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    Start » Die Bucht der Aussteiger
    Europa

    Die Bucht der Aussteiger

    3. Mai 20064 Minuten Lesezeit

    Von Malaga aus fuhren wir mit dem Bus an der Costa del Sol
    entlang. Schon an der Bushaltestelle wurde klar, dieser Urlaub wird durch das
    Wort „tranquilo“ (nur die Ruhe) bestimmt. Als wir auf den Fahrplan gucken
    wollten, um zu wissen, wann denn der nächste Bus geht, wurden wir ausgelacht.
    „Der Bus kommt offiziell in einer halben Stunde, aber die öffentlichen
    Verkehrsmittel sind hier nie pünktlich. Setzt euch zu uns. Tranquilo. Der Bus
    wird schon kommen“, riet uns ein netter junger Mann in unserem Alter. Ebenfalls
    mit Rucksack bepackt saß er an der Haltestelle, in der einen Hand eine Gitarre.
    Das ist übrigens eine schöne Eigenheit in Spanien. Am Strand, in der Stadt,
    egal wo, trifft man Menschen mit einer Gitarre in der Hand. Man trifft sich zu
    einer improvisierten Jamsession und singt und musiziert aus reiner Lust an der
    Freude. Diese Art der Gelassenheit fehlt mir in Deutschland doch sehr.
     

    Station
    Jugendherberge

     
    Unsere erste Station war ein kleiner Ort an der Costa del Sol,
    der so klein war, dass mir sein Name entfallen ist. Hier verbrachten wir etwa
    eine Woche. Tagsüber, am zwar gut gefüllten, aber nicht überlaufenen Strand
    abhängen, schwimmen und bräunen. Abends, das spanische Nachtleben erkunden und
    unsere Vorliebe für Tapas entdecken. Besser geht es nicht. Angenehmerweise
    lernt man hier das wirkliche Spanien kennen, ohne Touristenmassenansturm. Viele
    Spanier, die wir auf unserer Tour getroffen haben, sprechen kein Wort Englisch.
    Doch mit meinen Brocken Schulspanisch konnte ich mich erstaunlich gut
    verständigen. Die Spanier sind da sehr tolerant. Hauptsache man versteht sich
    irgendwie.      
     

    Die Bucht der
    Aussteiger

     
    Dann fuhren wir weiter. Ein weiterer Backpacker gab uns den
    heißen Tipp nach San Pedro zu fahren. Denn dort gibt es eine kleine Bucht, die
    nur per Schiff oder über die Berge erreichbar ist. Dort leben ein paar
    Aussteiger, abgeschieden vom Trubel der restlichen Welt. Bei heftigem Wind
    wanderten wir schwer bepackt über die kleine Bergkette, die die Bucht umgibt. Ganz
    ohne war das nicht, denn der Pfad führte stellenweise direkt an der Klippe
    entlang. Einen Meter breit, auf der einen Seite der Berg, auf der anderen der
    steile Abhang direkt zum Meer. Ein falscher Schritt und schwups. Der Wind
    machte einem ganz schön zu schaffen. Dementsprechend froh waren wir, als wir
    endlich angekommen waren.
     

    Welche Höhle soll es
    denn sein?

     
    Nun ging die Suche nach einer geeigneten Höhle los, denn
    woanders kann man hier nicht übernachten. Es sei denn man hat sein Zelt
    mitgeschleppt. Die paar Ruinen aus der maurischen Zeit sind bereits
    belegt. Leider waren die guten Höhlen schon besetzt, so blieb uns nur eine
    Minihöhle, in der man gerade eben sitzen konnte. Aber zum mehr als schlafen
    braucht man die Höhlen sowieso nicht.

    Man gewöhnt sich tatsächlich schnell daran direkt auf dem
    Höhlenboden zu schlafen, ohne Isomatte oder Luftmatratze, auf offenem Feuer zu
    kochen und mit Ameisen, Mäusen und weiterem Getier zu leben. (In der Gegend
    gibt es auch Skorpione und ich bin sehr froh, dass ich keinem begegnet bin!)
    Mittags knallte die Sonne herunter und verursachte Temperaturen von um die 40
    Grad. Kein Zuckerschlecken. Am Strand brutzeln war da nichts, denn der Sand war
    schon so heiß, dass es unmöglich war auch nur einen Schritt darauf zu tun. Man
    rannte höchstens sehr schnell (au, au, au) über den Strand und rein ins kühle
    Meer. (So kühl war das natürlich auch nicht, aber besser als draußen.) Wer dies
    einmal miterlebt hat, weiß warum die Spanier eine lange Siesta machen. Etwas
    anderes bleibt einem auch gar nicht übrig.
     

    Ganz zwanglos

     
    Kleidung war eigentlich keine Nötig in der Aussteigerbucht.
    Die meisten rannten ohne rum. Hanna und ich schwammen zwar ebenfalls wie die
    Natur uns geschaffen hat, aber den ganzen Tag ohne Kleidung zu verbringen fand
    ich dann doch nicht so toll.
     
    Wir blieben etwa zehn Tage, danach rissen wir uns los, von
    der herrlichen Bucht, dem weißen Sandstrand, dem klaren Sternenhimmel, den
    netten Leuten und dem Leben in der Natur. Denn, wer zu lange bleibt, bleibt für
    immer oder hat es zumindest sehr schwer sich wieder in das normale Alltagsleben
    einzufinden.    
     

    Lärmende
    Touristenstadt

     
    Danach fuhren wir zurück Richtung Malaga und landeten in Nerja,
    einem echten Touri-Ort. Welch ein Unterschied zu unserer entspannten Bucht. Aber
    ich habe mich noch nie so sehr über ein Bett, ein echtes WC und eine Dusche
    gefreut. Erst wer darauf verzichten muss, weiß was für ein Luxus das ist. Ich
    glaube Jedem würde es hin und wieder mal gut tun einmal komplett auszusteigen,
    damit man auch die „einfachen“ Dinge zu schätzen weiß. Von den restlichen Tagen
    will ich hier nicht weiter berichten. Strandurlaub an einem Touri-Ort kennt ja
    jeder.

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