gedacht, dass, wenn es ein Google OS gäbe, es so sein müsste wie das gOS. Hrmpf. Na ja.

Löst man sich vom eigenen Erfahrungshorizont ergeben sich aber durchaus interessante Anwendungsfelder für das gOS. In der Tat könnte es sich hier um das erste wirklich seniorentaugliche Betriebssystem der Welt handeln. Funktional alles da, was der Anfänger braucht. Durch Verwendung der Google-Apps auch quasi Standard und durch den Ubuntuunterbau unbegrenzt erweiterbar, so die Kenntnisse und Anforderungen des Anwenders wachsen.

Bisherige Senioren PCs haben stets mit dem Makel leben müssen, dass sie den Nutzer auf Dauer einschränken und ihn, was besonders schwer wiegt, vom Standard fernhalten, also nicht wirklich in die Lage versetzen, Otto NormalPC sachgerecht zu bedienen. gOS hat hier Potenzial.

Abgesehen von Senioren gibt es natürlich weitere Zielgruppen, die in Betracht kommen. Zum Beispiel die jüngeren Internetnutzer, die ein einfaches Spiele- und Recherchemedium brauchen, ohne dafür erst Kurse zu belegen. Oder die "Hausfrau", die im Grunde bloß ein bisschen im Internet surfen und hin und wieder den einen oder anderen Text schreiben will. Oder der Freak, der seinen alten PC nicht einmotten, sondern als Surfmaschine nutzen möchte. Das kann er zwar auch mit jedem anderen Linuxderivat, aber gOS mit Enlightenment bringt vom Start weg die nötige Schlankheit auf die Waage. Da ist keine Optimierung mehr erforderlich. gOS-Surfstation. Klingt auch gut…

Heute sollte eigentlich die Version 2 des gOS erscheinen. Der Countdownzähler auf der Homepage ist aber bereits mindestens einmal neu gestartet worden und von 2.0 ist bislang nichts zu sehen. Für die angesprochenen Zwecke ist jedoch die verfügbare Version 1 mehr als ausreichend. Für deutsche Interessenten ungünstig ist allerdings, dass das gOS derzeit nur auf englisch verfügbar ist.

Well, by the way. Eben habe ich einen Language-Selector gefunden. Leider kann ich nicht herausfinden, wie das Rootpassword für meine gOS-Installation im VMware-Player lautet und komme daher nicht weiter. Aber. Du sollst bei so einem System ja auch nicht in den Interna rumfummeln, alter Falter.

Keine Meinungen

  1. Sehr interessanter Bericht. Danke für die reichhaltige Information.Jeannine

  2. Intereassant , hab ich noch gar nicht von gehört.Ich denke es könnte ein guter Einstieg für den normal Anwender in die Linux Welt sein.

  3. Ich erinnere mich noch an den Tag, als mir ein Freund vor zehn Jahren von dieser neuen Suchmaschine Google erzählt hat, die ja nur Gutes im Sinn hat. Hat sie vielleicht auch. Aber die Möglichkeiten der heutigen Durchdringung der täglichen Arbeit mit Google-Produkten lässt einen schon irgendwie nachdenklich werden. Insbesondere, weil sie immer einen so einfachen Einstieg ermöglichen…

    Torsten grüßt!

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