Island auf dem Rücken der Pferde

Völlig vermummt, quasi in einem riesigen Wachsmantel meines Gastvaters verschwunden und mit Kappe und verdreckten Stiefeln sattle ich um etwa 6 Uhr morgens mein Pony. Es ist kalt, noch nicht wirklich hell. Kaum sitze ich auf dem Isländer, geht es im Tölt los – einer verdammt lustigen Gangart, die nur die Islandponys beherrschen. Ich reihe mich in eine lange Schlange von Reitern ein und bekomme um etwa 7 Uhr morgens den ersten Schnaps angeboten. Als ich dankend ablehne, wird das nicht ganz ernst genommen. Ich täusche vor, zu trinken. Das muss ich übrigens den ganzen langen Tag lang tun. Die anderen trinken natürlich wirklich und sind zur Mittagszeit schon ziemlich dun.
Es geht über Stock und Stein, große Weiten, Hügel und Wiesen. Es regnet, und doch macht es einen riesigen Spaß! Alle reden durcheinander, Isländisch, Englisch, Esperanto. Die Schafe werden über viele Kilometer getrieben. Zwischendurch dürfen einige immer mal richtig lospreschen und im Galopp über die Ebenen düsen, während die andere Hälfte der Schaftreiber auf die Tiere aufpasst. Ob Groß, ob Klein, Alt oder Jung, alle sind dabei.
Schließlich kommen wir gen Nachmittag an einem Rettier an, einer Art Paddock für die Schafe. Dort werden die Tiere hineingezwängt. Nun beginnt das eigentliche Volksfest. Bauern aus der ganzen Region kommen zusammen, trinken, essen und quatschen. Jetzt beginnt auch der anstrengende Teil des Tages: Die Schafe müssen „sortiert“ werden. Alle Schafe, die zum Beispiel zu Bauer Hilmarson gehören, sind blau markiert, die Schafe von Bauer Jonson haben eine rote Markierung hinter dem Ohr etc. Wir müssen auf die gelben Schafe achten und diese an den Hörnern herausziehen in unsere Box. Das ist meist ein wahnsinniger Kampf, denn die Böcke sind stur und lassen sich gar nichts gefallen. Ein Gelächter übertönt den Platz, Geschrei, Anfeuerungsrufe. Kleine Kinder strahlen wie beim Anblick eines Weihnachtsbaums, die Frauen haben Unmengen an Essen aufgefahren, die Männer rauchen Pfeife und trinken ordentlich Glühwein und selbstgebrannten Whiskey.
Am Abend werden dann die Schafe von jedem Bauern zu seinem Farmhaus transportiert. Die Pferde werden zum jeweiligen Hof zurückgeritten. Doch die Feier geht dann meist weiter. Bei gepöckeltem Schafskopf…

2 Meinungen

  1. Interessanter Artikel. Danke.

  2. Hallo, ein netter Artikel, der die Stimmung in Island wirklich gut beschreibt. Ich bin auch ein Island Fan und habe schon Island Artikel über das Thema geschrieben

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