Geschichte der Gewerkschaften in Deutschland

Gewerkschaften streiken

Von einer Gewerkschaft spricht man, wenn sich Arbeitnehmer zusammenschließen, um die ökonomischen Interessen ihrer Mitglieder zu fördern. Diese Vereinigung geschieht auf einer freiwilligen und privatrechtlichen Basis. Da es für den einzelnen Arbeitnehmer schwierig ist, Situationen im Arbeitsleben zu ändern, setzt sich eine Gewerkschaft für die Interessen der Mehrheit ein. Dabei werden beispielsweise neue Tarife verhandelt oder die Bedingungen am Arbeitsplatz verbessert. Neben Verhandlungen zwecks Neugestaltung von Situationen der Arbeitnehmer setzt die Gewerkschaft auch notfalls die Maßnahme des Streiks ein, um Forderungen durchzusetzen.

Geschichte

Erste Arbeitervereine gab es bereits im Jahr 1848. Damals schlossen Arbeiter aus den Bereichen der Zigarrenproduktion und der Buchdruckerei zusammen. Diese Vereinigung wurde jedoch verboten. Noch keine zwanzig Jahre später wurden neue Gewerkschaften gegründet, die es zu Beginn nicht einfach hatten. Die ersten Jahrzehnte waren durch Unterdrückung seitens der Polizei geprägt. Als das „Sozialistengesetz“ fiel, stieg die Zahl der Mitglieder von Gewerkschaften drastisch an.

Ab 1906 waren dann die Arbeitnehmervereinigungen gleichberechtigte Institutionen neben der SPD. 1909 fand die Gründung des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes statt. Zehn Jahre später wurden die Gewerkschaften durch die Weimarer Verfassung rechtlich anerkannt und erhielten eine Koalitionsfreiheit. Tarifverträge wurden rechtsverbindlich und Betriebsräte durften eingerichtet werden. Auch wurde der Acht-Stunden-Tag zugesichert. Trotz dieser optimistisch klingenden Veränderungen wurden die Hoffnungen auf Sozialisierung nicht erfüllt. Die Arbeitervereinigungen erlebten eine Schwächung, wobei die Wirtschaftskrise und die hohe Zahl er Arbeitslosigkeit eine große Rolle spielten. Hitler kam an die Macht und zerschlug im Jahre 1933 die freien Gewerkschaften. Nach Kriegsende gründete sich in Ostdeutschland der Freie Deutsche Gewerkschaftsbund, der dann aber zum Instrument der SED wurde. In Westdeutschland entstand im Jahre 1949 der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB), zu dem sechszehn Gewerkschaften der Industrie gehörten.

Verbesserungen der Arbeitssituation seit 1950

1954 wurde zum ersten Mal Weihnachtsgeld ausgezahlt. Zwei Jahre später kam es zum ersten Streik, bei dem es um die Lohnfortzahlung während einer Krankheit ging.

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Weiterhin wurde bis 1967 die Vierzigstunden-Woche in der Metall- und Druckindustrie durchgesetzt, sowie im Steinkohlebergbau die Fünf-Tage-Woche. Seit 1962 dürfen sich Arbeitnehmer über Urlaubsgeld freuen und seit 1970 gibt es die Lohnfortzahlung für Arbeiter im Krankheitsfalle. Die Streiks in den siebziger und achtziger Jahren wegen der 35-Stunden-Woche in der Metallindustrie wurden erst 1995 durch die Einführung dieser Forderung belohnt. Da die DDR seit 1989 nicht mehr existierte, folgte eine schrittweise Angleichung der ostdeutschen Gewerkschaften an die westdeutschen Gewerkschaften, die 1991 in eine Vereinigung mündete.

Situation heute

Die Situation der deutschen Gewerkschaften ist heute besonders schwierig, da sich die Macht der Unternehmerverbände wesentlich vergrößert hat. Außerdem wurde das Ansehen der Gewerkschaft durch den Volkswagenskandal geschwächt. Im Jahre 2005 kamen die korrupten Machenschaften der Betriebsräte dieses Konzerns ans Licht. Bei einer Allensbach-Umfrage kam heraus, dass hauptberufliche Funktionäre von Gewerkschaften das schlechteste Image aller Berufsgruppen hat. Trotzdem besitzen die deutschen Gewerkschaften immer noch eine nicht unerhebliche Macht im wirtschaftlichen und politischen Bereich. Insgesamt zählen sie ungefähr acht Millionen Mitglieder. Die größte Gewerkschaft ist die Industriegewerkschaft im Bereich Metall (IG Metall). Nicht zu vergessen ist, dass der Erfolg einer sozialen Marktwirtschaft nicht zuletzt mit den Gewerkschaften zusammenhängt. Heute stehen sich die Arbeitervereinigungen einer neuen Herausforderung gegenüber, die mit der Globalisierung und Dumpingpreisen zu tun hat.

Fotocredit: Thinkstockphotos, Getty Images News, Ralph Orlowski

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