Die Geschichte des Kleingartens

Die Städte Kiel und Flensburg, die zu jener Zeit noch dänisches Herrschaftsgebiet waren, starteten hier mit diesem Projekt. Ziemlich schnell verbreitete sich diese vorbildliche Idee von hier aus zunächst weiter nach Leipzig, Berlin und Frankfurt am Main.

Die Geschichte unseres Landes erzählt aus der damaligen Zeit von Kinderarbeit, Not und Armut, Hunger und Lebensmittelknappheit. Somit war das Kleingartenprojekt ein sozialer Aspekt, um günstiges Land an die Arbeiter zu vermieten. Es wurde einerseits ein Ausgleich zur schweren Fabrikarbeit geschaffen werden und andererseits die Versorgung der Familien gewährleistet. Aus diesem Grund erhielten diese Gärten nun auch den Beinamen „Armen- oder Sozialgärten“.

Eine weitere Entwicklungslinie dieser Kleingartenparzellen lässt sich auf den Leipziger Arzt Daniel Gottlob Moritz Schreber zurückführen, der allerdings nicht der Erfinder sondern nur der Namensgeber war. Hierbei handelte es sich ursprünglich um einen Schulverein, dem man zu Ehren des verstobenen Schreber nach seinem Namen benannte. 1865 feierte man die Einweihung des ersten Schreberplatzes im Leipziger Johannapark, einer Spielwiese für Kinder, die hier unter Betreuung und Aufsicht von Pädagogen spielen und turnen konnten. Dieser Platz hatte zu diesem Zeitpunkt rein gar nichts mit Gärten zu tun. Erst ein Lehrer namens Heinrich Karl Gesell kam auf die glorreiche Idee, hier Gärten anzulegen, was zunächst als weitere Beschäftigungs- und Lernmethode für Kinder gedacht war. Doch sehr schnell entwickelten sich hieraus neue Refugien der Eltern, die nun, mit wachsendem Interesse, auch parzelliert und umzäunt wurden. Ab dieser Zeit nannte man dies Anlagen ganz einfach „Schrebergärten“. Im ganzen Land entstanden nun in schneller Folge derartige Gartenkolonien.

Aus Gründen von extremer Wohnungsnot in Deutschland begannen ab etwa 1870 viele Parzellenpächter hölzerne Lauben in ihren Gärten zu errichten. Besonders nach dem 2. Weltkrieg kamen die Kleingartenanlagen deshalb zu traurigen Ehren, denn viele Familien lebten nun zwangsläufig oft sogar mit Verwandten und Freunden in ihren Gartenlauben, weil die Häuser und Wohnungen zerbombt und zerstört waren.

In unserer heutigen Wohlstandsgesellschaft hat sich das ursprüngliche Bild des Kleingartens allerdings sehr gewandelt. Die Zeit der Sozialgärten mit der Laubenpieperromantik ist längst vorbei. Der stressgeplagte Mensch von heute sieht hierin nun eher einen idealen Ausgleich zu seiner täglichen Arbeit. Zudem stellt der Kleingarten für Familien mit Kindern eine Oase für ungefährliches Spielen und Lernen dar. Kleingärten stehen deshalb bei Nutzern aller Bevölkerungsschichten sehr hoch im Kurs.

Doch nicht nur für die Gartenpächter sind diese grünen Oasen ein Segen, sondern auch für die Städte, die für dieses Kleinod Raum geschaffen haben. Hier erfüllt ihr Grünflächensystem sehr wichtige Ausgleichs- und Erholungsfunktionen und man könnte sie durchaus als grüne Lunge der Städte bezeichnen. Diese Grünflächen erzeugen nämlich eine nicht unerhebliche Mende an Sauerstoff, die für gesunde und saubere Luft sorgt. Rein rechnerisch kann man sagen, dass zum Beispiel eine Kleingartenanlage mit etwa 50 Gärten und einer Gesamtfläche von etwa 25.000 qm innerhalb von nur 12 Stunden ungefähr 2000 kg Kohlendioxid aus der Luft filtert und dabei gleichzeitig 1800 kg Sauerstoff erzeugt.

Somit dient der Kleingarten heute kaum noch der Versorgung sondern eher der Erholung und man findet hier statt Salat, Blumenkohl und Mohrüben hauptsächlich Zierpflanzen und Rasenflächen. Das Kleingartenleben wird durch die jeweilige Kleingartenordnung oder Vereinssatzung geregelt. Viele Vereine haben sich, nicht zuletzt aus Umweltschutzgründen, auf einen schonenden Umgang mit der Natur, besonders durch biologische Schädlingsbekämpfung verlegt. Dabei stehen den Vereinen und Pächtern verschiedene Fachberater hilfreich zur Seite.

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