Wie kommt ein Wort in den Duden?

Wörterbücher bemühen sich darum immer auf dem neuesten Stand zu sein. Trotzdem hinkt der Duden natürlich immer hinterher, denn es dauert eine Weile, neue Wörter auszuwählen und auf Wichtigkeit zu prüfen. Dafür werden riesige Textmengen in einer repräsentativen elektronischen Textsammlung – dem so genannten „Duden-Korpus" – mit unterschiedlichen Textsorten, wie z. B. Zeitungsartikeln, Romanen, Gebrauchsanweisungen oder Sachbüchern, nach Wörtern durchsucht.

Zudem werden Texte auch weiterhin auf ganz altmodische Art ausgewertet: mit dem menschlichen Auge. Diese Methode ist der EDV in einigen Punkten immer noch überlegen, z. B. wenn es um das Erkennen einer neuen Bedeutung eines Wortes oder um grammatische Phänomene geht. Außerdem kann man der Duden-Redaktion Hinweise geben, welches neue Wort aufgenommen werden soll.

Grünes Licht für die Aufnahme in eines der Duden-Wörterbücher gibt die Redaktion allerdings erst nach einer detaillierten Prüfung, bei der ein Wort folgende Kriterien erfüllen muss: Es muss in einer gewissen Häufigkeit in verschiedenen Texten und über einen längeren Zeitraum hinweg auftreten. An dieser Hürde scheitern „Eintagsfliegen", von denen schon kurze Zeit später niemand mehr spricht. Hier bleiben auch jene Kandidaten auf der Strecke, die nur zum individuellen Wortschatz einer Person oder Gruppe zu rechnen sind, darüber hinaus jedoch keine Verbreitung gefunden haben. Da der Umfang eines jeden Wörterbuches begrenzt ist, stellen die verzeichneten Stichwörter notwendigerweise eine Auswahl dar. Es ist ein Irrtum zu glauben, ein Wort, das nicht im Wörterbuch verzeichnet ist, gibt es nicht.

Hier ein paar Beispiele für Neuaufnahmen der letzten Jahre, an denen man sehr schön unsere gesellschaftliche Entwicklung ablesen kann :

Al|co|pops, Al|ko|pops Plur. (alkohol- u. farbstoffhaltige Limonadenmischgetränke)

Ar|beits|markt|ser|vice (österr. für Agentur für Arbeit)

Ba|by|klap|pe (anonyme Abgabestelle für Säuglinge)

E-Book, das; -s, -s (tragbares digitales Lesegerät in Buchformat, in das Texte aus dem Internet übernommen werden können)

hy|per|ak|tiv (übersteigerten Bewegungsdrang zeigend); hyperaktive Kinder

Ich-AG, die; -, -s (arbeitslose Person, die sich mit staatlicher Hilfe selbstständig macht)

LAN-Par|ty (Treffen zu gemeinsamen Computerspielen an vernetzten PCs)

Ho|mo|e|he, auch Ho|mo-E|he (ugs. für gesetzlich anerkannte gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaft)

Ö|ko|tou|ris|mus (umweltbewusstes Reisen)

Road|map, die; -, -s (EDV Plan für die zukünftige Entwicklung von Technologien u. Produkten; nur Sing. auch für amerik. Friedensplan für den Nahen Osten)

SARS, Sars = severe acute respiratory syndrome; schweres akutes respiratorisches Syndrom (eine Infektionskrankheit)

She-DJ, die; -, -s (schweiz. für weibl. DJ)

Tai|ko|naut, der; -en, -en (chinesischer Weltraumfahrer)

Vi|no|thek, die; -, -en (Weinhandlung, -sammlung, -lokal) .

Quelle: Duden-Newsletter 17.09.2004

2 Meinungen

  1. Da wollen wir doch mal alle hoffen, dass uns das „Alleinstellungsmerkmal“ im Duden erspart bleibt. Wobei ich zugeben muss, „She-DJ“ und „Taikonaut“ noch nie gehört/gelesen zu haben. Wenn jede Nation demnächst ihren eigenen Raumfahrer bekommt, wird’s schnell unübersichtlich.

  2. E-Book: „tragbares digitales Lesegerät in Buchformat“Steht das wirklich so im Duden? Bisher hielt ich die Truppe ja nur für eine Art linguistischer Zuhälter, die nach genügender Laufzeit jedes ihrer Pferdchen in den offiziellen Stall hineinlassen („wohl gemut“), aber daß es sich um offenbar im Dampfmaschinenzeitalter stehengebliebene Zuhälter handelt, wußte ich noch gar nicht…

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