Die Bucht der Aussteiger

Von Malaga aus fuhren wir mit dem Bus an der Costa del Sol
entlang. Schon an der Bushaltestelle wurde klar, dieser Urlaub wird durch das
Wort „tranquilo“ (nur die Ruhe) bestimmt. Als wir auf den Fahrplan gucken
wollten, um zu wissen, wann denn der nächste Bus geht, wurden wir ausgelacht.
„Der Bus kommt offiziell in einer halben Stunde, aber die öffentlichen
Verkehrsmittel sind hier nie pünktlich. Setzt euch zu uns. Tranquilo. Der Bus
wird schon kommen“, riet uns ein netter junger Mann in unserem Alter. Ebenfalls
mit Rucksack bepackt saß er an der Haltestelle, in der einen Hand eine Gitarre.
Das ist übrigens eine schöne Eigenheit in Spanien. Am Strand, in der Stadt,
egal wo, trifft man Menschen mit einer Gitarre in der Hand. Man trifft sich zu
einer improvisierten Jamsession und singt und musiziert aus reiner Lust an der
Freude. Diese Art der Gelassenheit fehlt mir in Deutschland doch sehr.
 

Station
Jugendherberge

 
Unsere erste Station war ein kleiner Ort an der Costa del Sol,
der so klein war, dass mir sein Name entfallen ist. Hier verbrachten wir etwa
eine Woche. Tagsüber, am zwar gut gefüllten, aber nicht überlaufenen Strand
abhängen, schwimmen und bräunen. Abends, das spanische Nachtleben erkunden und
unsere Vorliebe für Tapas entdecken. Besser geht es nicht. Angenehmerweise
lernt man hier das wirkliche Spanien kennen, ohne Touristenmassenansturm. Viele
Spanier, die wir auf unserer Tour getroffen haben, sprechen kein Wort Englisch.
Doch mit meinen Brocken Schulspanisch konnte ich mich erstaunlich gut
verständigen. Die Spanier sind da sehr tolerant. Hauptsache man versteht sich
irgendwie.      
 

Die Bucht der
Aussteiger

 
Dann fuhren wir weiter. Ein weiterer Backpacker gab uns den
heißen Tipp nach San Pedro zu fahren. Denn dort gibt es eine kleine Bucht, die
nur per Schiff oder über die Berge erreichbar ist. Dort leben ein paar
Aussteiger, abgeschieden vom Trubel der restlichen Welt. Bei heftigem Wind
wanderten wir schwer bepackt über die kleine Bergkette, die die Bucht umgibt. Ganz
ohne war das nicht, denn der Pfad führte stellenweise direkt an der Klippe
entlang. Einen Meter breit, auf der einen Seite der Berg, auf der anderen der
steile Abhang direkt zum Meer. Ein falscher Schritt und schwups. Der Wind
machte einem ganz schön zu schaffen. Dementsprechend froh waren wir, als wir
endlich angekommen waren.
 

Welche Höhle soll es
denn sein?

 
Nun ging die Suche nach einer geeigneten Höhle los, denn
woanders kann man hier nicht übernachten. Es sei denn man hat sein Zelt
mitgeschleppt. Die paar Ruinen aus der maurischen Zeit sind bereits
belegt. Leider waren die guten Höhlen schon besetzt, so blieb uns nur eine
Minihöhle, in der man gerade eben sitzen konnte. Aber zum mehr als schlafen
braucht man die Höhlen sowieso nicht.

Man gewöhnt sich tatsächlich schnell daran direkt auf dem
Höhlenboden zu schlafen, ohne Isomatte oder Luftmatratze, auf offenem Feuer zu
kochen und mit Ameisen, Mäusen und weiterem Getier zu leben. (In der Gegend
gibt es auch Skorpione und ich bin sehr froh, dass ich keinem begegnet bin!)
Mittags knallte die Sonne herunter und verursachte Temperaturen von um die 40
Grad. Kein Zuckerschlecken. Am Strand brutzeln war da nichts, denn der Sand war
schon so heiß, dass es unmöglich war auch nur einen Schritt darauf zu tun. Man
rannte höchstens sehr schnell (au, au, au) über den Strand und rein ins kühle
Meer. (So kühl war das natürlich auch nicht, aber besser als draußen.) Wer dies
einmal miterlebt hat, weiß warum die Spanier eine lange Siesta machen. Etwas
anderes bleibt einem auch gar nicht übrig.
 

Ganz zwanglos

 
Kleidung war eigentlich keine Nötig in der Aussteigerbucht.
Die meisten rannten ohne rum. Hanna und ich schwammen zwar ebenfalls wie die
Natur uns geschaffen hat, aber den ganzen Tag ohne Kleidung zu verbringen fand
ich dann doch nicht so toll.
 
Wir blieben etwa zehn Tage, danach rissen wir uns los, von
der herrlichen Bucht, dem weißen Sandstrand, dem klaren Sternenhimmel, den
netten Leuten und dem Leben in der Natur. Denn, wer zu lange bleibt, bleibt für
immer oder hat es zumindest sehr schwer sich wieder in das normale Alltagsleben
einzufinden.    
 

Lärmende
Touristenstadt

 
Danach fuhren wir zurück Richtung Malaga und landeten in Nerja,
einem echten Touri-Ort. Welch ein Unterschied zu unserer entspannten Bucht. Aber
ich habe mich noch nie so sehr über ein Bett, ein echtes WC und eine Dusche
gefreut. Erst wer darauf verzichten muss, weiß was für ein Luxus das ist. Ich
glaube Jedem würde es hin und wieder mal gut tun einmal komplett auszusteigen,
damit man auch die „einfachen“ Dinge zu schätzen weiß. Von den restlichen Tagen
will ich hier nicht weiter berichten. Strandurlaub an einem Touri-Ort kennt ja
jeder.

2 Meinungen

  1. Kannst mir die genau adresse sagen von San pedro und den austeiger strand

  2. liest sich gut. besonders die aussteigerbucht hats mir angetan: wie viele leute leben da, wovon leben sie? was wird gegessen?mfg

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