Reden wir doch mal über Arbeit – über schlecht bezahlte Arbeit

(Foto: PixelQuelle.de/C. Hautumm)

Zunächst eine Definition des Begriffes Niedriglohn:
Als Niedriglohn bezeichnet das IAB einen Lohn, der unterhalb 2/3 des Durchschnittslohnes aller erfassten Vollzeitbeschäftigten liegt. Im Jahr 2001 lag diese Grenze in Deutschland bei 1.630 Euro brutto monatlich. (Aktuellere Zahlen kann ich zur Zeit nicht finden, sorry. – Das Verhältnis 2/3 ist aber gleich geblieben.)

– Gerne wird behauptet es gäbe zu wenig Jobs, weil die Löhne für Geringqualifizierte zu hoch sind. Diese "Common Sense"-These darf bezweifelt werden. Der Ökonom Ronald Schettkat hat diese Aussage mit dem aktuellen Forschungsstand abgeglichen und internationale Vergleiche angestellt [Böckler Impuls 15/2006: Lohnstruktur]. Ronald Schettkats Fazit: Weder in den USA noch in Europa finden sich Belege dafür, dass Niedriglöhne für mehr Beschäftigung sorgen [PDF: Lohnspreizung – Mythen und Fakten].

– Der Anteil der Niedriglohnempfänger ist seit 1997 von 15,8 auf 17,4 Prozent gestiegen. Die Arbeitslosenstatistik hat das wenig beeindruckt. Möglicherweise hat der Kaufkraftverlust sogar Arbeitsplätze vernichtet?

– Laut der letzten statistischen Erhebung, die stammt aus dem Jahr 2001(!?), arbeitet ein Sechstel aller Vollzeitbeschäftigten zu solchen Niedriglohnkonditionen. Die Mehrzahl der schlecht entlohnten Jobs wird von Dienstleistung, Handel und ganz allgemein Kleinbetrieben gestellt. Selbstverständlich sind 57 Prozent dieser ArbeitnehmerInnen Frauen, warum?

– In der öffentlichen Debatte wird unermüdlich wiederholt, der Niedriglohnsektor schaffe vor allem Beschäftigungsmöglichkeiten für unqualifizierte Arbeitnehmer. Tatsächlich verfügen aber 60 Prozent der Billigjobber über eine abgeschlossene Berufsausbildung. Das bedeutet, dass auch der Niedriglohnsektor immer mehr von qualifizierten Arbeitskräften besetzt wird. Offensichtlich ist ganz generell für alle Arbeitsuchenden, unabhängig von Alter und Berufsausbildung, das Risiko im Billiglohnbereich arbeiten zu müssen stark erhöht.

Statt die sozialen Sicherungen kontinuierlich abzubauen, um der Wirtschaft immer billigeres Menschenmaterial zuzuführen, muss endlich ein verbindlicher Mindestlohn eingeführt werden. Dieses Entgelt  muss deutlich über dem Existenzminimum liegen, denn bereits im Juni 2005 bezogen 390.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte ALG II als Zuschuss zum Arbeitslohn. Darunter waren Arbeitnehmer, die trotz Vollzeitjob nur ein Einkommen unterhalb der Grundsicherung erzielten. Diese Einkommen mussten durch sogenannte Aufstockerleistungen auf das Existenzminimum angehoben werden.

In der Konsequenz subventioniert also der Staat (Das sind wir!) diese Arbeitsplätze und ermöglicht so ein immer wüsteres Lohndumping. Es entstehen keine neuen, sondern bloß billigere Arbeitsplätze. Billig sind diese Jobs aber nur für die Unternehmen, die sozialen Folgen der Abwärtsspirale soll die Gesellschaft tragen. Da stellt sich dann die Frage wie diese Kosten finanziert werden könnten, aus Unternehmenssteuern? Ach nein, die müssen ja permanent gesenkt werden!

Die Chefarztfrau

In eigener Sache: Hier gehts zu meiner SF-Story "Aimée – Herr im eigenen Haus" => Die Story ist beim Science Fiction-Wettbewerb "What if" für den Publikumspreis nominiert. Wenn Euch die Geschichte gefällt, solltet Ihr für mich voten, Danke!

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