Engel und Steine

Die Ausstellung soll die Geschichte der Taufe in der Evangelischen Kirche der Kirchenprovinz Sachsen dokumentieren. Der Magdeburger Dom ist dafür der richtige Ort. Als erster gotischer Kathedralbau auf deutschem Boden bietet er auf Grund seiner kirchenhistorischen Bedeutung einen hervorragenden Präsentationsraum für die über 200 zum Teil tonnenschweren Exponate.

Eines der Prunkstücke ist der im Dom befindliche große Taufstein aus Porphyr, den Kaiser Otto der Große im zehnten Jahrhundert aus Italien mitgebracht haben soll. Er bildet auch den historischen Ausgangspunkt für den Rundgang durch über 1000 Jahre Taufgeschichte.

Einen besonderen Schwerpunkt bilden die barocke Taufengel, von denen 31 dieser Figuren eigens für die Ausstellung aufwendig restauriert wurden. Das Geld dafür kam ausschließlich aus der Spendenaktion "Paten für Engel" zusammen. Die Verwendung der Taufengel im 17. und 18. Jahrhundert war eine evangelische Besonderheit. Dabei hängen die Engel zumeist über dem Altarbereich und werden zur Taufe an einem Seil herabgelassen. Ihre "Erfindung hatte dabei ausschließlich pragmatische Gründe, denn in den Kirchen war häufig so wenig Platz, dass nicht einmal ein Taufbecken aufgestellt werden konnte, die Taufschale daher in den Händen eines Engels unter die Decke gehängt werden musste.

Gezeigt wird auch eine komplette "Taufanlage" von 1620 aus Osterwohle (Altmark). Sie umfasst ein "Gehege" mit einem Zaun um das Taufbecken und einen "Jubelengel", der mit dem Deckel des Beckens über einen Seilzug verbunden ist. Als Besonderheit wird schließlich auch die Schale gezeigt, über der der Dichter Heinrich Heine in Heiligenstadt 1825 im Alter von 27 Jahren getauft wurde.

Die Ausstellung, gilt als erste ihrer Art im deutschsprachigen Raum. Sie zeigt den Reichtum kirchlicher Kunst und Architektur, den gerade Sachsen-Anhalt als neues Bundesland zu bieten hat – obwohl dort kommunistische Atheisten 40 Jahre lang wüten konnten.

Man muss sich dabei trotz des historisch-musealen Charakters der Ausstellung aber klar machen, dass es sich bei dem Ort der Veranstaltung, dem Magdeburger Dom, nicht um ein Museum handelt sondern um einen von Menschen belebten Ort, um eine Kirche, deren Zweck die Versammlung der Gemeinde zum Gottesdienst ist. Ich konnte mich selbst davon überzeugen. Und auch die Exponate sind keine Artefakte einer fernen Zeit, sondern allesamt nach wie vor in Gebrauch.

Die Ausstellung im Magdeburger Dom, deren Schirmherr Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD) ist,  ist montags bis samstags von 10 bis 17 Uhr und sonntags von 11.30 bis 17 Uhr geöffnet.

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