Muttertag

Und der große Seelenklempner der katholischen Kirche, Eugen Drewermann, wüsste darüber bestimmt einige lustige Dinge zu sagen. In die Mutter wird alles hineinprojiziert, was gut ist und Männer sind dabei die größten Projektoren. Alles Schlampen außer Mutti! Mama symbolisiert dagegen die absolute Reinheit, Schönheit und Tugendhaftigkeit. Und kleine Jungs wollen immer ihre Mutter heiraten, und das bis ins hohe Alter. Und wenn man nicht heiraten darf, dann heiratet man eben Mutter Kirche.
 
Vorurteile über Vorurteile. War ist allerdings, dass man Zeit seines Lebens von seiner Mutter nicht so richtig loskommt. Das gilt natürlich auch für den Vater, ist aber anders. Und wenn man als Mann über Frauen und dann noch über Mütter schreibt, betritt man vermintes Gebiet, eben weil einem die eigene Mutter so tief in den Knochen steckt und wir alle permanent der Übertragung unterworfen sind. Und das haben wir gerade wieder vom „Vater“ der Psychoanalyse Sigmund Freud gelernt, dessen 150. Geburtstag wir gerade feiern konnten. Der hatte interessanterweise wiederum ein besonderes Verhältnis zu seiner Tochter.
 
Unsere Mütter haben einen wesentlichen Anteil daran, wie wir die Welt sehen. Der Begriff Urvertrauen ist ja schon reichlich abgenutzt, trifft die Sache aber immernoch genau. Ob ich eher davon ausgehe, dass in dieser Welt etwas klappt oder eben nicht, hängt entscheidend davon ab. Und auch dass, was man im weitesten Sinne als Religion bezeichnet, prägen die Mütter durch ihr unmittelbares Verhältnis zum Säugling in den ersten Lebensmonaten. Alles, was danach kommt, das Verhältnis zum Vater, zur Welt und zu Gott baut darauf auf. Gott ist also eigentlich der Gott unserer Mütter und erst dann der der Väter. Wenn wir heute wieder nach mehr Spiritualität suchen, innerhalb und außerhalb der Kirche, dann suchen wir nach etwas, dass uns unsere Mütter schon einmal sehr früh gelehrt haben
 
Grund genug, mal ein paar Mütter im Glauben zu nennen. Da sind z.B. die drei Frauen, die bis zur Kreuzigung bei Jesus geblieben waren, während die Jünger längst das Weite gesucht hatten. Da ist die Apostelin Junia aus dem Römerbrief, aus der beim Abschreiben der alten Texte irgendwann ein Junias geworden war, weil sich keiner mehr vorstellen konnte, dass Frauen diesen Job gemacht haben – mein Computer übriegens auch nicht: „Apostelin“ kennt er nicht.
 
Der Herr segne dich und behüte dich, der Herr erhebe sein Angesicht auf dich und sein dir gnädig, der Herr lasse leuchten sein Angesicht über dir und gebe dir Frieden. Ausgerechnet diese Segensformel macht wie kein anderer Text aus der Bibel die Bedeutung der Mutter deutlich. Das gute Gesicht der Mutter über der Wiege und das leuchtende Angesicht Gottes über dem Gesegneten sind Symbole für dieselbe Sache. „Der Herr“ vertritt hier nur den unaussprechlichen Namen Gottes im hebräischen Text und der heißt übersetzt „Ich bin da für dich und ich werde für dich da sein“.

2 Meinungen

  1. Die biblische Bezeichnung für Herr bzw. Adonaj heißt übersetzt: meine (beiden) Herren. Aus den Vokalen von Adonaj kam, um es nicht aussprechen zu müssen, Je ho wa, bzw. Jahwe oder nur Jah für den Ausdruck Gott zustande. Und JHW oder JHWH heißt nur ganz simpel als Feststellung: Er ist. Oder Er der lebt. Nix mit ..“für dich“ da sein blablablaUnter „Apost o lin“, als die weibliche Form von Apostel findet bestimmt auch Ihr Computer mehrere dieser Damen.Und hier noch das (einzige) Wort zum Muttertag von Jesus an seine Mutter selbst kreiert: Weib, was geht es dich an, was ich tue?! Oder, noch erbaulicher und deutlicher, in Luthers höchstpersönlicher Übersetzung: Weib, was habe ich mit dir zu schaffen?!

  2. Sein ist im semitischen Denken immer Sein in Beziehung. Lesen Sie doch dazu auch mal von Martin Buber „Ich und Du“, wenn Sie es nicht schon haben. Und für das Alte und damit auch für das Neue Testament ist das Menschliche Sein immer nur relational möglich. Was macht den Menschen zum Menschen: Die Beziehungen zu sich, zu anderen und vor allem die Beziehung zu Gott. Ich denke, dass passt auch ganz gut in unsere postmoderne Welt, in der das rationale und autonome Individuum als Konstrukt, Projektion und Illusion enttarnt worden ist. Was den Titel Apostelin anbelangt, der ist im laufe einer patriarchalen Kirchengeschichtsschreibung den Frauen tatsächlich abhanden gekommen, bis hinein in die mittelalterliche Textüberlieferung und die Textkritik des 20. Jahrhunderts.Interessant ist im übriegen auch, dass die gute Maria ihrem Sohnemann trotz dessen störrischer Reaktion zugewandt bleibt – wie im richtigen Leben.HerzlichstF.C.

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